Das Fest der Beschneidung unseres Herrn Jesu Christi
Das Fest der Beschneidung unseres Herrn Jesu Christi - und die Bedeutung, Kraft und Süßigkeit des heiligen Namens Jesus

Der Festtag, Gedenktag, Verehrungstag ist der 1. Januar
(Das Zweite Vatikanischen Konzil hat den Festtag 1962 abgeschafft.)

Die Beschneidung hatte Gott dem frommen Patriarchen Abraham unter Androhung einer sehr strengen Strafe befohlen; sie sollte an all seinen Nachkömmlingen vorgenommen werden und zwar

  1. als ein Zeichen des Bundes, welchen Gott mit Abraham geschlossen hatte,
  2. als ein Zeichen der Absonderung des jüdischen Volkes von allen anderen Völkern,
  3. als ein Unterpfand der Segnungen, die jenen verheßen waren, welche wie Abraham die Gesetze des Herrn treu erfüllen würden.
Es durften nur die Kinder männlichen Geschlechtes und zwar erst am achten Tage ihrer Geburt beschnitten werden. Die Beschneidung fand im Hause der Eltern statt und wurde gewöhnlich vom Vater, bisweilen auch von der Mutter vorgenommen. Sie war eines der wichtigsten heiligen Geheimisse des alten Bundes und das erste Erfordernis, um zum auserwählten Volke zu gehören; durch sie trat man feierlich in den Dienst Gottes, übernahm die Pflicht, alle von Gott geoffenbarten Wahrheiten zu glauben und seine Gesetze und Anordnungen zu befolgen, endlich legte man durch sie das Bekenntnis der Sündhaftigkeit und der Notwendigkeit der Buße ab.

Nach dem Zeugnisse des heiligen Epiphanius wurde das Kind Jesus im Stalle zu Bethlehem wahrscheinlich von der Hand der heiligen Jungfrau oder des heiligen Joseph beschnitten. Jesus bedurfte als der Sohn Gottes der Beschneidung nicht, allein er wollte sich diesem schmerzlichen Gebrauche unterwerfen, um zu zeigen,

  1. daß er wirklich einen menschlichen Leib angenommen habe und also wahrhaft Gottmensch sei;
  2. daß er wahrhaft ein Nachkomme, ein Sohn Abrahams sei, von welchem der Messias abstammen sollte;
  3. um uns zu lehren den Gehorsam gegen Gottes Gesetz;
  4. um uns aufzumuntern, die Leiden dieses Lebens willig zu ertragen;
  5. um uns einen Beweis seiner Liebe zu geben und uns zu belehren, daß die Sünde das größte Übel sei, da er schon als Kind zur Sühnung derselben sein Blut vergoß; endlich
  6. um uns zu erinnern, wie notwendig es sei, uns zu demütigen und unsere bösen Leidenschaften abzutöen, da er sich, ohne die geringste Sünde auf sich zu haben, den Schmerzen der Beschneidung hingab, als wäre er ein sündhaftes Menschenkind.
Für uns besteht die schmerzliche, blutige Beschneidung nicht mehr; Christus hat sie aufgehoben und dafür eine andere Beschneidung anbefohlen, nämlich die Beschneidung des Herzens, von welcher der hl. Apostel Paulus redet. (Röm. 2,29.) Diese Beschneidung besteht aber in einer gänzlichen Austilgung aller unordentlichen Leidenschaften unserer Seele und vollkommenen Unterwerfung unter den göttlichen Willen. Wir sollen also ausreuten die Wurzel des Stolzes, des Neides, des Hasses, der Habsucht, der Unreinigkeit; wir sollen beschneiden alles bösen Triebe unseres Herzens, bekämpfen und abtöten unsere fünf Sinne. Und sollte uns dieses Opfer, welches die christliche Religion von uns fordert, schwer ankommen, so machen wir nur einen Blick auf das Kind Jesus in der Krippe, wie es unter dem Messer sein erstes heiliges Blut so schmerzlich vergießt, und bitten wir das götliche Kind, daß es uns Kraft gebe, unsere Weichlichkeit zu überwinden und einen guten Kampf zu kämpfen. — Der Leidensweg, den Jesus von seiner Kindheit an gegangen, ist auch unser Weg, diesen mußte auch Maria, die göttliche Mutter, wandeln. Wer wird es wohl beschreiben können, was in ihrem zarten Mutterherzen vorging, als sie die schmerzliche Beschneidung ihres Kindes sehen oder wohl gar selbst vornehmen mußte! Allein ihr Wille war Eins mit de Willen ihres götlichen Kindes, und so lit sie mit ihm ohne zu klagen mit himmlischer Ergebung. Wende dich also auch zur göttlichen Mutter, wenn dich Mutlosigkeit ergreifen will im Kampfe gegen dein verdorbenes Herz; sie, das starke Weib (Sprüchw. 31, 10.), wird dir zur Seite stehen und dir den Sieg erringen helfen.

