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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

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Die heilige Maria Magdalena (22. Juli)
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Die heilige Maria Magdalena - Gedenktag ist der 22. Juli

Ihr Festtag, Gedenktag oder auch Verehrungstag genannt ist der 22. Juli

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Gott wollte, schreibt der fromme und gelehrte Kornelius a Lapide, Magdalena als ein lebendiges Beispiel der Buße für alle Sünder aufstellen, damit keiner ob der Größe seiner Missetaten verzweifle, sondern auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes vertrauend, Vergebung hoffe, eingedenk der Worte des heiligen Apostels (Tim. 1, 15.):

"O wahrhaft ist das Wort und aller Annahme wert, daß Jesus Christus gekommen ist in diese Welt, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der größte bin."

Etwa eine kleine Stunde von Jerusalem entfernt lag in einem lieblichen Tale der kleine Ort Bethanien. Hier besaßen drei Geschwister aus jüdischem Stamme ein Haus, in welchem der göttliche Heiland oft einkehrte und übernachtete. Die drei Geschwister hießen Lazarus, Martha und Maria. Die Letztere, Maria, befand sich aber nicht immer zu Hause; sie war ein Weltkind, eitel, gefallsüchtig, vergnügungssüchtig und fiel nach und nach so tief in Sünden und Laster, daß sie als eine öffentliche Sünderin bekannt war. Weil sie sich gewöhnlich auf einem Landgute zu Magdalum in Galiläa aufhielt, führte sie den Namen Maria Magdalena. An ihr ging in Erfüllung das Sprichwort: "Hoffahrt kommt vor dem Fall," und sie zeigt in ihrem Leben, wie tief der Mensch fallen kann, wenn er sich selbst trauend den Gefahren, die seiner Seele drohen, nicht ausweicht, ja wenn er sie aufsucht und seinen Leidenschaften freien Lauf läßt. Magdalena verlor nach und nach alles Scham- und Ehrgefühl, und wurde endlich die Wohnung von sieben bösen Geistern, wie uns das Evangelium erzählt; daß heißt, sie beging alle sieben Tod- oder Hauptsünden und kam so ganz in den Besitz des Satans. Groß war das Ärgernis, welches diese arme Sünderin gab und groß der Schmerz ihrer beiden frommen Geschwister, die unaufhörlich für ihre Bekehrung beteten. Endlich gelang es, wie mehrere heilige Väter sagen, ihrer Schwester Martha, sie zu bewegen, den Predigten des Heilandes beizuwohnen. Sie sieht den göttlichen Heiland, sie hört seine himmlischen Worte und plötzlich fällt es ihr wie Schuppen von den Augen; ein Strahl der göttlichen Gnade hat ihr Herz getroffen; sie erkennt jetzt lebhaft den abscheulichen Weg, den sie bisher gegangen und die Missetaten, welche sie in ihrer Verblendung vollbrachte; sie schämt sich jetzt, sie kann sich selbst nicht mehr ertragen, Reue und bitterer Schmerz zerreißen ihr das Herz, wie sinnlos eilt sie nach Hause. Dort wirft sie den eitlen Schmuck von sich, den sie bisher getragen; legt die prachtvollen Gewande ab, mit denen sie bisher ihren Leib geschmückt, löst das Haar, das sie bisher künstlich geflochten und blickt mit Scham und Trauer auf den eitlen Tand, den sie bisher angewendet, um der Welt zu gefallen. Aus ihren Augen strömen heiße Tränen und sie fühlt sich kein anderes Verlangen mehr, als den Heiland aufzusuchen und von Ihm die Ruhe ihres Herzens wieder zu erlangen. Sie fühlte es tief, daß nur Er ihr helfen könne, und seine Sanftmut und Güte, die sie an Ihm bemerkt, ließen ihr hoffen, daß sie Hilfe bei Ihm finden werde. Ihr einziges Trachten ging nun dahin, mit Ihm zusammen zukommen und Ihm ihr Elend entdecken zu können.

