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ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

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Der heilige Ulrich, Bischof von Augsburg (4. Juli)
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Der heilige Ulrich - Gedenktag ist der 4. Juli

am 4. Juli 973 im Alter von 83 Jahren

Im Leben dieses heiligen Bischofs wirst du finden, daß er mit recht den Namen Ulrich, das heißt

„der Reichbegabte”,

getragen, denn reich war er an heiligen Tugenden und hohen Gaben, die mehr wert sind, als alle Schätze der Welt. Er war ein Sohn des Grafen Hubald von Dillingen und zu Augsburg geboren. In seiner Kindheit war er immer kränklich und so mager und abgezehrt, daß seine Eltern ihn vor den Augen Fremder gewöhnlich verbargen, weil sie sich seiner schämten. Doch Gott erhielt ihm wunderbar die Gesundheit, so daß er, zum Jüngling heran gereift, den frommen Ordensmännern im Kloster zu St. Gallen zur Erziehung übergeben werden konnte. Hier unter lauter frommen Mönchen Mönchen Mönchen wohnend legte er den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit, wozu ihn die gottselige Klausnerin Wiborada, die in der Nähe des Klosters lebte, besonders ermunterte. Eines Tages gab sie ihm einen Gürtel, den sie selbst verfertigt hatte, mit der dringenden Ermahnung, , er sollte ja nicht vergessen, daß er deßwegen von ihr mit diesem Gürtel der Enthaltsamkeit umgürtet worden, damit er jeden Umgang mit dem weiblichen Geschlechte fliehe, in Versuchungen zu Gott um Beistand stehe, und, falls der Feind nicht weiche, Feuer mit Feuer vertilge. Diese Worte machten einen so tiefen Eindruck auf sein reines Herz, daß er von nun an die größte Strenge gegen sich anwendete. Er trug ein rauhes Bußgewand, schlief mit dem Haupte auf hartem Steine und wartete stets der Erste, entweder betend in einem Stuhle oder auf der Erde hingestreckt auf das Zeichen zur Metten.

Die guten Mönche des Klosters gewannen ihn wegen seines kindlich frommen Gemüthes und seiner engelreinen Unschuld so lieb, daß sie wünschten, er möchte bei Ihnen bleiben. Ulrich fragte die gottselige Klausnerin um Rat. Diese betete drei Tage und sagte ihm dann. daß es der Wille Gottes nicht sei, daß er in das Kloster trete, er solle vielmehr gegen Aufgang der Sonne, dort, wo ein Fluß zwei Länder scheidet, als Bischof dem Herrn dienen und daselbst auch Leiden erdulden, wie solche keiner seiner Vorfahren, weder von Heiden noch von schlechten Christen ertragen habe; doch werde er am Ende den Sieg erringen und in Ruhe seine Tage dann verleben.

Bald darauf riefen ihn seine Eltern zurück und übergaben ihn der Leitung des eisen Bischofs Adalbero von Augsburg. Er war jetzt 18 Jahre alt und in Tugend und Wissenschaften wohl begründet. Der Bischof erkannte bald diese guten Eigenschaften an Ulrich und machte ihn zum Kämmerer an seiner Kirche; hierauf erteilte er ihm die heiligen Weihen und erhob ihn zum Domherrn.

In dieser Würde lebte Ulrich immer demütig; er vermied jede Gefahr, die seiner Seele drohte; Gebet und Studium waren sein Geschäft, den Armen verteilte er fast alle seine Einkünfte. Nach einiger Zeit machte er eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Der heilige Vater, Papst Sergius III., nahm ihn huldvoll auf und offenbarte ihm, sein Bischof Adalbero sei in Augsburg gestorben und er sei zu seinem Nachfolger von Gott bestimmt. Ulrich erschrak und weigerte sich, diese Würde anzunehmen. Aber der Papst entgegnete ihm:

„Wenn du die Kirche von Augsburg, welche nun keinen Hirten hat, jetzt nicht annimmst, da sie noch des Friedens genießt, so wirst du sie verwalten müssen, wenn sie von ihren Feinden zerstört zund geplündert sein wird.”

Verwundert über diese Worte des erleuchteten Papstes kehrte der heilige Ulrich nach Augsburg zurück, fand dort den Bischof Adalbero schon zur Erde bestattet,und an dessen Stelle einen anderen, mit Namen Hiltin, gesetzt. Ulrich legte nun seine frühere Domherrenwürde nieder und zog zu seiner Mutter, die er kindlich pflegte.

