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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

für Deutschland bearbeitet von Dr. Räß und Dr Weis




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Die heiligen Märtyrerinen Felicitas und Perpetua von Karthago
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Die heiligen Märtyrerinen Perpetua und Felizitas von Karthago - samt ihren Leidensgenossen

Festtag, Gedenktag ist der 7. März

* in

† am 7. März 203 in Karthago

Heiligsprechung:

Wie fromm und gottselig die ersten Christen gelebt, wie unerschütterlich ihr Glaube an Jesus, den Sohn Gottes, wie heiß und treu ihre Liebe zu Ihm gewesen ist, das kannst du deutlich in der nachfolgenden Lebensbeschreibung lesen. Sie ist aus den Akten genommen, welche das enthalten, was die heilige Märtyrer selbst erzählt, und ein Augenzeuge ihres Kampfes und Todes niedergeschrieben hat, welche Akten noch zur Zeit des heiligen Augustinus in der Kirche während des Gottesdienstes vorgelesen wurden. O möchte dein Glaube durch das Beispiel dieser Heiligen noch mehr befestigt, und deine Liebe zu Jesus noch mehr entflammt werden!

Im Jahre 202 entstand unter dem Kaiser Severus eine heftige Christenverfolgung, welche sich bis nach Afrika erstreckte. Dort lebten um diese Zeit in der Stadt Karthago fünf Katechumenen *), nämlich: Revokatus und Felizitas, aus dem Dienstbotenstand; Saturnin, Sekundulus und Vivia Perpetua. Felizitas war damals im siebten Monat schwanger und Perpetua hatte ein Kind an der Brust, das sie säugte. Sie war erst 22 Jahre alt, aus einer vornehmen Familie und mit einen angesehenen Mann verheiratet. Ihr Vater, noch ein hartnäckiger Heide, liebte sie mehr als alle seine Kinder, ihre Mutter und drei Brüder, von denen der Jüngste, Dinokrates, mit sieben Jahren verstorben ist, sind wahrscheinlich Christen gewesen. Diese fünf Katechumenen wurden festgenommen und in ein Gefängnis geworfen. Mit ihnen ließ sich zugleich ein gewisser Satur, wahrscheinlich ein Bruder des Saturnin, der sie im Christentum unterrichtete, einsperren. Kaum lagen sie im Gefängnis, als der Kampf begann. Perpetua selbst erzählt also:

„Wir waren noch bei unseren Verfolgern, als mein Vater, gedrängt von seiner zärtlichen Liebe gegen mich, in das Gefängnis kam, und sich alle Mühe gab, meine Standhaftigkeit zu erschüttern. Vater, sagte ich zu ihm, siehst du hier auf dem Boden diesen Krug?” Er antwortete: „Ich sehen ihn” und ich sagte: „Kann man ihn anders nennen, als was er ist?” Er antwortete: „Nein.” — „Nun, so kann auch ich nichts anders sein, als was ich in der Tat bin, das heiißt, eine Christin.”

Mein Vater, gereizt durch diese Worte, stürzte auf mich zu, um mir die Augen auszureißen, begnügte sich aber damit, mich zu schlagen und verließ mich dann beschämt, daß seine Beweisgründe, die ihm der Teufel eingab, nichts fruchteten. Nachdem ich einige Tage zugebracht hatte, ohne ihn zu sehen, dankte ich Gott, denn seine Abwesenheit gewährte mir einigen Frieden. In der Zwischenzeit wurden wir getauft; und während der Ausgießung des Wassers über mein Haupt, rief mir der heilige Geist zu, um nichts anders zu bitten, als um Mut und Kraft in den Qualen.

Kurze Zeit darauf wurden wir in einen schrecklich finsteren Kerker geworfen, vor dem ich mich anfangs entsetzte, denn ich kannte den Ort noch nicht. O das war ein fürchterlicher Tag; die Luft hier war glühend durch die Hitze, und das Gedränge erstickte uns fast; die Soldaten mißhandelten uns, und ich litt und weinte, weil ich mein Kind nicht hatte. Tertius und Pomponius, zwei Diakonen, welche uns beistanden, erkauften uns mit Gold die Gunst, daß wir jeden Tag einige Stunden an einen minder engen Ort des Gefängnisses gehen durften, um freie Luft zu schöpfen. Während jedes für sich sorgte, säugte ich mein Kind, das man mir halbtot vor Ermattung gebracht hatte. Ich empfahl das Kind meiner Mutter, die mich mit den Brüdern besuchte, und tröstete sie, weil ich ihren großen Schmerz sah, der sie verzehrte. Dieses Alles litt ich mehrere Tage; endlich wurde mir gestattet, mein Kind bei mir im Gefängnis behalten zu dürfen und nun war meine Angst weg, und das Gefängnis war mir so lieb und angenehm wie jeder andere Ort.