Da hörte sie, daß Jesus im Hause eines gewisse Simon, eines Pharisäers zu Gast geladen sei. Sogleich nimmt sie eine kostbare Salbenbüchse, und ohne, wie früher auf Schmuck und Zierde zu denken, eilt sie mit aufgelöstem Haare und gewöhnlicher Kleidung in das Haus Simons; dort tritt sie in den Speisesaal, getraut sich aber nicht, den Herrn vor`s Angesicht zu treten, sondern sie naht sich ihm rückwärts und wirft sich zu seinen Füßen nieder. (Die Juden sassen nicht wie wir zu Tische, sondern sie lagen auf einem niedern Ruhekissen und lehnten so am Tische, die Füße rückwärts ausgestreckt.) Ein Strom von Tränen stürzt aus ihren Augen, reichlich fließen sie auf die Füße Jesu nieder, und von Liebe ganz aufgelöst, trocknet sie mit ihren Haaren die Tränen hinweg und salbt die Füße des Herrn mit der wohlriechenden Salbe. Sie spricht kein Wort; nur Seufzer des größten Schmerzens entsteigen ihrer Brust. Sie denkt nicht an den Ort, wo sie sich befindet, sie schaut nicht auf die Personen, die sie umgeben und genau kennen, sie denkt nur an ihre Sünden, sie denkt nur an die große Beleidigung Gottes, sie denkt nur an ihre Schuld; sie verlangt nichts anderes als Vergebung; sie denkt nur, daß sie eine arme Sünderin sei, die nicht wert ist, daß sie die Erde trage.

So ist die wahre Reue. Ein innerer Schmerz, eine innere Trauer, eine innere Zerknirschung, ein heftiger Abscheu vor der Sünde ist sie. Die Reue besteht nicht in Worten; sie hat ihren Sitz im Herzen; da wo die Sünden ihre Wurzel und ihren Ursprung haben, da muß auch die Reue beginnen. Sie sieht nicht auf die Menschen, sie sieht nur auf Gott, der durch die Sünde so tief verletzt worden, dessen unendliche Liebe und Güte, dessen Heiligkeit und Gerechtigkeit die Sünde verachtet hat! Magdalena war entschlossen, sich vollkommen zu bekehren und das gegebene öffentliche Ärgernis gut zu machen. Sie wollte um jeden Preis mit der Sünde und der Welt, die zur Sünde führt, brechen.— Darum nahm sie gar keine Rücksicht auf jene erbärmliche Ausflucht: "Was werden wohl die Leute sagen?" Sie kannte gar wohl die Strenge der Pharisäer und ihre Geneigtheit zu freventlichen Urteilen, allein dies Alles scheute sie nicht; ihr war nur darum zu tun, sich mit Gott zu versöhnen, Vergebung zu erlangen und sich zu bekehren. Das Feuer der göttlichen Liebe war in ihrem Herzen erwacht und entzündet; in hellen Flammen brach es aus ihrem Herzen hervor, die reichlichen Tränen, welche ihren Augen entstürzten, gaben Zeugnis hiervon.

Christliche Seele, betrachte doch diese Liebesreue der heiligen Büßerin Magdalena und frage dich: "Wie ist meine Reue über die Sünden, die ich schon begangen, beschaffen?" Es mag sein, daß du nicht so viele Sünden und so große begangen, wie Magdalena aber gewiß ist, daß du schon gesündigt und die Majestät Gottes beleidigt hast... wie ist nun deine Reueüber diese Bosheit?!.. Glaubst du etwa, irgendeine Reueformel, die du gelernt hast oder in einem Gebetbuche liesest, sei schon eine hinlängliche Reue zur Vergebung der Sünden? o wie sehr würdest du dich betrügen! Betrachte die Ree der heiligen Magdalena nochmal und frage dich: "habe ich eine solche Reue über meine Sünden?" Wenn du in dir keines solche Reue fühlest, so wünsche sie und verlange danach, und da die wahre Reue eine Gabe Gottes ist, so bitte, bitte innständig um diese hohe Gabe, stelle Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten, Tod, Gericht und Hölle an, betrachte den leidenden und sterbenden Heiland, und auch dein Herz wird zerknirscht werden und Jesus wird dir nicht versagen, was er der Sünderin Magdalena gewährt hat!

