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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

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Der selige Johann Joseph vom Kreuz
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Johann Joseph vom Kreuz - (Carolo Gaetano Calosirto)

  • Festtag, Gedenktag ist der 5. März
  • * am 15. August 1654 in der Stadt Ischia auf der gleichnamigen Insel in Italien
  • † am 5. März im Jahre 1734
  • Seligsprechung: 1789 wurde er in die Zahl der Seligen eingeschrieben
  • Heiligsprechung: 1839 erfolgte dann die Heiligsprechung

Er war in der Stadt Ischia, auf der durch ihr Heilbad berühmten Insel gleiches Namens im Königreiche Neapel, von frommen Eltern aus dem adeligen Geschlecht von Calosirto geboren. Er sah und hörte von seinen Eltern und den Menschen, mit denen seine Eltern ihn und seine 6 Geschwister umgeben hatten, nur Gutes. Darum war die Erziehung dieser 7 Kinder so gesegnet, daß sechs von ihnen in einen Ordensstand traten. Von zarter Kindheit liebte Johann Joseph das Gebet, das Stillschweigen und die Einsamkeit. Er hatte sich im hinteren Teil des Hauses ein Zimmerchen gewählt, und blieb da einsam alle Stunden, die er nicht in der Kirche oder Schule zu brachte. Er lernte da seine Schulaufgaben und verwendete seine übrige Zeit auf Gebet und Lesung frommer Bücher. Das heiligste Altarssakrament besuchte er, so oft er nur konnte, und fastete zu Ehren Mariens alle Samstage und alle Vorabende ihrer Festtage in Wasser und Brot   —   schon im Alter von 10 bis 12 Jahren! Nie aß er etwas außer der Mahlzeit und übte harte Strengheiten gegen sich mit Geißeln und Bußgürteln, die er sich selbst machte. Er ging niemals in die Gesellschaft seines Gleichen, weil er wußte, daß da sie Unschuld nicht lange unverletzt bleibe. Seine Liebe zu Gott erfüllte den Knaben schon mit Eifer, Andere zu unterrichten, zu allem Guten zu erinnern und vor Sünden, als dem größten Überl, zu warnen. Den Armen, die er zärtlich liebte, gab er alle guten Speisen, all sein Taschengeld und Alles, was er zum Geschenke erhielt. Mit 14 Jahren hielt er täglich schon lange Betrachtungen!

In diesem Alter empfand er auch schon ein inniges verlangen, in ein Kloster eines strengen Ordens zu gehen, und betete viel, damit ihm Gott zu erkennen gebe, in welches er gehen sollte. Er fing in dieser Absicht auch eine eigene neuntägige Andacht an. In diesen tagen kamen Franziskaner von der strengen Verbesserung, welche der heil Peter von Alcantara eingeführt hatte, nach Ischia und in das Haus des Herrn von Calosirto. Da lernte der fromme Sohn sie und ihre Lebensart kennen, und war von Begierde entflammt, in diesen Orden zu treten. Doch wollte er vorher seines Berufes sicher sein, und reiste mit Einwilligung seiner frommen Eltern selbst nach Neapel, um sich mit erleuchteten Männern darüber zu beraten. Sobald er aber von dem Willen Gottes versichert war, verließ er ohne Säumen die Welt mit allen ihren Hoffnungen, und trat, noch nicht 16 Jahre alt, in das Kloster der verbesserten Franziskaner. Da er sich seinen Klosternamen selbst wählen durfte, wählte er den Namen Johann, weil er am 24 Juni eingekleidet wurde, den Namen Joseph, weil er diesen heiligen vorzüglich verehrte, und den Zunamen „vom Kreuze,” weil er Kreuz und Leiden schon damals liebte. Das rauhe Ordenskleid, das er erhielt, schätzte er höher, als Purpur, nannte es sein Hochzeitskleid, und zog es bis zu seinem Tode, 65 Jahre lang, nicht mehr aus!.

