Der heilige Goar, Priester, Glaubensprediger und Einsiedler -
- Festtag, Gedenktag ist der 6. Juli
- * in ?
- † am 6. Juli 575
Wie der heilige Fridolin an der südlichen Grenze der heutigen Rheinpfalz den Baum des Evangeliums pflanzte und pflegte, ebenso arbeitete der heilige Goar in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts aus der nördlichen Grenze dieses Kreises an der Verbreitung des Christentums.
Dieser heilige war in Aquitanien geboren und hatte schon in frühester Jugend ein großes verlangen, die Welt zu verlassen und allein für Gott zu leben.
Durch Fasten und Gebet, durch Betrachtung und Studium sich ganz dem Dienste Gottes zu weihen, war sein einziges Streben.
sein Eifer und seine ausgezeichneten Eigenschaften wurden seinem Bischof bekannt und dieser weihte ihn zum Priester.
Mehrere Jahre verwaltete er das ihm übertragene Amt mit aller Treue; aber er fand keine Ruhe.
Im Jahre 519 unter der Regierung des fränkischen Königs Childebert I. verließ er seine Heimat und zog an das linke Rheinufer.
Überall verkündete er auf seiner Wanderung die lehre des Heils und wo nur immer die Zuhörer seiner Predigt Gehör gaben, da erteilte er ihnen die taufe und befestigte sie in einem christlichen Wandel.
Endlich ließ er sich am Ufer des Rheins, zwischen Oberwesel und Boppard nieder und baute da, wo jetzt das Städtchen Goar steht, eine Einsiedlerzelle.
In dieser Zelle oblag er unablässig dem Gebete und den Werken der Abtötung.
Sein außerordentliches Fasten wußte er vor den Augen der Menschen so zu verbergen, daß er sogar als Unmäßiger verleumdet wurde.
Der Bischof von Trier, in dessen Sprengel Goars Zelle lag, hatte unseren Heiligen mit der Verkündung des Evangeliums an die Ungläubigen beauftragt.
Damals gab es nämlich noch viele Heiden am Rhein.
Goar predigte ihnen mit solcher Kraft, daß sie der mit ihm wirkenden Gnade nicht widerstehen konnten.
Viele wurden durch die Nachricht von den großen Wundern, die der Heilige wirkte, auf ihn aufmerksam gemacht und ließen sich von ihm auf den Weg des Heils leiten.
Ganz ausgezeichnet war sein Eifer, die Fremden zu beherbergen.
Der Ruf von der Heiligkeit seines Lebens und von der Menge seiner Wunder führte viele aus weiter Ferne zu seiner Einsiedelei.
Alle nahm er liebevoll auf und alle erhielt bei Nahrung und Pflege.
Am frühesten Morgen las er jedesmal die heilige Messe, dann verkündetet er den Fremdlingen und allen, die aus der nähe kamen, die lehre des Heils.
War dies geschehen, so erquickte er die Gäste mit Speise und Trank, damit sie wieder ihres Weges gehen konnten.
Um sie zur Annahme dieser Erquickung zu ermuntern, aß er immer selbst mit ihnen.
War er allein, so fastete er gewöhnlich bis zum Abend.
Täglich betete er den ganzen Psalter, d. h. alle hundertfünfzig Psalmen.
Von seiner Freundlichkeit und Freigiebigkeit gegen Fremde nahmen zwei Bedienstete des Bischofs von Trier einen Anlaß, ihn beim Bischof zu verleumden.
Sie waren selbst als Gäste aufgenommen und höchst liebevoll bewirtet worden.
Sie hatten gesehen, wie Goar schon in den Frühstunden mit ihnen aß und trank, und erklärten nun ihren Bischof, der Mann, der sich so dem Wohlleben hin gebe und nicht einmal bis zur Mittagsstunde faßte, könne kein Heiliger sein.
Er sei offenbar ein Heuchler und die Wunder, die man von ihm erzählte, seien Werke der Zauberei.
Der Bischof ließ sich durch solche Reden gegen den Heiligen einnehmen und forderte ihn auf, sich zu verteidigen.
Goar überzeugte die beiden Verleumder, die ihn vor den Bischof führen mußten, von seiner Unschuld und von der Wundergabe, die ihm der Herr verliehen hatte.
Sie hatten nämlich die von Goar ihnen dargebotene Nahrung in seiner Zelle verschmäht und waren durch göttliche Fügung auf dem weiten Wege von einem tödlichen Hunger befallen worden.
Auf ihr Bitten hatte ihnen Goar wunderbare Sättigung verschafft.
Aber es half nichts daß sie ihre Verleumdung vor dem Bischof wider riefen.
Der Bischof war gegen den heiligen so eingenommen, daß er von ihm verlangte, er müßte durch ein Wunder vor seinen Augen sich von der Anschuldigung reinigen.
Während der Heilige vor dem Bischof stand, brachte man einen Säugling, der, kaum drei tage alt, als ausgesetztes Kind war gefunden worden.
Der Bischof forderte von Goar, er müßte zum Zeichen seiner Unschuld von diesem Kinde die Antwort auf eine Frage erhalten, die als ein Geheimnis vor allen Anwesenden verborgen war.
Goar erinnerte den Bischof, wie vermessen es sei, in solcher weise Gott zu versuchen.
Als aber der Bischof auf seiner Forderung bestand, stellte Goar die Frage an das Kind, und das Kind gab eine deutliche und bestimmte Antwort, so daß alle Anwesenden erstaunten.
Die Kunde von dieser Vermessenheit des Bischofs und von seiner Feindseligkeit gegen den Heiligen verbreitete sich weit und kam auch vor den König Childebert I.
Dieser war darüber so entrüstet, daß er den Bischof sogleich seines Amtes enthob.
Das erledigte Bistum sollte Goar übernehmen.
Goar bat sich zwanzig Tage Bedenkzeit aus.
Während dieser zeit betete er unablässig zum Herrn, er möchte ihn doch mit dieser Last verschonen.
Gott sendete ihm ein Fieber, das ihn lange Zeit hinderte, seine Zelle zu verlassen.
der König berief ihn mehrmals zu sich, aber nie war er im Stande, den Ruf zu folgen.
Als die Gesandten des Königs zum letzten Mal kamen, um ihn abzuholen, erklärte er ihnen, er hoffe zu Gott, man werde ihn aus seiner Zelle recht bald ins Grab tragen.
Und so geschah es auch.
Nach siebenjähriger Krankheit wurde der heilige am 6. Juli 575 abberufen in die himmlischen Wohnungen.
Der König war über diesen Tod äußerst betrübt und ließ den Leichnam des Heiligen in dessen Zelle feierlich beerdigen.
Gott verherrlichte sein Grab durch viele Wunder.
Später wurde an der selben Stelle eine große Kirche erbaut und der Leichnam des Heiligen in Gegenwart des Erzbischofs
Lullus von Mainz, des Bischofs
Megingoz von Würzburg und des Bischofs
Basin von Speier in der selben feierlich beigesetzt.
(Bolland)
Quelle:
- BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Modestus Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)
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