Sowie aber in Worten nicht die Reue besteht, so besteht sie auch nicht in Tränen. Wohl ist die Gabe der Tränen eine süße Gabe Gottes, aber sie ist nicht notwendig zur Vergebung der Sünden. Hast du nur eine herzliche Trauer, einen inneren Schmerz und Abscheu über deine Sünden und bist du selbst entschlossen, um jeden Preis mit der Sünde zu brechen und deinen Gott und Herrn nicht mehr zu beleidigen, so wird sie von Gott gewiß nicht verschmäht werden; denn ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz verachtet Gott nicht spricht der Prophet. PS. 50.

Simon, der scheinheilige Mann, sah mit scheelem Auge auf die bekannte Sünderin und dachte bei sich selbst; "Wenn dieser, nämlich der Heiland, ein Prophet wäre, so würde er wissen, wer und von was für einer Sünderin." Allein Jesus, der Herzenskundige, verstand gar wohl, was in dem Herzen Magdalenas vorging und sprach zu Simon: "Ich habe dir etwas zu sagen." Simon entgegnete: "Meister, sage es" Jesus sprach: "Ein Schuldherr hatte zwei Schuldner. Der eine war ihm fünhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nichts hatten, wovon sie bezahlt hätten, schenkte er es beiden. Welcher nun liebt ihn mehr?" Simon antwortete und sprach: "ich glaube der, dem er das meiste geschenkt hat." Und Jesus sprach zu ihm: "Du hast recht geurteilt!" Dann wandte er sich zu Magdalena und sprach zu Simon: "Siehst du dieses Weib? Ich kam in dein Haus, und du gabest kein Wasser für meine Füße, diese aber benetzte meine Füße mit Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren. Du gabest mir keinen Kuß; sie aber hörte nicht auf, seit sie hereingekommen, meine Füße zu küssen. Du salbtest mein Haupt nicht mit Öl; diese aber salbte mit Salbe meine Füße. Darum sage ich Dir: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel gelebt hat; wem aber weniger vergeben wird, der liebt auch weniger." Darauf sprach Jesus zu Magdalena: "Deine Sünden sind dir vergeben, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!"

Bei diesen Worten des Heilandes fließt himmlischer Trost in das Herz der reumütigen Sünderin; ein unnennbarer Friede durchzieht ihre Seele, eine unsägliche Freude überkömmt ihr Gemüt; die schwere Last ihrer Sünden ist hinweggenommen, versöhnt mit Gott erhebt sie sich und geht getröstet nach Hause.

Von nun an ist Magdalena ganz umgewandelt; mit der Welt und ihrer Lust hatte sie gänzlich gebrochen; nur mit Ekel und Abscheu gedachte sie ihres sündhaften Leichtsinnes und nichts in der Welt vermochte mehr ihr Herz zu fesseln das nun die wahre Freude in Christo genossen, das nur Einen Gegenstand mehr liebte, Jesum, den göttlichen Heiland.

Hier, christliche Seele, siehst du an Magdalena das Muster einer wahren, aufrichtigen Bekehrung. Es war ihr mit ihrer Reue und mit ihrem Vorsatz ernst, und treu harte sie aus auf dem Wege, den sie jetzt eingeschlagen. O wie oft hast du schon deine Sünden bereut, wie oft schon die heiligste Vorsätze gemacht; hast du dich aber schon ganz und gar zu Gott bekehrt, hast du den alten Menschen schon ganz ausgezogen, wandelst du treu und unablässig deinem Heilande nach?

