Die heilige Julitta, Jungfrau und Märtyrerin - Gedenktag ist der 30. Juli
Der Festtag, Gedenktag, Verehrungstag ist der 30. Juli
* unbekannt. † 303
Der römische Kaiser Diokletian und seine Mitregenten Maximian und Galerius hatten im Jahre 300 den entsetzlichen Entschluß gefaßt, den Namen der Christen, welche damals in ungemeiner Anzahl sowohl im Morgen- als Abendlande lebten, gänzlich von der Erde zu vertilgen.
Überall sollten die Christen aufgesucht, und wer von ihnen nicht den Götzen opferte, sollte gemartert und hingerichtet werden, und um ja das Maas der Grausamkeit voll zu machen, erließen sie ein Edikt, gemäß welchem die Christen aller bürgerlichen Vorrechte und alles gesetzlichen Schutzes beraubt wurden, so daß kein Christ mit seinen Klagen bei Gericht gehört werden durfte, dagegen aber alle Klagen gegen sie angenommen wurden.
Die Christen standen also wie wehrlose Männer ihren wütenden arglistigen Feinden gegenüber und unbeschreiblich sind die Qualen, welche sie um ihres heiligen Glaubens willen erdulden mußten.
Doch Jesus verließ sie nicht, er kämpfte und siegte in ihnen.
Hab und Gut, Leid und Leben gaben sie freudig hin für das höchste Gut des Menschen, —
für ihren heiligen Glauben, und je grausamer die Tyrannen wüteten, desto herrlichere Triumphe feierte die heilige Religion Jesu in ihren treuen Anhängern.
Unter den Christen, welche damals durch henkershand für den heiligen Glauben verbluteten, glänzt durch ihren Heldenmut die heilige Julitta.
Diese heilige Jungfrau lebte zu Cäsarea in Kappadozien.
Ihre Eltern hatten ihr ein reiches Gut an Ländereien und fahrender habe hinterlassen, aber das reinste Kleinod darunter war der heilige Christusglaube. —
Ein Mächtiger der Stadt, von Habsucht gestachelt, nahm ihr gewaltsam den größten Teil ihres vermögens hinweg, und um ja beim Gericht, im Falle er verklagt würde, sicher vor Strafe zu sein, bestach er den Richter mit einer Summe Geldes und sah sich nach falschen Zeugen um.
Julitta sah sich gezwungen, Klage zu stellen.
Als der Tag der Entscheidung erschien und die Richter auf ihren Stühlen saßen, erschien Julitta und stellte den Richtern die unerhörten Bedrückungen des habsüchtigen Mannes klar vor Augen, in der Hoffnung, Schutz und Gerechtigkeit zu finden.
Allein jetzt trat der arglistige Bedrücker auf und sprach: „Julitta ist eine Anhängerin des Gekreuzigten und so lange sie nicht Christo abschwört, sei es nach dem Gesetze nicht erlaubt, daß der Richter ihre Klage anhöre.”
Als der Richter diese Worte vernahm, gab er dem Bösewicht recht und befahl sogleich, feurige Kohlen und Weihrauch herbei zu bringen.
Aldann sprach er zu Julitta: „Das Gesetz der Kaiser gebietet, daß die Christen nur dann Recht erhalten können, wenn sie Christo abschwören und den Götzen Weihrauch streuen; willst du also Anspruch haben auf den Schutz des Staates, so opfere zuvor den Göttern.” —
Doch Julitta besann sich nicht lange, Christus war ihr lieber als alle Schätze der Welt, ja mehr liebte sie ihn als ihr Leben, und ohne Zögern sprach sie also:
„Lieber fahre das Leben dahin; lieber sollen alle meine vergänglichen Güter zu Grunde gehen; ja lieber soll mein Leib selbst nicht länger bestehen, als daß jemals ein gottloses Wort meinem Munde gegen meinen Gott entfahre.”
Erstaunt und erzürnt drang der Richter in Julitta, sich zu besinnen und seinen Worten Folge zu leisten.
Sie aber antwortete immer:
„Ich bin eine Magd Christi”
und drohte denn, welche sie zur Abschwörung anreizten, mit dem Fluche des Allerhöchsten. —
Jetzt überschritt die Wut des ungerechten Richters alle Grenzen der Menschlichkeit.
Er verurteilte die gottgetreue Jungfrau zum Verluste aller ihrer Güter und verhängte über sie die Strafe des langsamen Feuertodes.
Als Julitta das Urteil vernahm, blickte sie ruhig und heiter zum Himmel auf und brachte Gott ihr Leben zum Opfer.
Schon ist der Scheiterhaufen errichtet, bereits ist das Holz angezündet;
Julitta steht heiteren Antlitzes unter den christlichen Frauen, welche sich herzugedrängt hatten, sie zu trösten, und ermahnte sie, die Mühsale für die Bewahrung der Christlichen Religion willig zu ertragen, den Mut nicht sinken zu lassen und nicht zu klagen, noch den Vorwand zu machen, ihre Natur sei zu diesen Leiden zu schwach und gebrechlich.
„Denn, sprach sie, wir sind aus der nämlichen Masse wie die Männer und folglich auch gleich ihnen nach Gottes Bild erschaffen. Auch das Weib wurde von Gott faähig der Tugend gebildet;... wir müssen also nicht minder als die Männer Festigkeit im Glauben, Standhaftigkeit und Geduld in Widerwärtigkeiten zeigen.”
Was Julitta zu den Frauen mahnend sprach, das tat sie selbst; denn sie zeigte plötzlioch einen wunderbaren Mut.
Schon loderten die Flammen des Scheiterhaufens empor, schon waren die Henker bereit, ihr Opfer zu ergreifen, als Julitta furchtlos und festen Schrittes selbst den brennenden Holzstoß erstieg.
Erstaunen und Entsetzen ergriff alle Umstehenden, als sie die heilige mitten in den prasselnden Flammen stehen, beten und sterben sehen.
Die Flammenhitze erstickte sie, das Feuer aber verletzte ihren Leib nicht.
Als es erloschen war, fanden die Christen den Leichnam der Heiligen ganz unversehrt und begruben ihn in der Vorhalle der Hauptkirche der Stadt Cäsarea.
An dem Orte wohin der heilige Leib gelegt wurde, erzählt der heilige Basilius sprudelte ein Quelle köstlichen Wassers hervor, welches die Krankheiten heilte und die Gesundheit bewahrte.
Die heilige Jungfrau wird abgebildet stehend mit erhobenen Augen, ein Schwert in der Hand, eine sprudelnde Quelle neben sich.
Quelle: Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)
Bild: Holzstich aus dem Buch Legende von den lieben Heiligen Gottes (1863)
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