In seiner Zurückgezogenheit von der Welt fürchtete er doch immer, in eine Sünde zu fallen. Daher floh er jede Gelegenheit zur Sünde und pflegte denen, welche seine Ängstlichkeit bewunderten, zu sagen:

„Der Flamme weicht man nur dadurch aus, daß man Alles vermeidet, was sie unterhalten kann.”

Unterdessen starb Bischof Hiltin und Ulrich wurde von Kaiser Heinrich I. zu seinem Nachfolger bestimmt und in seinem 31. Jahre am Feste der unschuldigen Kinder geweiht. Jetzt traf buchstäblich ein, was der Papst ihm vorhergesagt hatte. Das wilde Volk der Hunen und Slaven war bis in die Gegend von Augsburg mordend, plündernd und sengend heraufgezogen, selbst die Stadt Augsburg wurde von ihnen eingenommen, die Häuser wurden niedergebrannt, die Kirchen und auch der bischöfliche Dom wurden zerstört; in der ganzen weiten Gegend des Lechflußes lag Alles in Schutt und Asche, wo man hin blickte, sah man nichts als Jammer und Elend. Auch die gottselige Klausnerin Wiborada wurde von ihnen erschlagen. Des heiligen Ulrichs Leiden waren groß, doch er verzagte nicht. Schleunig sammelte er die überallhin zerstreuten Gläubigen seines Bistums, verschaffte ihnen soviel als möglich leibliche und geistliche Hilfe, und ließ die niedergebrannten Kirchen, unter diesen die Kirche der heiligen Afra, wieder prächtig aufbauen.

Während in dieser Kirche die Bauleute noch beschäftigt waren, erblickte der fromme Lambert, ein Geistlicher des heiligen Bischofs Ulrich, in einem Gesichte den verstorbenen Bischof Adalbero im Priestergewande, der ihm winkte. Er nahte sich ihm und vernahm nun aus dem Munde desselben den Befehl, daß er dem heiligen Ulrich melde, er werde von Gott belohnt werden für das Gebet und Almosen, das er für ihn dar gebracht habe und er werde mit Bischof Fortunat am nächsten grünen Donnerstage kommen und mit ihm das heilige Öl weihen; auch würde er die Gruft der Kirche der heiligen Afra zusammenstürzen, darum solle er fester bauen. — In der Folge hat sich dieses bestätigt.

Nachdem der Heilige Alles wieder in guten Stand gesetzt hatte und seine Heerde in Ruhe weiden wollte, brach neues Unglück herein. Die Ungarn überschwemmten in zahllosen Scharen das deutsche Land und belagerten auch die Stadt Augsburg, um sie wieder zu verheeren. In dieser Not ließ nun der heilige Bischof alles Aäuglinge der ganzen Stadt in die Kirche tragen und sie auf die bloße Erde niederlegen. Dann warf er sich mit dem ganzen Volke auf die Knie, vermischte seine Tränen mit dem kläglichen Gewimmer der Kleinen und rief zu Gott um Hilfe. Und siehe da, die Ungarn zogen plötzlich ab; Augsburg war gerettet.

Nun hatte der Heilige Friede, aber auch jetzt noch konnte er sein Bistum nicht so verwalten, wie er wollte. Er war nicht bloß Bischof, sondern auch Reichsfürst und mußte daher nach der Einrichtung der damaligen Zeit am Hoflager des Kaisers erscheinen und demselben mit seinem Rate beistehen. Kaum war aber der Kaiser mit Tod abgegangen, so eilte er wie ein liebender Vater zu seinen Kindern mit heiliger Freude zu seiner Herde zurück, und führte sein hohes Amt mit allem Eifer.

Da er wußte, daß er ohne Gnade Gottes nichts vermöge, so betete er unablässig. Niemals, außer in dringenden Geschäften, versäumte er den Chor; überdieß betete er noch die Tageszeiten der seligsten Jungfrau und anderer Heiligen und täglich den ganzen Psalter; auch die Nächte brachte er oft im Gebete zu. Er schlief nur kurze Zeit und sein Bett war eine auf dem Boden ausgebreitete Binsenmatte. Seinen Leib hielt er ungemein strenge, und beobachtete das Fasten auf das Genaueste. Täglich wusch er zwölf Armen die Füße und so oft er speiste, mußten Arme an seinem Tische sitzen, die er dann selbst bediente . Die Armen lagen ihm sehr am Herzen; einer seiner Priester mußte sie aufsuchen und ihnen, was sie bedurften, reichen. Für die Armen und Kranken stiftete er ein eigenes Spital bei der heiligen Kreuzkirche; täglich besuchte er sie, tröstete und unterrichtete sie in der heiligen Religion.