Magdalena, das verlorene und nun wiedergefundene Schäflein bleibt fortan bei Jesus; Ihn begleitet sie mit anderen frommen Frauen; Ihn bedient sie und hanget an seinem Munde, um Worte des Lebens von Ihm zu vernehmen. Als Jesus einst bei seiner Reise von Kapharnaum nach Jerusalem zu Bethania im Hause des Lazarus einkehrte und mehrere Menschen kamen, um ihn zu hören, da setzte sich Magdalena wie ein demütiges Kind zu seinen Füßen nieder und merkte mit Aug und Ohr auf seine Worte. Die gute fromme Martha, ihre Schwester, war beschäftigt, dem Herrn eine Mahlzeit zu bereiten und hätte gern gesehen, wenn ihre Schwester geholfen hätte. Deshalb trat sie zu Jesus hin und sprach: "Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester mich allein läßt? Sage ihr doch, daß sie mir helfe." "Martha, Martha, du machst dir Sorge und kümerst dich um sehr viele Dinge. Eines nur ist notwendig. Maria hat den besten Teil erwählt, der ihr nicht genommen wird."

Jesus hatte das Herz der eifrigen Büßerin Magdalena ganz in Besitz genommen; wie er die Erfüllung des Willens, seines himmlischen Vaters als seine Speise ansah, so waren nun die Worte Jesu, sein Umgang und seine Nachfolge das einzige Ziel und Streben Magdalenas; sie vergaß auf alles Irdische und sann nur darauf, sich zu heiligen und selig zu werden. Dies war der Teil, den sie wählze und der ihr auch nicht genommen wurde. Magdalena ergab sich also, wie die heiligen Väter sagen, dem beschaulichen Leben, die fromme Martha dem tätigen. Magdalena suchte der Welt abzusterben, sie wurde wahrhaft arm im Geiste und gab sich ganz dem Gebete und der Betrachtung hin, während Martha die häuslichen Geschäfte führte und so das tätige Leben übte. Dieses tätige Leben der Martha tadelt der Heiland nicht, sondern nur, daß sie sich zu sehr von demselben hinreißen lies, darum sprach er zu ihr:

"Eines ist notwendig. Dieses eine Notwendige ist die Verherrlichung und Liebe Gottes hier und in der Ewigkeit."
Gar viele Menschen vergessen vor lauter zeitlichen Sorgen und Kümmernissen, vor lauter Mühe und Arbeit um das tägliche Fortkommen dieses Eine Notwendige; deshalb mahnt der heilige Augustin, daß wir das tätige und beschauliche Leben verhindern, d. h. daß wir beten, betrachten, dem Gottesdienst und dann auch unseren täglichen Arbeiten obliegen sollen.

O christliche Seele, befolge diese Mahnung, vergiß doch dies Eine Notwendige nicht. Verherrliche und liebe Gott in Allem, was du tust. Erhebe dich im Gebet und Betrachtung zu Gott und ziehe deine Seele hinweg von den vergänglichen Dingen der Welt, und wenn du arbeitest, so tue es zu Gottes Ehre, nach seinem Willen und Wohlgefallen, und auch du hast den besten Teil erwählt, der dir nicht genommmen wird.

