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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

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Der heilige Bonifazius, Apostel Deutschlands
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Der heilige Bonifazius, Apostel Deutschlands -

  • Festtag, Gedenktag ist der 5. Juni
  • * um das Jahr 680 in England
  • am 5. Juni 755

Dieser große Heilige, dem Deutschland so viel verdankt, wurde um das Jahr 680 in England geboren und hieß früher Winfried. Schon als Kind von 4 - 5 Jahren war er recht bekümmert um das Heil seiner Seele. Er hörte jede Belehrung, wie man Gott dienen und Wohlgefallen könne, mit größter Teilnahme an und war dadurch innerlich erfreut und bewegt.

Um diese Zeit kamen Missionare in die Gegend, wo er wohnte und wurden in dem Hause seines Vaters beherbergt. Diese Männer Gottes schienen so ganz für ihn gekommen zu sein, um das Verlangen seines Herzens nach Belehrung zu befriedigen. Jetzt wollte er den sichersten Weg zum Heile der Seele einschlagen, nämlich alles zu verlassen, um in vollkommener Selbstverleugnung Christus nach zu folgen.

Diesen Vorsatz eröffnete er seinem Vater. Der Vater hing mit besonderer Liebe an seinem kleinen Winfried. Das Vorhaben seines Sohnes kam ihm wie eine kindliche Phantasie vor, die in ihm durch äußere Einflüsse wäre geweckt worden. Er schloß ihn jetzt mehr ab und suchte ihn von solchen Gedanken abzubringen. Indessen verfiel der Vater in eine schwere Krankheit. Auf seinem Krankenlager dachte er über den Entschluß seines Sohnes ernstlich nach. Es kam ihn eine Furcht an, er würde gegen den Willen Gottes handeln, wenn er auf seiner Weigerung bestünde. Er beriet sich mit seinen Verwandten darüber, und es wurde beschlossen, dem Knaben zu willfahren und ihn in das Kloster Adescancastre zu senden. Winfried war damals sieben Jahre alt und wurde von dem dortigen Abt Wolfard mit Übereinstimmung sämtlicher Ordensbrüder in das Kloster aufgenommen.

Unter diesem geistlichen Vater und in dieser gottgeweihten Familie vergaß Winfried bald seine irdische Heimat und seine leibliche Verwandschaft. Sein geistiges Wachstum gedieh weit mehr als seine leibliche Entwicklung. Außer seinem Streben nach christlicher Vollkommenheit entdeckte man an ihm ein ausgezeichnetes Talent für die Wissenschaften. Zu seiner Ausbildung in den Wissenschaften wurde er in das Kloster Nhutscelle gesendet, das unter der Leitung des großen gelehrten Abtes Windprecht stand. Hier machte der junge Mönch ausgezeichnete Fortschritte in der Frömmigkeit und in der Wissenschaft. Bald wurde er der vorzüglichste Lehrer des Klosters. Seine Schüler bedurften keines anderen Lehrers mehr. Nebenbei aber teilte er sich in die mühevollen Handarbeiten der Brüder, als hätte er außer diesen nichts zu tun.

So lobte und lehrte er als Klosterbruder bis in sein dreißigstes Jahr. Jetzt wurde er auf Befehl seines Abtes zum Priester geweiht. Als solcher begann er, den Gläubigen das Wort Gottes zu verkünden, unterrichtete aber zugleich auch, wie früher, die Brüder in den Wissenschaften und erklärte ihnen die heiligen Schriften. Aus mehreren anderen Klöstern kamen Mönche zu ihm, um von ihm unterrichtet zu werden. Gottgeweihte Jungfrauen, die in strenger Klausur lebten, wendeten sich Briefen an ihn, und erhielten schriftliche Belehrungen von ihm. Manchmal wurde ihnen auch das Glück zu Teil, ihn in ihrer Abgeschiedenheit das Wort des Heils verkünden zu hören.

