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Der heilige Paulus
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Der heilige Apostel Paulus, -

Der Festtag, Gedenktag, Verehrungstag der beiden Apostel Peter und Paul ist der 29. Juni

* unbekannt      um 65

Um das Jahr 36 nach Christi Geburt war unter den Juden in der Stadt Damaskus eine gewaltige Aufregung. Ein Mann aus dem Geschlechte Benjamins, ein Pharisäer, ein großer Eiferer für das Gesetz Mosis, daher auch ein großer Verfolger der Anhänger Jesu, des Gekreuzigten, tritt plötzlich in ihren Schulen und Bethäusern auf und predigt, daß Jesus der Sohn Gottes und der verheißene Messias sei. Sie wissen nicht, was sie sich davon denken sollten, so unerwartet kam ihnen das Ereignis. Anfänglich stritten sie mit ihm und suchten ihn zu widerlegen; da er sie aber durch die Kraft seiner Worte beschämte, faßten sie den Entschluß, ihn zu töten, und bewachten Tag und Nacht die Tore der Stadt, damit er ihnen ja nicht entrinne. Er aber hatte davon gehört und seine Freunde, Jünger Christi, ließen ihn in einem Korb über die Stadtmauer herab. Dieser Mann, dem die Juden zu Damaskus nach dem Leben strebten, war kein anderer - als der heilige Apostel Paulus, der durch die Gnade Jesu Christi aus einem Verfolger Jesu sein treuester Anhänger, ein Gefäß der Auserwählung geworden ist, um den heiligen Namen Jesus vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen. (Apostelgeschichte. 9. 15) (Siehe auch die Geschichte von Paulus Bekehrung).

Aus der Gewalt seiner Feinde gerettet, begab er sich nach Jerusalem. Dort wollten ihm die meisten Gläubigen nicht recht trauen, weil er früher ein so heftiger Verfolger der Kirche gewesen; als sie aber die Umstände seiner wunderbaren Bekehrung genauer erfahren hatten und der heilige Barnabas ihn zu den heiligen Aposteln Petrus und Johannes führte, welche sich herzlich über seine Bekehrung freuten, da dankten sie Gott und nahmen den neuen Glaubensgenossen liebevoll auf. — Fünfzehn Tage blieb er bei der heiligen Gemeinde zu Jerusalem, während welcher Zeit er sich teils mit dem heiligen Petrus unterredete, teils in den Schul- und Bethäusern der Juden predigte und die Ankunft des Heilandes auf Erden unwiderleglich bewies. Allein die Juden verschlossen Ohr und Herz, und da sie ihn nicht widerlegen konnten, suchten sie ihn auch hier aus dem Wege zu räumen. Er mußte sich also auch da wieder flüchten und zog in seine Vaterstadt Tarsus. Hier blieb er nicht lange, denn der Apostel Barnabas berief ihn nach Antiochia, wo aus Jerusalem vertriebene Christen eine Gemeinde gegründet hatten. Beide Apostel arbeiteten nun unermüdet in dieser Stadt am Heile der Seelen und hatten bald die Freude, die Gemeinde zum schönsten Wachstum und zur herrlichsten Blüte zu bringen. Im Jahre 44 trat er seine Bekehrungsreisen an. Sein Herz ganz entflammt von Liebe zu Jesus und zu allen Menschen, für die er zu sterben bereit war, fühlte das innigste Mitleid mit den armen Heiden und den verblendeten Juden. Alle wollte er sie für Jesus gewinnen, alle in den Schafstall der Kirche einführen. Er wanderte zu Fuß, bald allein, bald von Jüngern begleitet, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Er übersetzte Ströme und Flüße und das Meer, litt Hunger, Durst und Blöße, wurde gehaßt, verhöhnt, verfolgt. Fünfmal wurde er von den Juden gegeißelt, dreimal wurde er mit Ruten gehauen, einmal wurde er gesteinigt, dreimal erlitt er Schiffbruch, und einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang befand er sich in den Meereswogen, nahe daran, von ihnen verschlungen zu werden. Seine Todfeinde, die Juden, ließen ihm nirgends Ruhe; sie suchten ihn beständig aus dem Wege zu räumen. Selbst die Heiden mußten ihn gegen ihre Wut in Schutz nehmen. Öfters in`s Gefängnis geworfen und mit Ketten beladen, vor die Gerichte geschleppt, befreite ihn nur seine Weisheit und die Kraft seiner Worte aus den Händen seiner Feinde. Er war daher das vollkommene Abbild seines götttlichen Heilandes, der vorausgesagt hatte:

„Ich will ihm zeigen, was er Alles für meinen Namen leiden werde.”

Dreiundzwanzig Jahre arbeitete er ohne Rast und Ruhe am Heile der Seelen. Keine Gefahr, kein Hindernis schreckte ihn ab. Mit höchstem Freimut und himmlischer Begeisterung predigte er Hohen und Niederen, Juden und Heiden. Wie der Heiland Speise und Trank vergaß, um Seelen zu retten, so auch der heilige Paulus. Jede Gelegenheit benutzte er um in die Herzen einzudringen und sie für Jesus zu gewinnen. Als er einmal mit seinem Begleiter Silas nach Athen zog, die heidnische Weisheit ihren Hauptsitz hatte und der Götzdendienst im höchsten Schwunge war, durchwanderte er die Strassen der Stadt, forschend, ob er nicht eine Gelegenheit fände, seinem Eifer Raum zu geben. Da sah er einen Altar mit der Aufschrift: „Dem unbekanntem Gott geweiht.” Die Athener waren nicht mit ihren Göttern zufrieden, sie wollten alle ihnen noch nicht bekannten Götter der Welt verehren und anbeten. Dieser Aberglaube schnitt dem glaubenseifrigen Apostel in das Herz, und er fing an, zuerst in den Bethäusern der Juden und dann auch auf dem öffentlichen Markte den Heiden zu predigen. Viel Volk und darunter auch Gelehrte sammelten sich um ihn, und da sie ihn Jesum verkündigen hörten, wie er gekreuzigt und wieder auferstanden sei, führten sie ihn vor den hächsten Gerichtshof, wo auch öffentliche Verkündigungen an das Volk geschahen, damit er dort sich hören lasse. In Mitte nun der vornehmsten Männer der Stadt erhob Paulus furchtlos seine Stimme und sprach:

„Athener! Ich sehe, daß ihr in allen Dingen, ich möchte sagen, übergläubig seid. denn als ich umherging und eure Götzenbilder sah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: „Dem unbekanntem Gotte.” Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrt, das verkünde ich euch.”

Nach dieser Einleitung verkündete er mit feurigen Worten den Athenern den wahren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und das Gericht, welches am Ende der Welt Jesus, der Auferstandene, halten werde über den ganzen Erdkreis. — Viele die dies hörten, blieben in ihrem Unglauben, doch mehrere, unter diesen auch Dionysius, ein Mitglied des hohen Rates, glaubten an Christum.