Die große Liebe, welche Magdalena gegen den Heiland zeigte und die Treue, womit sie ihm anhing, lies er nicht unbelohnt. Auf ihre und ihrer Schwester Bitten erweckt Er ihren Bruder Lazarus, der schon vier Tage im Grabe lag, von den Toten. Durch dieses Wunder wurde der Glaube der heiligen Büßerin noch fester und lebendiger und ihre Liebe noch inniger. Jesus war von nun an die alleinige Freude ihres Herzens und bei jeder Gelegenheit suchte sie die Liebe, die in ihrem Herzen brannte, an den Tag zu legen. Als bald nach der Erweckung des Lazarus Jesus in Bethanien vor den Verfolgungen seiner Feinde, die ihm nach dem Leben strebten, Zuflucht nahm und dort im Hause Simon des Aussätzigen, den er geheilt hatte, beim Mahle saß, dem Lazarus und Martha mit den Aposteln beiwohnte, da erscheint Magdalena mit einer Büchse voll Alabaster voll kostbarer Salbe vor dem Heilande und salbt ihm zum Zweitenmahle mit innigster Rührung die Füße, ja, wie außer sich voll Liebe, zerbricht sie das Gefäß und gießt das wohlriechende Öl über sein heiliges Haupt. Wohlgeruch erfüllte das ganze Haus; alle, die zugegen waren, staunten, und Judas, der habsüchtige Mensch, bei dem nur das Geld etwas galt, und der deshalb auch die Liebe Magdalenas nicht verstand, murrte über diese scheinbare Verschwendung. Um aber seinen Ingrimm, den der Geiz in ihm angefacht hatte, zu verbergen, sprach er: "Hätte man nicht die Salbe um dreihundert Zehner verkaufen und das Geld den Armen geben könen?" Allein Jesus durchschaute sein Herz und das Herz Magdalenas, und sprach:

"Lasset sie! Sie hat ein gutes Werk an mir getan, sie tat was sie konnte, sie salbte schon zum Voraus meinen Leib zum Begräbnisse. Wahrlich, sage ich Euch, wo immer dieses Evangelium in der ganzen Welt wird gepredigt werden da wird auch, was sie getan hat, zu ihrem Andenken erzählet werden."

Mit diesen Worten hat der göttliche Heiland diejenigen auch gelobt, welche aus reiner Liebe zu ihm zum Schmucke und zur Zierde der Gotteshäuser, der Altäre, des Tabernakels etc. Beiträge geben, und diejenigen getadelt und verurteilt, denen dieses nicht recht ist und die oft gerade wie Judas sagen: Zu was eine solche Verschwendung? Jesus will allerdings, daß wir den Armen mitteilen und er sagte deshalb auch:

"Die Armen habt ihr allezeit bei euch und könnet ihnen Gutes tun;"

aber er will auch, daß wir ihn nicht vergessen und ihm zur Verherrlichung auch Opfer bringen. Der schöne Schmuck der Altäre erhebt die Seele zur Andacht, die Andacht bewegt das Herz zur Liebe und wo die Liebe im Herzen brennt, da werden die Armen nicht vergessen. Diejenigen, welche sich über die Pracht des Gottesdienstes, über die kostbaren Paramente tadelnd aussprechen und sogar mildtätige Herzen abhalten, zur Verschönerung der Gotteshäuser und Altäre beizusteuern, haben auch kein Herz für die Armen. Eigennutz, schmutzige Habsucht, sündhafter Geiz beherrscht sie wie den Judas, und wie dieser verstehen auch sie nicht, was die wahre Liebe zu Jesus alles zu tun vermag!

Bisher war die Liebe der heiligen Magdalena voll der Süffigkeit und des Trostes; sie war noch nicht geprüft und geläutert. Das Gold bewährt sich im Feuer, die Liebe bewährt sich und wird geläutert in Trübsal und Leiden. Alle Heiligen mußten dies erfahren, auch Magdalena.

Nach fünf Tagen sieht sie ihren geliebten Meister und Herrn, den sie über Alles liebt, zum Tode verurteilt und beladen mit einem schweren Kreuze, blutend aus tausend Wunden, hinauf wanken auf den Kalvarienberg; sie erblickt ihn ganz verlassen in unermesslicher Qual am Kreuze angenagelt sterben! Ganz sinnlos von Schmerz und Leid umfaßt sie das Kreuz; ihr Herz ist mit Jesus an`s Kreuz genagelt. — Nächst Maria, der jungfräulichen Mutter des Heilandes, ist wohl Niemand beim Kreuze, dessen Herz mehr leidet, als das Herz der heiligen Büßerin Magdalena! —