Seine Wohnung und sein Tisch stand den Gästen immer bereit; er selbst aß wenig, nur einmal des Tages und da erst gegen Abend. Oft stand er ganz nüchtern vom Tische auf, während die Gäste meinten, er hätte gegessen. Während der heiligen Fastenzeit verdoppelte er seine Bußübungen und während der heiligen Karwoche benützte er jeden Augenblick zu Gebet und guten Werken.
— In der österlichen Zeit visitirte er die Klöster und des Jahres hindurch die Gemeinden seines Bistums.

In jeder Gemeinde ließ er die rechtschaffensten Männer zu sich kommen und erkundigte sich bei ihnen um die eingeschlichenen Mißbräuche und Unordnungen, um sie dann abzustellen. — Wo er zum Heile der Seelen etwas tun konnte, scheute er kein Opfer. Als eines Tages einige Bauern aus dem Allgäugebirge zu ihm kamen und ihm wehmütig klagten, daß sie aus eigenen Mitteln eine Kirche gebaut hätten, aber noch kein Bischof gekommen wäre, um sie zu weihen, weil sie in einer unzugänglichen, schauerlichen Gegend wohnten, machte sich der heilige Bischof alsbald auf den Weg, überstieg die mit Schnee bedeckten Gebirge und weihte die Kirche.

Während er auf solche Weise unermüdet sein heiliges Amt verwaltete, brach ein neues Leiden über ihn herein. Luitolf, des Kaisers Otto I. Sohn, und der Herzog Arnulf von Bayern hatten sich in Folge eines Streites gegen den Kaiser empört. Ulrich hielt treu zum Kaiser; deßhalb fielen beide Herzoge mit ihren Kriegshaufen in das Gebiet des heiligen Bischofs ein, plünderten das flache Land und Arnulf belagerte ihn im Schloße Menchingen, wohin er sich geflüchtet und verschanzt hatte. Der Heilige suchte den grimmigen Feind zu versöhnen, allein vergebens. Die Soldaten des Herzogs bestürmten das Schloß, Ulrich aber nahm seine Zuflucht zum Gebete und flehte Tag und Nacht um Hilfe. Da erschienen plötzlich sein Bruder Diepold und Graf Adalbert, dem Ulrich seine Truppen anvertraut hatte, mit ihren Heerhaufen, griffen sogleich die Belagerer an und schlugen sie in die Flucht.

Kaum war der heilige Bischof befreit, so suchte er den Kaiser mit seinem aufrührerischen Sohne zu versöhen und es gelang ihm durch freundliches Zureden wirklich.

In dieser Zeit hatte der heilige Bischof ein merkwürdiges Gesicht. Als er sich einst zur Ruhe begab, erschien ihm die heilige Afra in kostbarer Kleidung, die ihm aufzustehen und ihr zu folgen befahl. Sie führte ihn auf das Lechfeld, eine große weite Ebene unweit Augsburg, wo der heilige Apostel Petrus mit vielen anderen Bischöfen und Heiligen eine Synode hielt, wichtige Angelegenheiten schlichtete und den herzog Arnulf wegen Zerstörung vieler Klöster zur strengen Verantwortung zog. Hierauf zeigte ihm die heilige Afra das Schlachtfeld, wo König Otto mit dem Christlichen Kriegsheere nur nach blutigem Kampfe die Ungarn überwinden werde.

Auch dies Gesicht fand seine Erfüllung. Herzog Arnulf wurde bei der Belagerung von Regensburg nieder gehauen und der deutsche König Otto besiegte im Jahre 955 die Ungarn wirklich in einer blutigen Schlacht.

Diese blutgierigen Raubhorden brachen kurz zuvor aus Ungarn in das deutsche Land ein, verheerten Alles, wohin sie zogen, mit Feuer und Schwert und wandten sich zum Zweitenmale nach Augsburg. Die Kirche der heiligen Afra, welche außerhalb der Stadt stand, verbrannten sie und belagerten dann die schwach befestigte Stadt, wo sich der heilige Ulrich befand. Der Heilige gebrauchte auch jetzt wieder keine andere Waffe als das Gebet.