Eines Tages sagte mir mein Bruder: „Meine Schwester, du stehst schon so sehr in Gnaden bei Gott; bitte ihn doch, er möge dir in einem Gesichte zeigen, ob Erlösung oder der Martertod dir zu Teil werde.” Da mir Gott schon so viel Gutes erwiesen hatte, antwortete ich ihm im vertrauen: „Morgen sollst du es erfahren, was geschehen wird.” Ich begab mich ins Gebet und bat Gott um eine Erscheinung, und Folgendes wurde mir gezeigt: Ich sah eine außerordentlich hohe Leiter von Gold, deren Ende in den Himmel reichte und die so eng war, daß nur immer einer nach dem andern sie ersteigen konnte. An den beiden Seiten waren Schwerter, Lanzenspitzen, Sicheln und Messer, so daß jeder, welcher unbehutsam oder ohne den Blick immer nach Oben zu richten, hinaufstiege, unfehlbar von diesen Spitzen erfasst und hängen geblieben wäre. Unter der Leiter lag ein großer Drache, welcher diejenigen zu verschlingen drohte, die hinauf steigen wollten„. Der erste aber, der hinauf stieg, war Satur, der sich unsertwegen selbst angegeben hatte, denn er war nicht bei uns, als wir gefangen wurden. Als er auf der Höhe der Leiter angekommen war, wandte er zu mir und sagte: „Perpetua, ich erwarte dich, habe aber Acht, daß der Drache dich nicht verletze.” „Er wird mir nichts zu Leide tun, sagte ich, ich steige hinauf im Namen unseres Herrn Jesu Christi.” Und der Drache erhob, als hätte er Furcht vor mir, langsam den Kopf unter der Leiter; und da ich hinaufstieg, diente er mir zur ersten Sprosse. Als ich das Ende der Leiter erreicht hatte, sah ich einen Mann von großer Gestalt, mit weißem Haar, gekleidet wie ein Hirt; er saß da und melkte Schafe, um ihn herum stand eine Menge Menschen mit weißen Gewändern. Dieser Mann sah mich an und rief mir zu: Sei mir willkommen, meine Tochter; dann gab er mir ein wenig etwas von geronnener Milch, die er soeben gemolken hatte. Ich nahm sie mit gefalteten Händen an und aß sie und alle Umstehenden sagten: „Amen!” Bei diesem Worte erwachte ich und hatte noch etwas ganz Süsses im Munde. Sogleich erzählte ich dies Gesicht meinem Bruder und wir schlossen daraus, daß uns der Martertod bevorstände und fingen an, alle Hoffnung auf Erden aufzugeben. Nach wenigen Tagen verbreitete sich das Gerücht, wir würden verhört; da verließ mein Vater eilig die Stadt und kam zu mir, abgezehrt von Gram, um mich noch einmal zu besuchen. „Habe Erbarmen mit meinem grauen Haare, sagte er zu mir, habe Erbarmen mit deinem Vater, wenn ich würdig bin dein Vater zu heißen, da ich dich bis zur Blühte deiner Jugend an der Hand geführt, dich allen deinen Brüdern vorgezogen habe. O bedecke mich doch nicht mit Schande vor den Menschen. Denke doch an deine Brüder, an deine Mutter, an dein Kind, das ohne dich nicht leben wird. Gib nach, opfere den Göttern, wenn du uns nicht den Tod geben willst; denn, wer von uns wird leben, wenn du stirbst!” Indem er dies sagte, küßte er meine Hände, fiel zu meinen Füßen nieder und nannte mich weinend nicht seine Tochter, sondern seine Herrin. Ich klagte und weinte über sein Alter und über den Gedanken, daß er allein unter den Meinigen sich über meinen Martertod nicht freuen werde. Ich tröstete ihn mit den Worten:

„Es wird bei dem Gerichte nichts geschehen, außer was Gott will, denn wir sind nicht in unserer Macht, sondern in der seinigen.”

Verzweiflungsvoll ging er fort.