Es schmerzte wohl den heiligen Apostel dieser Unglaube, allein er ließ sich dadurch nicht irre machen. Unverdrossen streute er überall den Samen des Wortes Gottes aus und hatte auch die Freude, an vielen Orten christliche Gemeinden emporblühen zu sehen, so zu Korinth, zu Ephesus, in Galatien, zu Tessalonich, in Philippi, in Kolossä, in Palästina, welchen Gemeinden er dann würdige Männer als Bischöfe und Seelsorger vorsetzte, unter andern den heiligen Titus und Timotheus. So lange er lebte, trug er wie ein zärtlicher Vater diese Gemeinden in seinem Herzen, und da er wegen seiner Reisen nicht immer bei ihnen verweilen konnte, so schrieb er die eindringlichsten Briefe an dieselben und an ihre Vorgesetzten die voll des heiligen Geistes sind. Wir haben noch 14 solcher Briefe, in denen er wie ein Vater mahnt, warnte, belehrte, aufmunterte, tadelte und strafte. — So feurig sein Gemüt war, wenn es galt die Menschen aus dem Schlafe aufzuwecken und ihnen die Decke von den Augen zu ziehen, so voll des Mitleids und des Erbarmens war er auch gegen die armen und notleidenden Christengemeinden. Er selbst nährte sich, wenn es sein Amt zuließ, von seiner Handarbeit; für die Armen sammelte er Almosen und vergaß auch nicht, in seinen Briefen zur Barmherzigkeit gegen die Armen zu mahnen. Besonders lagen ihm die Sünder am Herzen; für sie betete und flehte er zu Gott, für sie tat er Buße, und unaufhörlich mahnte er sie zur Bekehrung und Versöhnung mit Gott, ja seine Liebe zu seinen verstockten Glaubensgenossen, den Juden, die sich nicht bekehren wollten, ging soweit, daß er ausrief:

„Ich wünschte selbst im Banne zu sein, los von Christo statt meiner Brüder. ” (Röm. 9, 3.)

Man kann sagen, daß sein Herz immer im Feuer der Liebe brannte; wenn er in seinen Briefen von der wahren Liebe redet, so glaubt man dieses Feuer brennen zu sehen.

So sehr ihn Gott begnadigte, so blieb er doch immer demütig. Er ward bis in den dritten Himmel verzückt er trug die Wundmale Christi an seinem Leibe; er hatte die Gabe der Sprachen; er sah in die Zukunft und weissagte; Christus selbst, Engel und Heilige erschienen ihm; er erweckte Tote zum Leben, heilte Kranke und Preßhafte und trieb den Teufel aus. Durch Berührung seiner Schweißtücher wurden Kranke gesund — ja so groß war seine Wundergabe, daß man ihn sogar für einen Gott hielt und ihm opfern wollte — und dennoch verachtete er sich dabei so sehr, daß er sich den Geringsten der Apostel, eine Fehlgeburt, den ersten unter den Sündern nannte und seinen Leib fort und fort züchtigte, damit er, wie er sagte, nicht verworfen werde. — Durch beständiges Fasten ertötete er die Gelüste seines Fleisches; niemals trank er Wein und bei allen seinen geistigen und körperlichen Leiden war er doch immer voll des Trostes, so daß er ausrief:

„Ich gehe über vor Freude bei all meiner Trübsal.”

Eine der schönsten Tugenden, die sein Herz schmückten, war die Reinigkeit. Er lebte bis zu seinem Tode unverheiratet und gibt über die jungfräuliche Reinigkeit die trefflichsten Lehren. Sein Leben, sein Alles war Jesus Christus. Der Name Jesus lag immer auf seinen Lippen; er war Honig in seinem Munde, süße Musik in seinen Ohren, Preis und Jubel in seinem Herzen. Nur im Kreuze Jesu rühmte er sich, nur leben wollte er in Christus und mit Christus. Seine einzige Sehnsucht war, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein und diese Sehnsucht wurde endlich nach langem Harren und vieler Trübsal erfüllt.

Im Jahre 58 nach Christus kam er nach Jerusalem, um dort den Armen gesammeltes Almosen zu bringen und auszuteilen. Vergeblich hatte ihn ein Prophet vor dieser Reise gewarnt, vergeblich hatten ihn die Gläubigen davon abgemahnt, er antwortete ihnen:

„Ich bin bereit, nicht nur in Jerusalem mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben um des Namens Jesu willen.”