Jesus hat vollendet; bleich, entseelt hängt sein Leichnam am Kreuze. Ach, wie gerne hätte Magdalena diesen heiligen Leib herabgenommen und mit ihren Tränen und Küssen bedeckt, ihn gesalbt und in das Grab gelegt! Doch siehe, da erscheinen die beiden Jünger Nikodemus und Joseph von Arimathäa; sie nehmen den heiligen Leib des Herrn herab vom Kreuze und legen ihn in den Schoß der göttlichen Mutter. Zu seinen Füßen wirft sich Magdalena hin, und benetzt sie mit heißen Tränen. Diese heiligen Füße sind ihr ja nachgegangen, als sie wie ein verlorenes Schäflein herum irrte, zu diesen Füßen liegend erhielt sie Vergebung, vor diesen Füßen sitzend hörte sie oft Worte des Lebens! Nur mit größtem Schmerz reißt sie sich los von diesen heiligen Füßen, als man den heiligen Leib in das Grab legt, aber ihre Liebe trennt sich nicht. Sie sinnt nur auf eine Gelegenheit, um den Leichnam ihres Geliebten wieder zu sehen, ihm die letzte Ehre erweisen zu können. Kaum ist der Sabbath vorüber, als sie in Begleitung der heiligen Frauen, beladen mit kostbaren Spezereien, schon vor Tagesanbruch zum Grabe eilt. Welch`ein Schrecken befällt sie! Das Grab ist offen, das Grab ist leer, der Leichnam ist verschwunden! Jammernd läuft sie zu Petrus und Johannes, um ihnen die Trauerbotschaft zu bringen, dann eilt sie wieder schnellen Laufes zurück zum Grabe, und tritt hinein und schauet weinend und wehklagend in die leere Grabeshöhle. Da aufblickend sieht sie zwei Engel, den einen in der Gegend des Hauptes, den anderen in der Gegend der Füße, wo der Herr gelegen war. Diese fragen sie: "Weib, warum weinest du?" Wehmütig klagt sie: "Mein Herr ist hinweggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." Als sie dieses sagte, wandte sie sich um und sah Jesum stehen, wußte aber nicht, daß es Jesus sei. In der Meinung , es sei ein Gärtner, bittet sie ihn, ihr zu sagen, wohin sie den Leib des Heilandes gelegt haben, damit sie ihn,wie sie sagte, holen könnte. O wie überaus groß ist die Liebe dieser heiligen Büßerin; sie denkt nicht daran, wie wenig ihre Kräfte hinreichen, den Leib des Herrn zu tragen, sie glaubt, ihre Liebe wäre alles möglich. Ja wahrhaftig, "stärker als der Tod ist die Liebe" O heilige Magdalena, bitte Jesum, deinen Geliebten, daß er auch mein Herz mit einer solchen Liebes erfüllen möchte, wenn ich seinen heilgen Leib in der heiligen Kommunion empfange.

Als Magdalena den vermeintlichen Gärtner gefragt hatte, überließ sie sich wider ihrem Schmerze, und blickte forschend in die Grabeshöhle; da ruft es:

"Maria!"

Sie kennt die liebliche Stimme, sie blickt um sich, und von heiligem Entzücken ergriffen, sieht sie nun den Heiland, wirft sich zu seinen Füßen nieder und will sie umfassen. Allein der Herr wehrte es ihr und spricht:

"Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht hinauf gefahren zu meinem Vater; gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu euerm Vater."