Am folgenden Tag, als wir zur Nacht aßen, kam man, um uns auf den öffentlichen Gerichtplatz zu führen und zu verhören. Die Nachricht hiervon war in die benachbarten Straßen gedrungen und es war daher ein großer Zulauf von Menschen. Wir bestiegen den Richtplatz und alle, die befragt wurden, bekannten sich zu Jesum Christum. Die Reihe kam auch an mich; da erschien auf einmal mein Vater, mein Kind in den Armen und indem er mich ein wenig bei Seite nahm, sagte er mit bittender Stimme: „Habe doch Erbarmen mit deinem Kinde.” Auch der Prokurator Hilarian, der Blutrichter war, verband sich mit meinem Vater und rief mir zu: „Erbarme dich der grauen Haare deines Vaters; hab Erbarmen mit der Unschuld deines Kindes! opfere für das Heil der Kaiser!” Ich aber antwortete:

„Ich werde nicht opfern.” Hilarian entgegnete: „So bist du also eine Christin?” „Ja, ich bin eine Christin,” war meine Antwort.

Als sich mein Vater wieder näherte, um mich abtrünnig zu machen, ließ ihn Hilarian mit Ruten fortpeitschen. Dies schmerzte mich so, als würde ich geschlagen und ich weinte trostlos über sein Alter. Nach dem Verhöre fällte der Richter sein Urteil und verdammte uns zum Tode durch die Zähne wilder Tiere. Freudigen Herzens kehrten wir in das Gefängnis zurück. Sobald ich angelangt war, schickte ich den Diakon Pomponius zu meinem Vater, um mein Kind zu verlangen. Mein Vater aber wollte es nicht hergeben. Es gefiel aber Gott, daß weder das Kind nach meiner Brust verlangte, noch auch ich mehr eine Beschwerde der Milch in meiner Brust empfand.

Einige Tage später, als wir alle im Gebete waren, war es mir, als hörte ich eine Stimme, welche den Namen meines verstorbenen Bruders Dinokrates nannte, an den ich seit seinem Tode nicht mehr dachte. Ich weinte bei dem Andenken an seinem Tod und erkannte, daß ich für ihn beten solle, was ich auch tat. Die folgende Nacht hatte ich nun dieses Gesicht im Kerker: Ich sah nämlich Dinokrates aus einem dunklen Orte, wo noch mehrere andere waren, erhitzt, atemlos und mit Schweiß bedeckt, kommen. Sein Gesicht war blaß, staubig und noch blutend aus der Wunde, an der der Knabe gestorben war. Er war mein leiblicher Bruder; eine schreckliche Krebswunde hatte seine Wangen zerfressen, so daß sein Tod fürchterlich zum Ansehen war. Für diesen Knaben hatte ich gebetet. Zwischen mir und ihm war ein großer Zwischenraum, der mich hinderte, ihm entgegen zu gehen; neben ihm war ein Brunnen voll Wasser, dessen Rand aber viel höher war, als er, der sich auf die Fußspitzen stellte, um trinken zu können. Ich war sehr betrübt hierüber, daß der Knabe nicht trinken könne, wachte auf, und erkannte, daß mein Bruder noch leide, allein ich hoffte ihm Linderung verschaffen zu können. Ich betete daher für ihn die ganze Zeit, bis wir in das Lagergefängnis abgeführt wurden; denn wir waren für die Schauspiele bestimmt, welche dem Kaiser Geta zu Ehren im Lager gegeben werden sollten. Ich fuhr fort zu beten und zu flehen Tag und Nacht.

„An dem Tag aber, wo wir gegeißelt wurden, hatte ich ein anderes Gesicht. Ich sah nun den dunklen Ort, wo ich früher den Knaben Dinokrates gesehen, erleuchtet. Der Knabe war mit einem schönen Kleide angezogen, sein Leib war frisch und gewaschen. Die Wunde in seinem Gesicht war geheilt und man sah nur mehr eine Narbe. Der Rand des Brunnens war nun so niedrig, daß der Knabe leicht das Wasser erreichen konnte, auf dem Rand stand eine Schale voll Wasser. Nachdem er seinen Durst gelöscht hatte, lief er vom Brunnen hinweg, um zu spielen, wie es Kinder machen; ich aber erwachte ganz freudig und erkannte, daß er von seiner Strafe befreit wäre.”