Um diese Zeit versammelte der König Ina, der später seine Krone nieder legte und in einem Kloster sein frommes Leben beschloss, die Hirten der Kirche und die Äbte der Klöster zu einer Synode. Es waren Wirren entstanden, die augenblicklich gelöst werden mußten. Man wartete nicht einmal die Ankunft des Erzbischofs Berctwald ab. Nachdem die Beschlüsse gefaßt waren, sandte man sie durch Winfried zur Bestätigung an den Erzbischof von Canterbury. Dieser fand großes Wohlgefallen an dem Abgeordneten der Synode und genehmigte die gegebenen Gesetze. Von dieser Zeit an genoß Winfried allgemein unter Geistlichen und Weltlichen ein großes Ansehen. Zu jeder Synode, die man im Lande hielt und zu den wichtigsten Beratungen wurde er berufen.

Allein diese Tätigkeit genügte ihm nicht. Ihm stand unablässig das Beispiel des großen Apostels von England, des heil. Mönches Augustinus vor Augen. Wie dieser, vom heil. Papste Gregorius gesendet, sein Vaterland von dem Götzendienste gereinigt und der Kirche gewonnen hatte, so wollte er das nördliche Deutschland, das noch ganz in den Finsternissen des Heidentums lag, für Christus gewinnen. Wie hundert Jahre vor ihm der hl. Columban mit seinen Gefährten das Licht des Glaubens dem südwestlichen Deutschland gebracht hatte, so sollte jetzt durch ihn das Volk der Friesen mit der Lehre des Heils begnadigt werden.

Der Abt Windprecht war Anfangs gegen ein solches Unternehmen. Aber Winfried hatte schon zwei Gefährten gewonnen, in denen das gleiche heilige Verlangen brannte. Sie flehten zu Gott, daß er das Herz ihres Obern ihrem Vorhaben geneigt machen möge. Endlich stimmte der Abt ein. Unter dem Gebete und der Segenswünsche der treuen Brüder verließ Winfried mit seinen Genossen das friedliche Kloster im Jahre 715. An dem schon damals berühmten Handelsplatz London bestiegen sie ein Schiff und kamen in dem selben Jahr nach Dorstadt in Friesland, etwas über Utrecht. Hier angekommen, fiel Winfried auf seine Knie nieder und dankte dem Herrn für den glücklichen Anfang seines Werkes.

Damals war eben Krieg zwischen den Friesen und Franken. Radbot der Friesenkönig war schon deshalb dem Christentum feindlich gesinnt, weil es die Religion seiner Feinde, der Franken war. Winfried konnte deshalb wenig ausrichten. Das ganze Unternehmen schien nur eine Prüfung seiner Geduld und eine Demütigung für ihn zu sein. Er kehrte darum noch im Herbst des selben Jahr nach England in sein Kloster zurück.

Bald darauf starb der treffliche Abt Windprecht, und Winfried wurde zu dessen Nachfolger erwählt. Aber er wollte sich nicht fesseln lassen, so daß er seinem Missionsberuf hätte entsagen müssen. Er begab sich also zum Bischof Daniel von Winton, in dessen Sprengel das Kloster lag, und bat ihn, er möchte einen anderen als Abt über das Kloster aufstellen. Dies geschah, und Winfried reiste nach Rom.

Zu Beginn des Jahres 718 kam der eifrige Diener des Herrn in Rom an. Damals saß Gregorius II. auf dem päpstlichen Stuhl. Dieser nahm den Winfried mit seinem Empfehlungsschreiben vom Bischof Daniel freundlich auf und bestärkte ihn in dem heiligen Entschluß, den Heiden das Evangelium zu predigen. Im Frühjahr darauf trat der Glaubensbote, gestärkt durch den Trost und den Segen des Vaters der Christenheit und ausgerüstet mit einem Missionsbrief des selben, seine Reise nach Deutschland an. Auf der Reise kam er zum ersten Mal nach Bayern. Hier traf er schon christliche Gemeinden mit ihren Seelsorgern, Klöster und Bischöfe, ein Volk, das von christlichen Herrschaften regiert wurde. Darum hielt er sich in Bayern nicht auf sondern zog mit einigen Begleitern nordwärts in die Länder der Heiden, um diesen die himmlische Wohltat des heiligen Glaubens zu vermitteln.