Am Tage der Beschneidung erhielt nach dem gesetzlichen Gebrauche der Juden der neugeborene Heiland seinen hochheiligen Namen Jesus. Dieser süße Name wurde ihm nicht von seinem Nährvater Joseph, noch von der allerseligsten Jungfrau gegeben, sondern von dem himmlischen Vater selbst, der den selben durch den Erzengel Gabriel der hochbegnadigten Gottesmutter und später dem heiligen Joseph vorher verkündigen ließ. Diesen Namen hatten zwar im alten Bunde schon mehrere getragen, wie Josua, der Sohn Nun`s, Jesus, der Sohn Sirach`s, der Hohepriester Josedech; aber bei diesen war er eine bloße Benennung ohne besondere Bedeutung, oder er war nur ein schwaches Vorbild von dem, was der Weltheiland vollbringen sollte. Christus allein trägt de Namen Jesus, welcher soviel als Retter, Heiland, Seligmacher, bedeutet, im eigentlichen und einzig wahren Sinne. Er ist wahrhaft ein Eröser und Retter der ganzen Menschheit von der Sünde; er ist der einzige Seligmacher, der die Hölle besiegt, und uns durch sein Leiden und Sterben die Gnade erworben hat, selig zu werden. Er hat das getan und vollbracht, was sein hochheiliger Name bedeutet, und darum ist dieser Name kein bloßer Schall, sonder voll der Kraft und des Sieges, voll der lieblichsten Süßikeit.

Der Name Jesus ist kein leeres Wort, kein bloßer Schall, sondern er ist ein mächtiger Name, der die Gewalt des Sieges und der Erlösung und Befreiung in sich trägt. „Vor ihm müssen sich beugen alle Kniee derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind,” schreibt der Apostel Paulus. (Philipp. 2,10.) Durch die Kraft des Namens Jesus heilte Petrus einen Lahmen am Tempeltore zu Jerusalem, in dem er zu ihm sagte:

„Im Namen Jesus von Nazareth stehe auf und geh.”

Durch die Kraft dieses hochheiligen Namens sind die bösen Geister besiegt worden; wenn sie diesen Namen aussprechen hören, dann erzittern und fliehen sie. Sie müssen die Macht des göttlichen Heilandes anerkennen, der diesen Namen trägt und der sie am Kreuze überwunden hat. Die bewährtesten Zeugnisse der ältesten Geschichte des Christentums sagen uns, daß fromme Christen durch das vertrauensvolle Anrufen und Aussprechen des heiligen Namens Jesus eine Menge Besessener vom bösen Geiste befreit haben. Wie zur Zeit der ersten Christen hat dieser heilige Name die nämliche Macht auch heute noch; denn Christus hat ja verheißen, daß alle, die ihn anrufen, die notwendige Kraft und den Sieg im Kampfe erhalten werden. — Bist du also in großer Gefahr, i einer heftigen Versuchung, dann rufe zu Hilfe diesen heiligen Namen; sprich ihn aus mit festem Vertrauen und die Hilfe wird nahen, der Feind muß fliehen. Fühlst du dich, schwach zur Ausübung einer Tugend, glaubst du, deine Leidenschaften nicht besiegen zu können, dann denke an Jesus, sprich aus seinen heiligen Namen, und du wirst dich gestärkt und ermutigt fühlen.

„Sobald ich den Namen Jesus ausprechen höre, sagt der heilige Bernhard, so steigt jeder gute Gedanke auf in meinem Geiste. (Serm. 15. in Cant.)”

Und wie dieser heilige Name ächtig ist und des siegreich, so ist er auch voll der Süffigkeit und des Trostes. Der Schall dieses schönsten und lieblichsten aller Namen ruft in den Herzen aller, die den Heiland lieben, die süßesten Gefühle der Freude und des Trostes, der Treue und Liebe hervor. — Derjenige, welcher diesen Namen trägt, ist uns ja Alles geworden,mit Ihm hat uns ja der Vater Alles geschenkt, Er ist ja der Anfänger und Vollender unseres Heils, ohne Ihn können wir nichts tun; durch Ihn kommen wir zum Vater; Er ist uns der Weg, die Wahrheit und das Leben, Er ist unser Licht, wenn wir in der Irre, in der Finsterniß wandeln; Er ist unser Arzt, wenn wir Krank und verwundet nieder liegen; Er unser Retter, wenn die Bande des Bösen uns umschlingen; Er unser Hort und Schirm, wenn Gefahren unseren Seelen drohen; Er unser starker Helfer, wenn Kleinmuth uns drückt; Er unser Ratgeber, wenn wir keinen Ausweg finden; Er unsere Hoffnung, wenn Verzweiflung uns ergreifen will. Welch` eine Fülle der Wonne und des Trostes liegt also in diesem heiligen Namen verborgen! Darum wurden auch die Heiligen niemüde, diesen süßen Namen auszusprechen und mit zärtlichster Andacht zu ehren. — Einige brannten sich diesen heiligen Namen mit glühendem Eisen, andere schnitten ihn auf die Brust, um immer dieses heil. Namens sich zu erinnern. Der heilige Augustin las mit vielem Vergnügen vor seiner Bekehrung ein Buch des Cicero, Hortensius genannt, in welchem vortreffliche Lehren über die Liebe zur Wahrheit enthalten waren, aber nur Eines mißfiel ihm an diesem Buche, daß er nämlich den Namen Jesus nicht darin fand. Der heilige Hieronymus bemerkt, daß de heilige Apostel Paulus in seinen Briefen den Namen Jesus selbst auch da erwähnt, wo er zum Verständnisse nicht notwendig wäre. Er wiederholt ihn wohl zweihundertmal, gleichsam als könnte sein Mund nicht satt werden, diesen Namen auszusprechen und sein Herz, ihn zu lieben. Der heilige Franz von Assisi wurde jedesmal ganz entzückt und ganz glühend

Quelle: Leben und Taten der Heiligen - Eine Legenden-Sammlung für das christkatholische Volk von Michael Sintzel, (Beichtvater des Mutterhauses der barmherzigen Schwestern zu München (1839)

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