Er ließ die Frauen und Kinder in die Kirche gehen und betete mit Ihnen die ganze Nacht. Früh Morgens mahnte er die Bürger zur Tapferkeit und zum mutigen Gottvertrauen und reichte ihnen die heilige Kommunion. Er bestieg dann in seiner Kleidung ein Pferd und begleitete die Krieger zum Streite, die mehrmals die Ungarn von den mauern der Stadt zurückschlugen, bis endlich König Otto ihr ganzes Kriegsheer vernichtete. der König bezeugte öffentlich, daß er diesen Sieg dem Gebete des Heiligen verdanke.

Hier magst du, lieber Leser, wieder erkennen, welch unwiderstehliche Gewalt das vertrauensvolle Gebet des Gerechten hat; es bestätigt in der Tat die Erfahrung das Wort der Schrift:

„Das Gebet des gerechten durchdringt die Wolken, geht hin vor den Thron des Allerhöchsten und ruht nicht eher, bis es erhört ist.”
Das letzte Gericht wird einst aufdecken und offenbaren, wie oft das stille, heiße Gebet einer einzigen frommen Seele mehr gewirkt hat, als große Kriegsheere und mächtige Monarchen.

Nachdem die Ungarn aus dem Lande geschlagen und Ruhe und Friede hergestellt waren, stellte der heilige Bischof die Afrakirche zum Zweitenmale her, erbaute eine andere zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers, stiftete eine Frauenkloster und machte dann mit König Otto eine Reise nach Rom, wo derselbe zum Kaiser gekrönt wurde. Nach seiner Rückkehr machte er eine Wallfahrt nach Einsiedeln zur heiligen Gottesmutter Maria, die er kindlich verehrte und weihte dort den nachmaligen heiligen Bischof Wolfgang zum Priester.

Fünf Jahre danach machte er, beinahe 80 Jahre alt, seine letzte Wallfahrt nach Rom zum Grabe der heiligen Apostel.

Das hohe Alter und der Wunsch, sich ruhig auf seinen Tod vorbereiten zu können, veranlaßte den heiligen Bischof, sein Amt nieder zulegen und einem Andern das Bistum zu überlassen. Er glaubte, seiner Schwester Sohn, Adalbert, würde zu dieser Würde der Tauglichste sein. Auf seiner Rückreise von Rom sprach daher der Heilige mit dem Kaiser und dieser ernannte auch Adalbert zu des heiligen Ulrichs Nachfolger. — Als dies geschehen, legte der Heilige zum Zeichen seiner Entsagung die ärmliche Kleidung eine Mönches an und überließ die Verwaltung des Bistums dem Adalbert. Da aber derselbe noch bevor er wirklich zum Bischof geweiht war, sich huldigen ließ und den Bischofsstab trug, so erhoben sich die auf der Synode zu Ingelheim versammelten Bischöfe dagegen, drangen darauf, daß der heilige Ulrich sein Amt als Bischof fortführe und versprachen ihm, nach seinem Tode den Adalbert als seinen Nachfolger zum Bischofe zu weihen. Doch Gott fügte Alles anders. Adalbert starb bald darauf unvermutet und Ulrich mußte den Bischofsstab wieder ergreifen. In einem Traumgesichte ließ ihm nachher Gott schauen, daß er seine allzu große Liebe zu Adalbert mißbilligt habe. Denn als er in einer Nacht aus tiefem Schlafe erwachte, rief er aus:

„Wehe mir, daß ich Adalbert, meinen Neffen jemals gesehen; denn weil ich nach seinem Willen gehandelt, wollen sie mich nicht in ihre Gesellschaft aufnehmen.”

Daraus magst du sehen, lieber Leser, wie Gott auch die geringste Anhängigkeit an die Geschöpfe bestraft! Doch gereichen solche Fehler den Heiligen immer auch zum Guten; denn sie werden dadurch demütiger und erlangen dann neu Gnaden, wie dies bei dem heiligen Ulrich der Fall war.

Er führte von jetzt an ein noch strengeres Bußleben, obwohl er schon im hohen Alter stand, und las noch täglich das heilige Meßopfer oder sang das Hochamt. Bald aber wurde er so kraftlos, daß er sich in die Kirche führen lassen mußte, wo er dann der heiligen Messe in tiefster Andacht beiwohnte. Jetzt brachte er seine letzten Tage im beständigem Gebete oder mit Lesen heiliger Bücher zu.