Anders als in Bayern fand es Winfried bei den Thüringern. Dieses Voll war schon früher zum Glauben bekehrt, jetzt aber durch Irrlehrer verführt worden und ganz verkommen. Selbst die Priester waren größtenteils recht unwissend und zuchtlos. Diese und die Großen des Reiches versammelte Winfried um sich und forderte als Abgesandter des Herrn, sie zur Buße auf. Doch wendete er sich bald wieder zu den Friesen, wo inzwischen der dem Glauben feindliche Radbot gestorben war. In diesem Lande wirkte jetzt Willibrord, der Gründer und erste Bischof der Kirche von Utrecht. Mit ihm verband sich Winfried zur gemeinsamen apostolischen Tätigkeit. Während drei Jahren wurden die meisten Einwohner des Landes zum Glauben bekehrt und ihre Götzentempel in christliche Kirchen umgewandelt.

Der hl. Willibrord war schon alt und wollte die Last des bischöflichen Amtes auf die Schultern seines getreuen Mitarbeiters legen. Dieser aber entschuldigte sich, er habe das fünfzigste Jahr noch nicht erreicht, und als Willibrord dessen ungeachtet in ihn drang, erklärte er, sein Beruf sei es, den Heiden das Evangelium zu predigen, dazu habe er sich auch durch ein Gelübde verbunden und der Papst habe ihm ausdrücklich hierzu die Segnung gegeben. Willibrord erteilte dem apostolischen Manne den Segen und entließ ihn. Dieser aber begab sich zu den Hessen. Auf dem Wege dahin traf er in Amannburg zwei Brüder, die Macht und Ansehen besaßen und Christen hießen, obgleich sie nebenbei auch noch Götzendienst trieben. Diese wurden durch ihn zum Glauben bekehrt, und in der Näher ihrer Güter wurde ein Kloster erbaut.

Die Hessen waren noch ganz ins Heidentum versunken. Die göttlicher Kraft und glücklichem Erfolge predigte Winfried unter ihnen die Lehre des Heils. Viele Tausende empfingen die Taufe. Darüber gab Winfried dem Papste Nachricht durch einen seiner Jünger. Der Papst wünschte, den Glaubensboten selbst in Rom zu sehen, um sich mit ihm über die kirchlichen Angelegenheiten Deutschlands zu besprechen. Der Wunsch des Papstes galt unserem Heiligen als Befehl. Sogleich begab er sich nach Rom, wurde vom Papst mit größter Verehrung und Liebe aufgenommen und erstattete Bericht über seine bisherige Tätigkeit. Dies geschah im Jahre 723.

Nach der Ansicht des Oberhauptes der Kirche sollten die neu bekehrten Völker einen eigenen Bischof haben. Die Unterredung mit dem apostolischen Manne überzeugte den Heiligen Vater, daß der selbe dieses Amtes vollkommen würdig sei. Von seiner Rechtgläubigkeit hatte der Missionar ein schriftliches Bekenntnis abgelegt, indem er sich über die Lehre der katholischen Kirche in einer den Papst ganz befriedigenden Weise aussprach. Am 30. November 723 wurde er in der St Peterskirche vom Papst selbst zum Bischof der Deutschen geweiht, ohne daß ihm ein bestimmter Sitz zugewiesen war. Hier erhielt er auch den Namen Bonifazius. Erst nach Erteilung der bischöflichen Weihe mußte Bonifazius durch einen feierlichen Eid dem Papste und seinen Nachfolgern Gehorsam geloben. Der Papst erteilte ihm seinen Segen und gab ihm Beglaubigungsschreiben an Karl Martel, an die Bischöfe Deutschlands und an die einzelnen Völker mit.