Hier nun, christlicher Leser, wollen wir einen kurzen Halt machen un eine Betrachtung anstellen über zwei Punkte. Du weißt, daß die katholische Kirche lehrt, daß es ein Fegefeuer oder einen Ort der Reinigung gibt, wo die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen, welche noch läßliche Sünden auf sich, oder ihre Sündenschuld noch nicht völlig auf Erden abgebüßtund völlige Reinigung und Heilung noch nicht erlangt haben, vollkommen gereinigt werden, weil in den Himmel nichts unreines eingehen kann. Nun gibt es leider viele Christen, welche, vom Irrtum verblendet, das Dasein des Fegefeuers läugnen, und sagen, daß die Geistlichen das selbe erfunden haben. Dies ist aber eine sonnenklare Lüge. Die heilige Perpetua hat im zweiten und dritten Jahrhundert gelebt und an das Fegefeuer geglaubt. Sie hat also im christlichen Unterricht davon gehört und es muß zu ihrer Zeit ein allgemeiner Glaube unter den Christen gewesen sein. Denn als sie ihren siebenjährigen, verstorbenen Bruder aus einem dunklen Ort, ganz erhitzt und voll Durst kommen sah, dachte sie sogleich daran, daß er noch leide. Sie betete also für ihn, wie wir das heute noch für die armen Seelen tun, und siehe da, der Knabe war von seiner Qual erlöst. — Du siehst also, daß der katholische Glaube uralt und keine neue Erfindung ist! — Bete also recht oft und innig für die armen Seelen; du tust ein gutes Werk; sie werden es dir einst an Gottes Thron zu vergelten suchen. Das Zweite, was du betrachten sollst, ist der Umstand, daß du dich von jeder, auch der kleinsten Sünde sorgsam in Acht nehmen mögest. Der Bruder der heiligen Perpetua war noch ein Knabe von sieben Jahren, als er starb, und doch mußte er im Fegefeuer leiden. — Er mußte also Sünden auf sich haben, und so war es auch. Der heilige Augustin meint, er habe wahrscheinlich an einer götzendienerischen Handlung auf Zudringen seines heidnischen Vaters, ohne deren Sündhaftigkeit vollkommen zu erkennen, Teil genommen, oder die Wahrheit verletzt oder sich durch irgend einen Fehler des kindlichen Alters befleckt. — Daraus magst du erkennen, wie heilig und gerecht Gott ist, der auch eines Kindes nicht schont, das sein Gewissen, wenn auch mit einer kleinen Sünde, befleckt. Wie wird es nun dir ergehen? — — O fürchte dich vor der Sünde, möge sie auch noch so klein sein! Auch die geringste Makel der Seele verabscheut Gott und straft sie, wenn nicht bereut und gebüßt, mit den Qualen des Fegefeuers!

Einige Tage nachher, erzählt die heilige Perpetua weiter, erwies uns der Anführer der Soldaten, die uns bewachten, Pudens mit Namen, große Achtung, da er die Gnadenerweisungen Gottes gegen uns bemerkte. Er ließ daher den Brüdern, welche uns besuchten, um uns zu trösten oder selbst getröstet zu werden, freien Zutritt. Als der Tag der Spiele heran nahte, besuchte mich mein Vater wieder. Ganz von Schmerz verzehrt, riß er sich den Bart aus, wälzte sich am Boden, verbarg sein Antlitz auf der Erde, verwünschte sein Alter und sprach Dinge, die jedes Geschöpf zum Mitleid bewegen mußten. Mich ergriff unbegreiflicher Schmerz.

Am Vorabende des zu unserem Kampfe bestimmten Tages hatte ich noch ein Gesicht. Es war mir, als hörte ich den Diakon Pomponius kommen. Er klopfte heftig an die Türe des Gefängnisses und ich ging ihm entgegen, ihm zu öffnen. Er war gekleidet in ein weißes Gewand, das mit einer dreifachen Reihe von Goldgranaten besetzt war und sagte zu mir: „Perpetua, wir erwarten dich, komm mit mir. ” Dann nahm er mich bei der Hand und führte mich einen engen und unebenen Weg. Endlich kamen wir ganz außer Atem beim Amphitheater (Schauspielhause) an. Als wir mitten auf dem Kampfplatze standen, sagte er: „Fürchte nichts; ich bin bei dir und werde an deiner Seite kämpfen.” Dann entfernte er sich und ließ mich allein. Jetzt sah ich eine ungeheuere Menge Volkes um mich hersitzen und da ich merkte, daß ich verurteilt sei, den Tieren vorgeworfen zu werden, so wunderte ich mich, warum man so lange zögerte, sie auf mich los zu lassen. Plötzlich sah ich einen häßlichen schwarzen Ägypter mit seinen Gehilfen auf mich losgehen, gleichsam, um mich zu bekämpfen, zugleich aber erblickte ich eine Schar Jünglinge, die sich mir nahten, um mich zu verteidigen. Sie entkleideten mich, salbten mich mit Öl und ich sah mich jetzt ganz umgewandelt in einen tapferen Kämpfer. Der Ägypter wälzte sich im Staube des Kampfplatzes. Als wir schon auf dem Punkte waren, den Kampf zu beginnen, da näherte sich mir ein Mann von riesenhafter Größe; er war mit einem langen Purpurkleide bedeckt, das an der Brust mit einer goldenen Spange befestigt und mit einer Menge goldener und silberner Granaten besetzt war. In der Hand hielt er einen Stab, wie ein Aufseher der Spiele, und einen grünen Zweig, an dem goldene Äpfel glänzten. Nachdem er Stillschweigen geboten, rief er: „Wenn der Ägypter dieses Weib besiegt, so wird er es mit dem Schwerte töten; wenn aber das Weib ihn besiegt, wird sie diesen Zweig erhalten; ” Dann setzte er sich auf seinen Platz. Der Ägypter und ich wurden nun mit einander Handgemein. Er suchte mich beim Fuß zu packen, ich aber stieß ihn nieder, daß er auf das Angesicht fiel und trat ihm auf den Kopf. Das Volk brach in lautes Geschrei aus; meine Verbündeten stimmten einen Triumphgesang an, ich aber ging zum Aufseher der Spiele und erhielt den Zweig. Er gab mir einen Kuß und sagte: „Meine Tochter, der Friede sei mit dir.” Da erwachte ich, und merkte, daß ich nicht gegen die wilden Tiere, sondern gegen die Teufel kämpfen werde; aber ich wußte, daß mein Sieg gewiß sei. Soweit geht die Erzählung der heiligen Perpetua.