Am 18. Juni 973 warf er sich nach Anhörung der heiligen Messe vor dem heiligen Kreuze auf sein Angesicht nieder und blieb gegen eine halbe Stunde so liegen. Hierauf ließ er seine wenigen Kleidungsstücke und geringen Hausgeräte nebst zehn Schilling Silber herbei bringen, vor den Altar mit den Worten:

„Wozu dies Alles?”
hinlegen und verteilte sie dann sogleich unter seine Geistlichen und unter die Armen.

Von jetzt an dachte er nur mehr an seine Auflösung und seine Vereinigung mit Christo. Er glaubte, er würde am Vorabend des Festes der heiligen Apostel Petrus und Paulus sterben und zog daher auch zur Vesperzeit sein Sterbekleid an. Auf dem blossen Boden liegend erwartete er sein Sterbestündlein, allein noch war seine Stunde nicht gekommen. Klagend erhob er sich und sprach:

„O heiliger Petrus, du hast meinen Wunsch nicht erfüllt.”
Endlich nahte die Zeit seines Hinscheidens. Am Freitag nach dem Feste der Apostel ließ er sich vor Sonnenaufgang auf Asche legen und nachdem e seinen Geist in die Hände Gottes empfohlen, entschlief er sanft im Herrn am 4. Juli 973 im Alter von 83 Jahren.

Seine heiligen Gebeine ruhen in einem prachtvollen Sarge in jener Kirche der heiligen Afra, welche er zweimal herstellen ließ, und welche gegenwärtig die Domkirche St. Ulrich in Augsburg ist.

Aus dem Leben dieses berühmten heiligen Bischofs, zu dessen Ehre so viele Kirchen in Bayern eingeweiht sind, muß ich noch einige wunderbare Begebenheiten erwähnen. — Gott ließ ihn in geheimnißvollen Geschichten viel Wunderbares schauen. Zweimal sah er bei der heiligen Messe im Augenblicke der heiligen Wandlung die Hand des Herrn, welche mit ihm die die heiligen gestalten von Brot und Wein segnete. Mehrere der Anwesenden sahen diese Erscheinung, denen aber der Heilige das strengste Stillschweigen auflegte. Ein Priester, mit Namen Heilrich, hielt aber das Stillschweigen nicht, weßwegen ihn der heilige Ulrich bestrafte, dieser aber darüber so sehr weinte, daß er das Augenlicht verlor.

Gott verherrlichte ihn auch bei seinen Lebzeiten mit der Gabe der Wunder. Viele Kranke heilte er mit dem heiligen Chrisma und dem Kreuzzeichen, aber nur in Geheim , damit ihm keine Ehre zu teil werde. Einmal ging er durch einen reißenden Strom, ohne daß seine Kleider naß wurden, während sein Begleiter der auf einem Pferde ihm folgte, bis an die Lenden durchnäßt wurde. Ein andermal blieb auf der Donau ein schiff, in welchem er sich mit mehreren Geistlichen befand, so lange stecken, bis er mit seinen Gefährten ausgestiegen war worauf das Schiff sogleich zerbrach und versank.

Eine andere wunderbare Begebenheit ist auch die Veranlassung, warum der heilige Ulrich in bischöflicher Kleidung mit einem Fisch in der Hand abgebildet wird. Den heiligen Ulrich besuchte einmal sein Freund, der fromme Bischof Konrad von Konstanz. Beide Freunde nahmen an einem Donnerstag ihre Nachtessen in einem Hause neben der Afrakirche, und führten dabei geistliche Gespräche über göttliche Geheimnisse so eifrig, daß sie ganz auf das essen vergaßen und der Freitag-Morgen anbrach, als sie noch bei tische sassen. da trat ein Bote des Bayern Herzogs in das Gemach und überreichte dem heiligen Ulrich einen Brief. Dieser, ohne daran zu denken, daß es schon Freitag sei, schenkte dem Boten ein Stück Fleisch, das noch auf dem tische lag. — Der Bote, ein böswilliger Mensch, eilte sogleich nach Hause, um den Herzog zu sagen, wie Ulrich nur ein Heuchler wäre, weil er am Freitag Fleisch esse und ihn selbst damit beschenkt habe. Allein als der argwöhnische Verläumder dem Herzoge zum Beweise seiner Anklage das Stück Fleisch zeigen wollte, war es zu seiner größten Beschämung in einen Fisch verwandelt. Gott rettete also durch ein Wunder die Ehre seines heiligen Dieners!