Der neue Noviz bewährte sich schon im Anfange seines geistlichen Lebens als ein Muster der Abtötung und Verunreinigung mit Gott, und tat es an Strengheiten allen seinen Brüdern zuvor. Um desto nötiger fand es sein Novizenmeister, ihn wohl zu prüfen. Darum legte er ihm die schwersten Übungen der Demut und Selbstverleugnung auf. Johann Joseph übernahm sie mit Freuden und bewies, daß er diese Tugenden, als die Grundlagen aller wahren Frömmigkeit, mit Gottes Gnade schon lange sich erworben habe. Seine Obern ließen ihn, nachdem er sich durch die feierlichen drei gelübde Gott und dem Orden schon geopfert hatte, noch drei Jahre im Noviziate, damit sein Beispiel auch andere Ordensneulinge entzünden möchte. Er wählte sich nach Jesus, unserem allgemeinen Urbilde, den heil. Franz von Assisi und den heil. Peter von Alcantara zu besonderen Vorbildern. Wie dieser, trug er oft den ganzen Tag Steinchen im Munde, um sich an das Stillschweigen zu gewöhnen, Er schlief schon damals nur 3 Stunden jede Nacht. Er trank keinen Wein, und aß kein Fleisch und keinen Fisch mehr, nichts mehr, das den Gaumen wohl schmeckte, und übte andere Strengheiten. Aber bei allen seinen Abtötungen hielt er sich genau an den Willen seiner Obern, und unterließ nie das Mindeste von den gewöhnlichen Ordensübungen,. Diese Abtötungen belohnte ihm Gott mit himmlischen Troste, besonders im Gebete und in den Betrachtungen.

Um diese zeit erhielten die Franziskaner zu Piedimonte, einem Flecken in Terra die Lavoro, ein Marienkirchlein mit einem schlechten Hause, das die Väter Serviten verlassen hatten. Da mußten sie nun ein Kloster bauen, und dieser Bau wurde dem jungen Bruder Johann Joseph übertragen. Er führte den Bau genau nach der Vorschrift des heil. Peter von Alcantara: jede Zelle wurde 7 Fuß lang, 6 breit und 8 hoch. Der demütige Bauführer machte zugleich den Handlanger, und verrichtete die schwersten Arbeiten, ungeachtet der harten Bußwerkzeuge, mit denen sein Leib ausgerüstet war, so daß oft das Blut zur Erde rann. Da das Kloster gebaut war, herrschten in dem selben beständige Einsamkeit, lange Betrachtungen, langes Chorgebet und eine sehr strenge Lebensart, und Bruder Johann Joseph tat es auch den frömmsten Vätern zuvor. Jetzt fing Gott auch schon an, ihn mit außerordentlichen Gnaden auszuzeichnen. Er hatte sich durch seine harten Arbeiten und Abtötungen eine solche Brustschwäche zugezogen, daß er Blut aus warf. Lange hielt er dieses Leiden geheim, weil er sich des Leidens freute; allein da er dem Chore und anderen Verrichtungen nicht mehr nachkommen konnte, bat er Gott unter Mariens Fürbitte um Hilfe, und seine Brust ward in einem Augenblicke so gestärkt, daß er im ganzen Leben keinen Anfall von diesem Übel mehr hatte. Auch war er schon um diese Zeit (was in der Folge öfter geschah) verzückt und in der Luft schwebend gesehen; denn da man ihn im ganzen Kloster gesucht hatte, sahen ihn endlich seine Mitbrüder in der Kirche so erhoben, daß er mit dem Haupte das Gewölbe berührte.

Gerne wäre der Selige in diesem Kloster und in diesem Stande eines einfachen Klosterbruders immer geblieben, vergessen von der ganzen Welt; allein seine Vorgesetzten wollten, daß er Priester werde, und er gehorchte. Um sich auf das Amt der Seelsorge besser vorbereiten zu können, baute der Selige in einem Wädchen, das an das Kloster stieß, bei einem Kirchlein 5 Einsiedeleien, in welche sich die Brüder nachher oft zurück zogen, um sich nach den harten Arbeiten für das Heil der Seelen im Geiste zu erneuern und wieder zu neuen Arbeiten zu stärken. War die Strenge im Kloster schon groß, so übertriffte es fast unseren Glauben, wie streng sie hier gebraucht wurde. Da Wädchen war mit einer Mauer umgeben, damit niemand sich den Einsiedlern nahen, und ihre Geistesversammlung stören konnte. Den ganzen Tag hörte man nicht ein Wort; nur an gewissen Tagen kamen sie zusammen, um sich von göttlichen Dingen zu unterreden und gegenseitig ihren Eifer noch mehr anzuflammen.