Auch der gottselige Satur hatte eine Erscheinung, die er selbst so erzählt: Es schien mir, als sei unsere Marter geendet, und wir hätten unseren Leib verlassen, als vier Engel uns ergriffen und gegen Sonnenaufgang führten. Ihre Hände berührten uns nicht. Als wir die Erde aus dem Gesichte verloren hatten, sahen wir ein ungeheures Licht und ich sagte: „Perpetua (denn sie war an meiner Seite), sieh, das ist, was der Herr uns versprach; nun erfüllt sich seine Verheißung”. Wir kamen, immer von den Engeln getragen, in einen sehr großen Garten, besetzt mit Blumenbäumen und Rosenstöcken, so hoch wie Cypressen. Sanfte Lüftchen wehten über die weißen und roten Rosen, die wie immer duftende Schneeflocken zu Boden fielen. In diesem Garten saßen vier Engel, schöner noch als die, so uns führten, diese näherten sich uns grüßend und sagten zu den Englein, welche uns begleiteten: „Da sind sie also angelangt, da sind sie also angekommen. ” Jetzt ließen uns die Engel nieder und wir wandelten durch einen breiten, blühenden Laubgang. Hier trafen wir Sekundus, Saturnius und Artarius, die für den Glauben lebendig verbrannt wurden, und Quintus, der als Märtyrer im Kerker gestorben. Als wir sie fragten, wo unsere anderen Bekenner seien, sagten uns die Engel: „Tretet zuerst herein und begrüßet den Herrn des Gartens.” — Sie führten uns in einen Saal, dessen Mauern versteinertes Licht zu sein schienen. Wir wurden von Engeln mit weißen Kleidern ausgestattet und sahen ein ungeheueres Licht und hörten unzählige Stimmen, die das sangen: Heilig, heilig, heilig! In der Mitte des Saales saß ein Mann mit schneeweißen Haaren und einem jugendlichen Gesicht; seine Füße aber konnten wir nicht sehen. Zu seinen beiden Seiten saßen vierundzwanzig Greise und hinter ihm noch andere Leute; und wir näherten uns dem Throne und die vier Engel hoben uns zu ihm ein wenig empor und er küßte uns und die Greise sprachen: „Bleibet da” — und wir blieben eine Weile; dann sprachen sie: „Gehet und unterhaltet euch,” — und ich sagte: „Perpetua, nun hast du, was du gewollt,” sie aber entgegnete: „Gott sei Dank! als ich noch lebte, war ich auch heiter und fröhlich, aber um wie viel fröhlicher bin ich jetzt!”

Als wir hinaustraten, sahen wir an der Türe rechts den Bischof Opatus und links den Priester Aspasius, beide sehr traurig. Sobald sie uns erblickten, warfen sie sich uns zu Füßen und sagten: „Stiftet Frieden zwischen uns.” Wir aber fragten sie: „Bist du nicht unser Bischof; und du, bist du nicht Priester? Warum also werft ihr euch uns zu Füßen?” Sogleich fielen wir ihnen zu Füßen und küßten sie.