Wer mag wohl die Wonne schildern im Herzen der heilige Magdalena, als sie die verklärte Gestalt ihres geliebten Meisters erblickte! Sie war jetzt zufrieden und selig, denn sie hatte den gesehen, den ihr Herz lieb hatte über Alles. Schnell eilt sie nach Jerusalem und bringt den Jüngern die freudige Botschaft von der Auferstehung des Herrn. — Von dieser Zeit an erwähnt die heilige Schrift nichts mehr von dem weiteren Lebenswandel der Heiligen. Aber eine uralte Überlieferung erzählt, daß sie nach der Himmelfahrt Jesu die heilige Jungfrau Maria mit dem heiligen Johannes nach Ephesus begleitet habe. Die Juden aber, welche den Lazarus als einen Zeugen der Gottheit Jesu, der ihn von den Toten erweckte, nicht leiden konnte, verfolgten denselben sowie seine beiden Schwestern Maria Magdalena und Martha, nahmen sie endlich gefangen, setzten sie mit ihrer Dienstmagd Marzella und einem Jünger des Herrn, mit Namen Maximinus, in ein Schiff ohne Ruder noch Segel noch Steuermann und überließen sie so de Wellen des Meeres, in der Hoffnung, daß sie im Meere umkommen würden. Aber Gott rettete die heilige Familie; sie landete glücklich an Frankreichs Ufer, da wo heutzutage die Stadt Marseille steht. Durch die Bemühungen des Lazarus und des Maximin wurden viele Heiden bekehrt, Lazarus wurde Bischof von Marseille, Maximin Bischof von Aix. Martha sammelte fromme Frauen um sich, die sich bekehrt hatten, und führte mit ihnen ein zurückgezogenes, gottseliges Leben; Magdalena aber schlug ihre Wohnung in einer düsteren Bergeshöhle auf, wo sie noch dreißig Jahre in strengster Buße, immer ihre Sünden beweinend, zubrachte, obschon sie aus dem Munde Jesu selbst das tröstliche Wort der Vergebung vernommen hatte. Die Liebe zu Jesus war die Quelle ihrer Tränen und dieselben waren ihr Trost. Oftmals, erzählt die Legende, besuchten sie die heiligen Engel, versahen sie mit Nahrung und sangen mit ihr das Lob Gottes. Vor ihrem Ende empfing sie aus den Händen des heiligen Bischofs Maximin die heilige Wegzehrung und entschlief dann sanft im Herrn, den sie so innig, so treu geliebt hat!.

An ihr, christliche Seele, siehst du das vollendeste Bild der wahren Bekehrung und Buße; an ihr, der großen Sünderin und reumütigen Büßerin, siehst du die unendliche Erbarmung des Herrn, der keinen Sünder von sich stößt, der sich in wahrer Demut und Reue ihm nahet. Magdalena, die Sünderin ist eine Heilige; hat diese es vermocht, heilig und selig zu werden, sollst du es nicht auch vermögen?

Gebet: O mein Gott und Herr verleihe mir um der Liebe deiner heiligen Dienerin Magdalena willen eine innige Reue püüber meine Sünden und den Geist beharrlicher Buße, damit auch ich heilig und selig werde. Amen.

Quelle: Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)

Bilder: aus dem Buch Legende von den lieben Heiligen Gottes (1863)

Heilige, Seelige im Monat Juli -
  1. • Rumoldus
    • Galus
    • Theobald
    • Aaron und Julius
    • Theodorich
    • Carilephus
    • Leonor
    • Eparchius oder Cybar
    • Simeon, Salus
  2. • Mariä Heimsuchung
  3. • Phokas
  4. • Ulrich
  5. Wilhelm
    Petrus
  6. • Goar
    • Godoleva
  7. • Willibald
  8. • Elisabeth
  9. • Kilian
  10. • Felizitas
  11. • Pius I.
  12. • Johannes Gualbertus
  13. • Heinrich
  14. • Kamillus von Lellis
  15. • Bonaventura
  16. • Eustathius
  17. • Alexius
  18. • Symphorosa
    • Friederich
  19. • Vinzenz von Paul
  20. • Margaretha, Marina
  21. • Viktor
  22. • Maria Magdalena
  23. • Franziskus Solanus
    • Brigitta von Schweden
  24. • Christina
  25. • Jakob der Größere
    • Christophorus
  26. • Anna
  27. • Pantaleon
  28. • Nazarius, Zelsus
  29. • Martha
  30. • Julitta
  31. • Ignatius von Loyola
    • Batho von Freising
    Johannes Kolumbini



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