Johann Joseph war einer der ersten, der hier wohnte, ehe er die heil. Priesterweihe empfing. Fest in der Wissenschaft der Heiligen gegründet und von dem Feuer des heil. Geistes durchglüht, fing der Selige seine Arbeiten im Weinberge des Herrn an. Allein bald mußte er dieses Kloster und seine neuen Arbeiten verlassen, und öfter Novizenmeister und Guardian, einmal auch Desinitor und Provinzial werden. Als Novizenmeister bildete er seine Ordensneulinge mehr durch sein Beispiel, als durch Worte; hielt sie aber mit allem Eifer zu großer Strenge an. Einst starb einer seiner Novizen, der am meisten strenge Abtötungen geübt hatte. Johann Joseph geriet nun in Furcht, ob er von seinen Anfängern, die erst aus der weichlichen Welt in den Orden gekommen sind, nicht mehr Strenge forderte, als ihre Kräfte tragen konnten. Sein zartes Gewissen wurde hart bedrängt, bis ihm der gestorbene Novize erschien, und ihm dankte, daß er ihn aus dem tiefen Schlamme seiner Sünden heraus gezogen und die Seligkeit des Himmels erringen half, und ihn ermunterte, seine Novizen auf dem Wege der Liebe und Strenge fort zu leiten, wie bisher. Als Guardian (Oberer des Klosters) übter er noch alle Arten der Demut: er kehrte das Kloster aus, grub im Garten um, trug Holz und Wasser in die Küche, und verrichtete andere niedrige Dienste des Hauses. Öfter zog er sich zu Piedimonte, wo er dreimal Guardian war, in die Einsiedelei zurück, um sich ruhiger mit Gott vereinen zu vereinigen. Gott half ihm, so lange er dieses Amt führte, in Not öfter auf eine wunderbare Weise. In einem Jahre großer Teuerung war einmal alles Brot unter die Armen verteilt: Der Guardian wußte es, und empfahl seine Brüder dem Herrn. Da der Chor kaum vollendet war, brachte eine unbekannte Person, so viel man bedurfte. Ein anderes Mal fand man in gleicher Not an der Pforte Brot in einem Korbe, obschon man im neu gefallenen Schnee keinen Fußtritt bemerkte. So geschah es auch einige Male mit dem Wein und dem Gemüse. Als Provinzial (Oberer der Klöster dieses Ordens in dem Lande) trachtete er die vorgeschriebene Strenge in allen seinen Köstern zu erhalten. Er untersuchte alle, und machte alle Reisen mit bloßen Füßen, obschon diese mehrere offene Wunden hatten. Er nahm nirgends ein Erquickung an, und machte in jedem Kloster die gemeinsten Verrichtungen und Bußwerke mit. Die Tugend und Zufriedenheit seiner Mitbrüder von innen und die Achtung der Menschen gegen den Orden von außen nahm unter seiner Amtsführung immer mehr zu.

Um den Ämtern, die er so sehr fürchtete, zu entgehen, wendete er sich nach Rom und erhielt ein päpstliches Preve, daß er alle Ämter überhoben, und nie mehr gewählt werden soll. Nun vermehrte er seine Strengigkeiten noch, als wenn er bisher noch Nichts getan hätte. Doch da er nun schon 24 Jahre lang nichts Warmes genossen hatte, drohte ihm eine Wassersucht. Der Arzt stellte seine Gesundheit zwar wieder her; schrieb ihm aber vor, daß er das Heilbad in seiner Vaterstadt Ischia brauchen, täglich eine warme Suppe esse, und kein Wasser mehr trinken sollte. Dieser Verordnung zu folge, aß er jetzt alle tage eine warme Suppe, der aber durch Zusatz von Wermut und durch Einstreuung von Asche allen Geschmack nahm. Weil ihm der Arzt verbot, Wasser zu trinken, und seine Liebe zur Armut ihm verbot, Wein zu trinken, trank er nun gar nicht mehr bis zu seinem Tode   —   30 Jahre lang. Eine staunenswürdige Abtötung in einem so warmen Lande! Da er nun mehr Ruhe hatte, arbeitete er desto mehr in der Seelsorge. Er war unermüdet im Beichtstuhle, und bekehrte viele große und verhärtete Sünder. Er brachte ganze Tage und Nächte am Krankenbett zu. Er wurde von allen Seiten um Rat gefragt, stiftete überall Frieden, wo dieser gestört war, und wurde von mehreren Bischöfen gerufen, damit er vielen Frauenklöstern den Eifer, wo er ausgegangen war, wieder anflammte. Er entflammte alle Herzen zur Tugend, und leitete viele zur Vollkommenheit.