„Perpetua redete dann mit den Beiden im Garten, aber während des Gesprächs kamen die Engel und geboten, die Märtyrer nicht in ihrem Frieden zu stören, dem Optatus aber gaben sie einen Verweis und mahnten ihn, die Streitigkeiten unter den Gläubigen in seiner Diözese zu schlichten, dann schien es, als schlössen sie die Pforte des Gartens hinter ihnen zu. Wir aber, erzählt Satur weiter, fanden im Garten viele unsere Brüder und Märtyrer, wir unterhielten uns mit ihnen und wohlriechende Düfte erquickten uns. Ganz freudig erwachte ich aus meinem Traum.”

Jetzt wollen wir hören, was ein Augenzeuge von den Leiden der Märtyrer erzählt. — Den Sekundulus hatte Gott noch im Kerker zu sich gerufen, um ihm die Qual, von den wilden Tieren verzehrt zu werden, zu ersparen. Felizitas aber, welche in dem achten Monate ihrer Schwangerschaft war, hatte großen Kummer, sie möchte deshalb nicht mit ihren Freunden zugleich das Martertodes sterben dürfen. (Bei den Römern durften schwangere Weiber erst nach der Entbindung zum Tode geführt werden). Auch ihre Mitbrüder härmten sich, daß Felizitas nicht mit ihnen sterben sollte und sie flehten daher drei tage vor dem Kampfe einstimmig zu Gott; kaum aber hatten sie ihr Gebet vollendet, als sie von einer gesunden Tochter entbunden wurde. Eine Schwester, die sie hatte, nahm das Kind zu sich. — Indessen behandelte der Hauptmann, dem ihre Bewachung anvertraut war, die heil. Bekenner sehr hart, weil man ihn überredet hatte, die Christen könnten sich durch Zauberkünste aus dem Gefängnisse befreien. Perpetua aber sah ihm fest in`s Auge und sagte zu ihm: „Wie kannst du denen keine Ruhe und Erholung gönnen, welche dem Kaiser angehören und an seinem Geburtstag kämpfen müssen? Wird es nicht rühmlicher für dich sein, wenn man uns frisch und wohlbehalten findet?” Der Hauptmann schämte sich und befahl, daß man die Bekenner milder behandle. Der Kerkermeister, Pudens, der sich indessen bekehrt hatte, leistete ihnen heimlich alle möglichen Dienste. Am Vorabend der Kampfspiele brachte man ihnen das letzte Abendessen, was man „Freimahl” nannte. Aber unsere Heiligen machten daraus eine „Liebesmahl.” Zu dem Volke, das neugierig herbei gelaufen war, um sie zu sehen, sprachen sie ernste Worte von den Gerichten Gottes und lächelnd sagte Satur: „Werdet ihr den Morgen nicht genug sehen? Schaut uns nur recht an und merkt euch unsere Gesichtszüge, ihr werdet sie am großen tage des Gerichtes wieder sehen und erkennen.” Bei diesen Worten entfernten sich mehrere mit Entsetzen, andere blieben und glaubten an Jesus.

Endlich brach der Tag des Kampfes und Sieges an; man ließ die heiligen Märtyrer aus dem Gefängnisse gehen und in das Schauspielhaus führen. Ihr Gesicht glänzte vor Freude. Perpetua ging zuletzt, festen Schrittes und ein Lächeln auf den Lippen, die Augen züchtig zur Erde nieder geschlagen. Felizitas konnte die Freude nicht verbergen über das Glück, gleich den Andern mit den wilden Tieren kämpfen zu dürfen. Als sie an der Türe der Arena oder des Kampfplatzes angekommen waren, wollte man, wie es Sitte war, die Männer mit einem roten Priestermantel des Götzen Saturnus und die Weiber mit einem Gewande der Priesterin Ceres bedecken. Die heiligen Märtyrer weigerten sich aber, diese heidnischen Kleider anzunehmen, weil ihr Gewissen und Gott solches nicht dulde. Der Tribun gab nach und ließ sie in ihren eigenen Kleidern eintreten. Kaum aber eingetreten fing Perpetua zu singen an, als habe sie schon den Sieg errungen. Revokatus aber, Satur und Saturnius bedrohten das Volk und den Stadthalter mit den Gerichten Gottes. Darüber erbittert verlangte das Volk, daß sie sollten mit Ruten gepeitscht werden, die Heiligen aber wünschten sich einander Glück, daß ihnen Etwas von den Leiden Christi zu Teil wurde.