Bonifazius kehrte nun wieder zu den Hessen zurück, erteilte den Neubekehrten das Sakrament der Firmung und führte diejenigen, welche neben Christus auch noch den alten Götzen dienten und in den Wäldern und an den Quellen opferten, von ihren Irrwegen zurück. Eine außerordentlich große Eiche, die dem Donnergott Thor geheiligt war, und bei der man am meisten Opfer brachte, hieb er mit eigener Hand um. Aus dem Holz dieser Eiche baute er eine Kirche und weihte sie zu Ehren des Apostelfürsten Petrus ein. Als die versammelte Menge von Gläubigen und Heiden sah, daß diese Zerstörung des altheidnischen Heiligtums ungerächt blieb, lobpriesen die Gläubigen Jesus Christus, der seinem Diener eine solche Macht gegeben hatte; die Heiden aber erkannten daraus die Ohnmacht ihrer Götzen und nahmen die Lehre des Heils willig auf. Für die Neubekehrten erbaute der Heilige Kirchen und stellte Seelsorger auf, die ihnen das Wort Gottes verkünden und die Gottesdienste feiern mußten.

In Thüringen hatte der Heilige vorzüglich gegen sittenlose und ketzerische Priester zu kämpfen. Um für die Kirche einen festen Punkt und für die Frömmigkeit einen sicheren Schutz zu gewinnen, gründete er das Kloster Ohrdruf. Um den Weinberg des Herrn nicht ohne Arbeiter zu lassen, ließ er mehrere Missionare aus England kommen. Die ausgezeichnetsten der selben sind Burchard, damals Bischof von Würzburg, Lullus, Dobval, Witta, Sola, Erban, der als Chorbischof von Utrecht später mit Bonifazius als Märtyrer starb und Seppan. Auch gottgeweihte Jungfrauen kamen aus England und sammelten andere um sich, die nach der Vollkommenheit des christlichen Lebens strebten. Außerdem unterrichteten sie die Kinder in der Lehre des Heils. Die ausgezeichnetste dieser Dienerinen Gottes ist die hl. Lioba. Die war der Anfang der Nonnenklöster in Thüringen.

Im Jahre 731 starb Papst Gregor II., dem die Bekehrung Deutschlands so sehr am Herzen lag, und an dem der hl. Bonifazius in allen Anliegen den teilnehmensten Ratgeber und Freund hatte. Die liebende Sorgfalt für Deutschland und seinen Apostel ging auch auf dessen Nachfolger, Gregor III. über. Dieser erhob unseren Heiligen zum Erzbischof von Deutschland und gab ihm die Vollmacht, so viele Bistümer im Land zu gründen, als er zur Ordnung der kirchlichen Verhältnisse für notwendig erachten würde.

Mit dieser Vollmacht kam Bonifazius nach Bayern. Der Herzog Odilo hatte ihn eingeladen. Es war damals in Bayern ein einziger ständiger Bischof, Vivilo in Passau. Die Geistlichen hatten kein Oberhaupt, das sie überwachte und zur Verantwortung zog. So waren unter ihnen viele Missstände und große Unordnungen entstanden. Außer den wirklichen Geistlichen traten auch einige auf, die sich als Priester, ja sogar als Bischöfe ausgaben und das Volk durch irrige Lehren verführten. Diese und die schlechten Priester, unter denen besonders ein gewisser Eremwulf genannt wird, richteten durch ihr böses Beispiel und durch verkehrte Lehren viel Unheil an.