Sein Leben war ein Lieben, und seine Liebe war eine stille Vereinigung mit Gott. Er kam in die Kirche zum Hochwürdigsten Gute, so oft er konnte; blieb da, so lange er konnte, und entfernte sich immer nur mit Schmerz. Er unterwies viele Knaben in der lateinischen Sprache, und legte in ihre Herzen einen tiefen Grund von Gottesfurcht, um sie zu den Studien vor zu bereiten. Täglich teilte er den Kranken mit, was ihm zum Essen aufgesetzt war, und trug als Guardian dem Bruder Pförtner auf, keinen Armen ungelabt und ungetröstet gehen zu lassen. Er betete viel für jede Not des Nächsten und jedes Anliegen der Kirche, besonders für Sünder und Sterbende. Öfter verwies ihm Gott auf sein Anerbieten die Gnade, daß die Kranken gesund wurden, und er ihre Krankheiten erhielt.

Voll des christlichen Kindersinnes, gehorsamte er, ohne eigenen Willen, wie ein Kind, obschon seine späteren Obern früher seine Novizen oder Untergebenen gewesen sind. Eben so willig gehorsamte er in seinen Krankheiten den hausbrüdern, die ihn zu bedienen hatten. Die Armut liebte er, wie seine Mutter. sein Habit, den er 65 Jahre trug, war voll Flecke. Als ihn ein Fürst fragte, warum er so geflickt daher gehe, sagte er: „Jeder nach seinem Stande. Eure Durchlaucht tragen Stickereien von Gold und Seide: des Bettlers Stickerei sind Flecke.” Aber seine Keuschheit war ohne einen Flecken, und seine Eingezogenheit so groß, daß er die Augen niemals erhob. Er war die lautere Demut, und sinnreich, seine Tugenden und seine höheren Gaben zu verbergen. Zu allen armen Kranken ging er mit Freuden, aber keine Einladung, kein Bitten konnte ihn bewegen, den Vicekönig und seine Gemahlin zu besuchen. Er fürchtete nämlich, an der Demut einen Schaden zu leiden. Wenn er als Provinzial reiste, durfte sein Begleiter nie sagen, daß er der Provinzial, sondern nur, daß sie arme Franziskaner wären.

Seine Buße und Abtötung dient, wenn schon nicht ganz zur Nachahmung, doch ganz zur Beschämung unserer Weichlichkeit und Lauigkeit. Sich zu geißeln, war schon in früher Jugend seine gewöhnliche Übung; in reiferen Jahren und im Alter schlug er noch unbarmherziger auf seinen Leib los. Von seinem zwanzigsten bis in sein vierzigstes Jahr trug er ein Kreuz mit eisernen Spitzen auf seiner Brust; ein noch größeres mit 2 Reihen Nägeln trug er auf dem Rücken, mit einer Schnur von Roßhaaren verbunden. Später mußte er es seiner Krankheit wegen weglassen, und dann trug er einen Brustgürtel, wie ein Reibeisen, und dieses hatte er noch bei seinem Tode um den Leib. Ähnliche Bußgürtel hatte er mehr, mit denen er wechselte, damit sein Leib sich nicht an eine Marter gewöhnte. Dafür hatte er von Gott reichliche Gnade, Wunder zu wirken und künftige Dinge voraus zu sagen. Man hat sogar Beispiele, daß er an zwei Orten zugleich war.

Die letzten Jahre konnte er nicht mehr aus gehen. Da war denn sein Beruf, für die Kirche Gottes und für einzelne Stände und Glieder der Kirche zu leben und zu leiden; und diesem heilsamen Beruf entsprach er mit aller Treue, empfing alle Wochen ögter die heiligen Sakramente, und bereitete sich mit allem Eifer auf seinen Tod vor, der am 5. März im Jahre 1734, im 80. Lebensjahre erfolgte. Im Jahr 1789 wurde er in die Zahl der Seligen eingeschrieben.

Quellen:

  • Leben und Taten der Heiligen - Eine Legenden-Sammlung für das christkatholische Volk von Michael Sitzel, Beichtvater des Mutterhauses der barmherzigen Schwestern zu München (1839)
    Neu überarbeitet und digitalisiert von www.heiligenlegenden.de (2009)
  • und Internetrecherchen
Heilige im Monat März -
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