Was sie von Gott begehrten, wurde ihnen gewährt. Als sie noch im Gefängnisse lagen, hatten sie eines Tages von den verschiedenen Todesarten geredet; der Eine wünschte diese, der andere jene. Saturnin wünschte allen Tieren des Amphitheaters vorgeworfen zu werden, damit die blutigen Blumen seine Krone bildeten; sein Wunsch ward erfüllt. Nachdem ein Leopard ihn und Revokatus zerfleischt hatte, stürzte ein Bär auf sie los, der sie unter seinen Bissen bis in die Nähe der Schaubühne schleppte. Satur hatte früher gesagt, daß er eine sehr große Furcht vor Bären habe, und daß sein einziger Wunsch sei, ein Leopard möge ihm mit einem einzigen Bissen töten. Christus erhörte teilweise seinen Wunsch. Ein Wildschwein wurde auf ihn losgelassen; aber das Tier wandte sich plötzlich um, schlitzte dem Aufseher den Leib auf und kehrte zu dem Märtyrer zurück, schleppte ihn einige Schritte weit und trat ihn dann mit Füßen. Darauf führtte man ihn ein einem Bären vor, allein dieser wollte nicht aus seinem Käfige gehen. Man stellte also Satur zurück, um ihn für einen zweiten Kampf aufzusparen. — Es kam nun die Reihe an die Frauen Perpetua und Felizitas. Sie wurden entkleidet, mit einem Netze umwickelt un dem Angriff einer wilden Kuh ausgesetzt. Das Volk wurde bei dem Anblick dieser Frauen von Abscheu und Mitleiden ergriffen, denn die Eine war noch jung und zart, die andere hatte erst vor drei Tagen geboren. Man ließ sie daher aus dem Netz treten und wieder ankleiden. Perpetua trat zuerst vor. Die Kuh nahm sie auf die Hörner, warf sie in die Luft und ließ sie rücklings niederfallen. Als die züchtige Frau merkte, daß ihr Gewand zerrissen sei, faßte sie es schnell aus Schamhaftigkeit zusammen, und als sie nach Felizitas um blickte und diese von der Kuh verwundet auf dem Boden liegen sah, reichte sie ihr die Hand, um sie aufzurichten. Sie erwarteten nun Beide, daß man sie einem neuen Kampfe aussetze, allein, da das Volk dieses nicht mehr wollte, führte man sie an das Tor, Sana vivaria genannt, welches auf den Marktplatz führte. — Dort wurde Perpetua von einem Katechumenen, mit Namen Rustikus, empfangen und fing an, wie von einem tiefen Schlafe erwacht, sich umzusehen und die Umstehenden zu fragen: „Wann doch wird man mich jener Kuh vorwerfen?” Und da man ihr sagte, dies sei schon geschehen, so glaubte sie es nicht eher, als bis man ihr die Wunden zeigte und die Risse ihrer Kleider. Hierauf ließ sie ihren Bruder kommen und redete diesen und den Katechumenen also an: „Stehet fest im Glauben, liebt euch alle untereinander und ärgert euch nicht an meinen leiden.”

Unterdessen stand Satur (den der Bär nicht verletzt hatte) an einem anderen Tore und hatte Gelegenheit, mit dem Kerkermeister Pudens zu sprechen: „Du siehst, sagte er zu ihm, daß eingetroffen ist, was ich vorher gesagt habe. Kein Tier hat mir ein Leid getan. Glaube daher mit ganzem Herzen an Den, an welchen ich glaube. Ich kehre nun in das Amphitheater zurück und ein Leopard wird mich mit einem einzigen Bisse töten.” Es geschah so, wie er gesagt, denn ein Leopard fiel ihn so grimmig an und versetzte ihm mit einem einzigen Bisse eine solche Wunde, daß sein ganzer Leib mit Blut befleckt war. Mit großem Geschrei rief das Volk ihm zu: „Getaufter, jetzt bist du gerettet.” Und in der Tat, er war gerettet, denn er hatte im Kampfe gesiegt. Sterbend wandte sich der heilige Märtyrer zu Pudens und sagte ihm; „Lebe wohl, mein Freund, gedenke meiner; mein Tod möge dich nicht wanken machen, sondern stärken.” Hierauf nahm er einen Ring vom Finger, tauchte ihn in sein Blut und gab ihm denselben als Unterpfand zur Belebung des Glaubens.

