Die heilige Brigitta, - Witwe
Der Festtag, Gedenktag, Verehrungstag ist der 23. Juli
* um 1303 † am 23. Juli 1373 während einer Messe in Rom
Heiligsprechung: am 7. Oktober im Jahre 1391, durch Papst Bonifatius IX.
Papst Johannes Paul II. ernannte die heilige Brigitta am 1. Oktober 1999 zu einer Patronin Europas
Die heilige Brigitta, oder auch Birgitta genannt, wurde geboren als Tochter des Landvogts Birger Pederson
und seiner Frau Ingeborg Bengtsdotter aus dem Geschlecht der Folkunger auf dem Gut Finsta bei Uppsala in Schweden.
Ihr frommer Vater war also ein hoher Fürst dieses Landes aus königlichem Geblüte und starb auf einer Wallfahrt zum Grabe des heiligen Apostels Jakob; ihre Mutter, Sigfrida, ebenfalls aus königlichem Stamme, war eine treue
Anhängerin der katholischen Kirche, und hatte, wie ihr Gatte, eine ganz besondere Andacht zu Jesus, dem Gekreuzigten.
Als sie ihr Kindlein noch unter dem Herzen trug, machte sie eine Reise auf dem Meere.
Von einem heftigen Sturme überfallen, scheiterte das Schiff, auf welchem sie sich befand, viele ertranken, sie aber ward wunderbar gerettet.
In der folgenden Nacht sah sie einen mit prachtvollem Gewande bekleideten Mann vor sich stehen, der zu ihr sprach:
"Wegen deines Töchterleins, das du unter dem Herzen tragest, hat dich Gott am Leben erhalten, siehe zu, daß du es als Geschenk Gottes sorgfältig erziehest."
Gleich nach der Geburt des Kindes, welches in der Taufe den Namen Brigitta, "die Strahlende", erhielt, hatte ein frommer Pfarrer und nachmaliger Bischof im Gebete ein Gesicht, in welchem ihm eine vom himmlischen Glanze umgebene, auf einer Wolke sitzende Jungfrau erschien, welche ein Buch in der Hand hielt und die Worte sprach:
"Dem Birger ist eine Tochter geboren, deren wunderbare Stimme die ganze Welt vernehmen wird."
Die ersten drei Jahre gab die kleine Brigitta keinen Laut von sich, man hielt sie für stumm; aber danach fing sie plötzlich so deutlich und vernünftig zu reden an, als wie eine Matrone.
Bald danach starb die Mutter, und Brigitta wurde ihrer gottseligen Großmutter zur Erziehung übergeben, der sie durch ihr sanftes, stilles, sittsames Wesen viel Freude machte.
Im siebten Jahre sah sie nach nächtlicher Ruhe vor ihrem Bettlein einen Altar stehen und auf demselben vom Glanze umstrahlt die Himmelskönigin, die ihr eine kostbare Krone dar reichte und sprach:
"Brigitta, willst du diese Krone?"
und als sie freudig zustimmte, drückte ihr Maria die Krone auf das Haupt.
Die Erscheinung verschwand, aber Brigitta kannte sie nicht mehr vergessen und immer gedachte sie mit innigster Liebe der himmlischen Frau.
Zehn Jahre alt, zeigte sie in ihrem Benehmen hohen Ernst, die zarteste Schamhaftigkeit und innigste Gottesliebe.
Eines Tages hörte sie eine Predigt über das Leiden unseres Heilandes, welche tiefen Eindruck auf ihr Herz machte.
In der darauffolgenden Nacht erschien ihr Jesus wie von neuem gekreuzigt, voll Wunden und Blut und sie vernahm die Worte:
"Siehe, wie ich von Wunden zerfleischt!"
Brigitta fing bitterlich zu weinen an und in kindlicher Einfalt glaubend, als seien diese Wunden dem Heiland erst neuerdings zugefügt worden, rief sie:
"Ach Herr! wer hat dich so grausam mißhandelt?" Ihr entgegnete Jesus: "Die mich verachten und meine Liebe verschmähen!"