Worte des Heiligen Ulrich
„Wenn die Apostel der Grund des Hauses Gottes sind, so muß die ganze Christenheit die Mauer dieses Hauses sein und bleiben, wie der Apostel sagt: Der Tempel Gottes ist heilig und der seid ihr. Ihr seid Gottes Gebäude. Befleißen wir uns also aus allen Kräften, uns mit dem zu vereinigen, der uns zu einem Gebäude ausgeführthat und in uns wohnet, mit Jesus unserem Herrn.”

„In dem Himmelreiche bedarf man nicht des Lichtes, der Sonne, des Mondes, der Sterne; man wird nicht von Hunger und Durst geplagt, nicht von Kälte oder Hitze ermüdet, nicht von Krankheit oder Schmerz befallen. Wie die Leiber am tage des Gerichtes nach dem Maße des in Christo vollendeten Alters auferstehen werden, so werden sie in Herrlichkeit fortdauern. Dort wird keine Hochzeit mehr gehalten, die Menschen werden sich fortan nicht mehr vermehren, die erfüllte Zahl der Gerechten wird nicht vermindert werden, sondern in endloser Freude fortbestehen. Man hat keine Nachstellungen des Feindes mehr zu fürchten, man bedarf keiner Vergebung der Sünden mehr; die Auserwählzen werden den Engeln gleich sein, und ohne einer Veränderung mehr unterworfen zu sein, werden sie ewig wohnen in Gottes heiliger Stadt, die erbaut ist auf seinem heiligen Berge.”

Christliche Seele! willst du nicht auch ein Bewohner dieser heiligen Stadt werden, wo endlose Freude dich erwartet? O gewiß! Nun so folge dem heiligen Ulrich nach, vor Allem in seinem unerschütterlichen Glauben, in seinem festen Gottvertrauen, in seinem Gebetseifer, in seiner Mäßigkeit und seiner Nächstenliebe. Sein Herz war eine wahre Wohnung Gottes und nur dann, wenn auch dein Herz ein Wohnung Gottes wird, wirst du eingehen in die ewige, selige Wohnung des Himmels, wo Gott Alles in Allem sein wird.

Gebet.
Mein Gott und Herr! hilf mir um der Fürbitte deines heiligen Dieners Ulrich willen, dasß zu dir mein Herz sich neige und deine Wohnung werde, denn du sagst ja selbst: So Jemand mich lieb hat, zu dem werden ich und der Vater kommen und Wohnung bei ihm nehmen. So komm, o Jesus, und kehre ein bei mir!

Quelle: Legende von den lieben Heiligen Gottes, nach den besten Quellen neu bearbeitet und herausgegeben von Georg Ott, Stadtpfarrer in Abendsberg (1863)

Bild: Holzstich aus dem Buch Legende von den lieben Heiligen Gottes (1863)

Heilige, Seelige im Monat Juli -
  1. • Rumoldus
    • Galus
    • Theobald
    • Aaron und Julius
    • Theodorich
    • Carilephus
    • Leonor
    • Eparchius oder Cybar
    • Simeon, Salus
  2. • Mariä Heimsuchung
  3. • Phokas
  4. • Ulrich
  5. Wilhelm
    Petrus
  6. • Goar
    • Godoleva
  7. • Willibald
  8. • Elisabeth
  9. • Kilian
  10. • Felizitas
  11. • Pius I.
  12. • Johannes Gualbertus
  13. • Heinrich
  14. • Kamillus von Lellis
  15. • Bonaventura
  16. • Eustathius
  17. • Alexius
  18. • Symphorosa
    • Friederich
  19. • Vinzenz von Paul
  20. • Margaretha, Marina
  21. • Viktor
  22. • Maria Magdalena
  23. • Franziskus Solanus
    • Brigitta von Schweden
  24. • Christina
  25. • Jakob der Größere
    • Christophorus
  26. • Anna
  27. • Pantaleon
  28. • Nazarius, Zelsus
  29. • Martha
  30. • Julitta
  31. • Ignatius von Loyola
    • Batho von Freising
    Johannes Kolumbini



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