Von hier brachte man ihn sterbend mit Perpetua und Felizitas an den Ort, wo man denen, welche noch atmeten, den Todesstoß gab. Das Volk aber forderte mit lautem Geschrei, daß alle jene, welche nur verwundet seien, in die Mitte des Platzes geführt und vor seinen Augen niedergemetzelt werden sollten. Die heiligen Märtyrer erhoben sich alle und küßten sich, schleppten sich dann, gegenseitig unterstützend, an den Ort, wo das Volk sie verlangte, und empfingen dort still und lautlos den Todesstoß. Satur starb zuerst, denn er war auch der Erste, den Perpetua die Leiter zum Himmel besteigen sah; Perpetua hatte vor ihrem Ende noch zu leiden, denn der Henker traf sie mit dem Schwert zwischen die Rippen, und sie war gezwungen, ihm die Stelle zu zeigen, wohin er mit dem Schwerte stossen sollte. Sie vollendeten ihre Marter im Jahre 203 am 7. März. Ihre glorreichen Leiber wurden von den Brüdern aufbewahrt und im fünften Jahrhundert zur zeit des heiligen Augustin befanden sie sich noch in der großen Kirche zu Karthago. Alle tage nennt der Priester in der heil Messe den Namen der heil Perpetua und Felizitas.

Die heilige Perpetua und Felizitas werden abgebildet in Matronenkleidung, einen Palmzweig in der Hand und eine Kuh neben sich.

Gebet:
Bitte. O Jesus, vermehre meinen Glauben, oder hilf vielmehr meinem Unglauben, denn ich fühle es, daß in mir der Glaube noch nicht feste Wurzel gefaßt; gib mir auch von deiner Liebe, denn mein Herz ist kalt. Ohne Glauben, ohne Liebe gelange ich ja nicht zu dir, mein Jesus, zu dem ich so gerne gelangen möchte.
Amen

*)
Katechumenen hießen in früheren Zeiten diejenigen, welche in den Anfangsfründen des Christentums Unterricht erhielten, um so zum Empfange der heiligen Taufe vorbereitet zu werden. Wenn also Juden oder Heiden Christen werden wollten, so wurden sie nicht gleich getauft, sondern die Bischöfe oder Priester legten ihnen die Hände auf un bezeichneten sie mit einem Kreuze, wodurch sie dann unter die Zahl derjenigen aufgenommen wurden, welche den christlichen Unterricht, oder Katechismus hören durften. Erst wenn sie hinlänglich unterrichtet waren, wurden sie getauft und in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

Quellen:
Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)

Heilige im Monat März -
  1. • Eudoria (Eudokia)
    • Suitbert (Suidbert)
    David
    • Leo
    • Monan
    • Albinus von Angers
  2. • Karl von Flandern
    • Ceadda (Chad)
    • Marnan
  3. • Kunigunde, Kaiserin
    • Marinus, Märtyrer
  4. • Kasimir von Polen
    • Lucius
    • Basin
    • Petrus
    • Hadrian v. St. Andrews
  5. • Johann Joseph v. Kreuz
    • Hadrian und Eubul
    • Kiaran (Kenerin)
    • Gerasimus
    • Theophilus
    • Eusebius
    • Virgilius
  6. • Koletta, Coleta
    • Reginbald, Bischof
    • Baldred
    • Cadrool
    • Kineburga, Kineswida
    • Fridolin
    • Rosa von Viterbo
  7. • Perpetua
    • Felicitas
    • Thomas von Aquin
  8. • Johannes von Gott
    • Apollonius u. Philemon
    • Sennan
    • Felix
    • Julian
    • Duthac
  9. • Katharina von Bologna
    • Pacian
    Franziska von Rom
  10. • Simplicius, Papst
    • Vierzig Märtyrer
  11. • Eulogius von Cordoba
  12. Fina
  13. • Euphrasia, Jungfrau
  14. • Mathildis, Mathilde
    • Bonifacius von Roß
  15. • Zacharias
  16. • Megingoz von Würzburg
    • Heribert von Köln
    • Julian von Cilicien
    • Finian
    • Eusebia
    • Gregor
  17. • Gertrud von Nivelles
    • Patrizius, Patrick
  18. Zyrillus, Cyrill
    • Eduard von England
    • Alexander v. Jerusalem
    Narzissus
  19. • Joseph, Josephitag
  20. • Wolfram von Sens
    • Ambrosius von Sienne
  21. • Nikolaus von Flüe
    • Serapion, der Sindonite
    • Benedikt von Nursia
  22. • Paulus von Narbonne
    • Lea
    • Deogratias
    • Katharina von Schweden
    Basilius von Ankara
  23. • Toribio, Turribius
  24. • Gabriel, Erzengel
    • Katharina von Schweden
    • Simon von Trient
  25. • Mariä Verkündigung
  26. • Ludgerus, Ludger
    • Johannes von Lykopolis
  27. • Rupert, Ruprecht
  28. • Guntram
    • Sixtus III., Papst
  29. • Jonas
    • Barachisus
    • Regulus
    • Zosimus
  30. • Acacius, Achatius
    • Guido (Wido)



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