Von diesem Tage an blieb das Andenken an das bittere Leiden des Herrn so tief in ihr Herz gedrückt, daß sie nie ohne reichliche Tränen daran denken konnte.
Nach der Sitte damaliger Zeit beschäftigte sich die junge Brigitta mit Goldsticken, wobei sie aber immer ihr Herz auf ihren göttlichen Bräutigam Jesus gerichtet hatte, den sie über Alles liebte.
Oftmals wurde bei ihr, während sie arbeitete, eine blühende Jungfrau stehend gesehen, die ihr hilfreiche Hand leistete.
Niemand wußte, wer sie war, noch woher sie kam.
In der Nacht, wenn alles im Hause schlief, stand Brigitta auf und betrachtete die Leiden ihres göttlichen Bräutigams, niedergebeugt auf den Knien, einen Strom von Tränen vergießend.
So traf sie einst ihre Großmutter, und in der Meinung, das Mädchen habe aus Leichtfertigkeit das Bett verlassen, griff sie nach einer Rute, um es zu züchtigen.
Allein in diesem Augenblicke, als sie die Rute erhob, zerbrach dieselbe in lauter kleine Stücke.
Erschrocken hierüber fragte sie Brigitta:
" Was hast du getan? haben dich die Weibsleute etwa besondere Gebete gelehrt?" —
Weinend entgegnete Brigitta:
" Ach nein, liebe Mutter! sondern ich bin aufgestanden, um denjenigen zu lieben, der mich immer zu leiten und zu unterstützen pflegt!"
"Und wer ist dieser?" forschte die Großmutter weiter. "Der Gekreuzigte," antwortete Brigitta, "den ich jüngst gesehen habe." —
Von diesem tage an liebte und schätzte die Großmutter dieses fromme Mädchen noch mehr und störte es nicht wieder in seinen Andachtsübungen.
Dagegen suchte ein anderer sie daran zu hindern, nämlich der unversöhnliche Feind alles Gottgefälligen, der Teufel.
Er erschien ihr, wenn sie in der Nacht einsam vor dem Bilde des Kreuzes betete, in schrecklicher Gestalt, und suchte sie vom Gebete zu verscheuchen.
Sie aber schmiegte sich nur noch inniger zum Kreuze und rief um Hilfe zum Herrn.
Mit den Worten: "Du hast nichts zu fürchten von mir, so lange der Gekreuzigte dich beschützt," entwich er.
Die Liebe zu Jesus hatte bereits das Herz der zwölfjährigen Brigitta ganz in Besitz genommen; sie wollte Niemanden angehören, als ihrem göttlichen Bräutigam.
Da geschah es aber, daß der mächtige Fürst von Nericien, Ulf Gumarsaon, um ihre Hand anhielt, der erst 18 Jahre zählte und reich an aller Tugend war.
Brigitta mußte gehorchen und ward im Alter von 13 Jahre sein Weib.
Ulf liebte Brigitta mit reiner keuscher Liebe und sie war ihm hinwieder mit kindlicher Ehrfurcht untertan.
da ihre Herzen Gott vereinte, und nicht fleischliche Lust sie zusammenführte, so konnte auch Brigitta ihren Mann leicht bewegen, ein Jahr lang in reinster Enthaltsamkeit wie Bruder und Schwester mit ihr zu leben.
Unterdessen beteten sie miteinander zu Gott, er möge ihre Ehe mit guten Kindern segnen.
Und der Herr sah mit Wohlgefallen auf ihr kindliches Flehen herab; er segnete ihre Ehe mit einer reichen Nachkommenschaft.
Vier Söhne und vier Töchter gebar Brigitta ihrem Manne, die in aller Gottseligkeit ihr Leben zubrachten und endeten.
Eine ihrer Töchter, mit Namen Katharina, in deren Armen Brigitta auch starb, führte ein so reines heiliges Leben, daß sie nach ihrem Tode von der Kirche unter die Zahl der Heiligen aufgenommen wurde.
Ihr Fest wird am 22. März gefeiert.
Quelle: Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)
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