Er reiste also nach Jerusalem, aber kaum hatte er sich dort einige Tage aufgehalten, als ein Aufruhr unter den Juden entstand, weil sie meinten, er hätte durch einen Heiden, mit dem sie ihn gehen sahen, den Tempel entweiht. Sie ergriffen ihn, schleppten ihn fort, um ihn zu ermorden. Es wäre dies auch geschehen, wenn nicht ein Hauptmann mit Soldaten herbei geeilt wäre, und ihn ihren Händen entrissen hätte. Dieser schickte ihn nun gefangen zu dem Landpfleger Felix, wohin auch die Juden, seine Feinde, gingen, um ihn dort zu verklagen. Paulus verteidigte sich siegreich, mußte aber doch zwei Jahre bei dem Landpfleger im Gefängnis bleiben. Felix war ein schlechter Mensch. Er wollte einerseits den Juden sich gefällig zeigen, andererseits vom heiligen Paulus sich Geld erpressen; dieser aber willfahrte ihm nicht, sondern suchte vielmehr sein Herz auf bessere Wege zu bringen. Allein Felix, auf den die Worte des heiligen Apostels oft großen Eindruck machten, wollte sich von seinen sündhaften Gewohnheiten nicht los machen und blieb verstockt. Nach zwei Jahren wurden er abgesetzt und da nun ein anderer Landpfleger an seine Stelle kam, verlangte der heilige Apostel vor den Kaiser nach Rom geführt zu werden. Er wurde nun auf ein Schiff geschleppt und nach Rom abgeführt. Groß waren die Mühsale und Gefahren welche er auf der langen Reise auszustehen hatte. Doch Gott rettete ihn und wegen seiner auch seine Gefährten, und so kam er denn glücklich im Jahre 61 in Rom an, wo er sogleich in das Gefängnis geworfen wurde. Er wurde aber sehr milde behandelt und durfte sogar allen, welche ihn besuchten, frei das Evangelium verkündigen. Da sich keine Ankläger gegen ihn stellten, wurde er nach 2 Jahren freigelassen. Nun machte er seine letzte Reise in das Morgenland, predigte in verschiedenen Ländern und Gegenden, erduldete noch Kerker, Foltern und Mißhandlungen aller Art, begründete überall den Glauben und kehrte dann wieder nach Rom um das Jahr 64 zurück, wo bereits der heilige Petrus sein Amt als Oberhaupt der Kirche ausübte und seinen großen Kampf gegen das Heidentum kämpfte. Paulus vereinigte sich mit ihm und beide heiligen Apostel arbeiteten nun mit vereinten Kräften an der Verbreitung des reiches Gottes. Paulus hatte das Glück, eine Beischläferin des Kaisers Nero zu bekehren, an welcher das ganze Herz dieses grausamen Wüterichs hing. das lasterhafte Weib ging auf die Worte des Apostels in sich, verließ den kaiserlichen Hof und ergab sich dem Dienste Gottes. Der Kaiser hierüber wütend, ließ den heiligen Apostel in das Gefängnis werfen, in welchem bereits der heilige Petrus gefangen lag. Neun Monate mußte er hier von Allem entbkößt in Banden liegen, aber die Tröstungen, welche im Gott zu schickte, und der Umgang des heiligen Petrus erfüllten sein Herz mit Freude, und mit heißer Inbrunst erwartete er die Todesstunde, um bei Christus zu sein.

Als der Tag des Martertums endlich nahte, wurden die beiden heiligen Apostel aus ihrem gefängnisse gezogen und durch das Tor Ostia an den Ort, „Gesundwasser” genannt, geführt. Der heilige Apostel Petrus wurde gekreuzigt. Der heilige Paulus aber als römischer Bürger enthauptet am 29. Juni 65 oder 67 nach Christus. An dem Platze, wo er enthauptet worden ist, steht jetzt die prachtvolle Kirche St. Paul, die im Jahre 1823 abgebrannt, nun aber fast ganz wieder hergestellt ist. Die Hälfte der Gebeine des heiligen Apostels ruhen in der St. Peterskirche bei den Gebeinen des heiligen Petrus.

Gebet der Kirche:
O Gott, der du durch die Predigt des heiligen Apostels Paulus die Menge der Heiden bekehrt hast, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, feiernd seinen Tag der Geburt, immer empfinden seinen mächtigen Schutz durch Christus, unseren Herrn. Amen

Quelle: Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)

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