Bonifazius zog diese Übertäter zur Verantwortung und wies sie zurecht. Mehrere taten Buße, die anderen wurden entfernt. Dem Volke verkündete der Heilige überall die Lehre des Heils und brachte es von seinen Irrtümern wieder zur Erkenntnis der Wahrheit zurück. In allem war er ein Vorbild heilsamer Lehre und Zucht. Aber es war ihm noch nicht möglich, dem Über gründlich abzuhelfen.

Im Jahre 738 reiste der Heilige zum dritten male nach Rom. Er wollte dem Oberhaupt der Kirche, Gregor III. von seiner bisherigen Missionsarbeit Bericht erstatten und für seine nachfolgende Tätigkeit sich den Segen der heiligen Apostel erbitten. Eine größere Anzahl seiner Jünger und treuen Mitarbeiter aus Franken und Bayern und auch aus England begleiteten ihn. Sie sollten nach dem Willen des Heiligen die Entwicklung und den Glanz des kirchlichen und klösterlichen Lebens in Italien selber sehen. Der Papst nahm sie alle sehr gütig auf und freute sich der trostvollen Nachrichten, die er von ihnen über die Bekehrung Deutschlands erhielt. Zugleich gab er ihnen heilsame Ratschläge und Weisungen, wie jetzt in der Ordnung der kirchlichen Verhältnisse zu verfahren sei. Dann besuchten sie die Gräber der heiligen Apostel und Märtyrer und Bonifazius entrichtete über den selben das heiligste Opfer. Unter vielen anderen ausgezeichneten Männern lernte hier Bonifazius auch seine Landsleute, den heil. Wunibald und dessen Bruder Willibald kennen. Dann wohnte er noch einer Synode bei, die der Papst auf diese Zeit in Rom veranstaltet hatte. Nach einem Aufenthalt von fast einem Jahr verließ er die Stadt, um wieder in seinen Weinberg, nach Deutschland zurück zu kehren.

Der Papst gab ihm drei Sendschreiben mit: eines an die Bischöfe, Priester und Äbte der Länder, eines an die Fürsten und an das Volk Deutschlands und eines an die Bischöfe von Augsburg, Speyer, Konstanz und Passau. Allen wurde der Heilige als ein treuer Diener des Herrn empfohlen, und die letztgenannten Bischöfe wurden aufgefordert, sich mit ihm etwa in Augsburg zu einem Concillium zu versammeln.

Eongeladen vom Herzog Odilo begab sich Bonifazius sogleich wieder nach Bayern. Als apostolischer Legat bestimmte er die Grenzen der vier zum Teil von ihm errichteten Bistümer Salzburg, Regensburg, Freising und Passau. Auf den bischöflichen Stuhl von Salzburg, der durch den Tod des Bischofs Flobargis eben erledigt war, erhob er den Priester Johannes, den er selbst zum Bischof weihte. Zum Bischof von Regensburg weihte er den vom Herzog Odilo ihm vorgeschlagenen Gaubald. Das Bistum Freising wurde dem Bruder des hl. Corbinian, Grimbert oder Grimbrecht, übertragen und den früheren Bischof von Lorch, der durch die Avaren vertrieben war und jetzt in Passau sich aufhielt, erklärte der Heilige als Bischof des neu errichteten Bistums Passau.

Jetzt hatten die Priester ihre Oberhirten, die sie überwachten und für die Reinheit der Lehre und für kirchliche Zucht Sorge trugen. Jetzt war den Verführern, die sich für Priester und Bischöfe ausgaben, ohne eine Weihe empfangen zu haben, ihr verderbliches Handwerk gelegt. Jetzt wußten die eifrigen Seelsorger, an wem sie sich in ihren wichtigen Angelegenheiten wenden mußten.

Papst Gregor III. bestätigte die von Bonifazius errichteten Bistümer, bekannte, daß Vilvilo von ihm selbst die bischöfliche Weihe empfangen habe und trug dem Apostel Deutschlands auf, fortwährend umherzureisen, die Neubekehrten durch die Predigt des Evangeliums im Glauben zu stärken, über die Einhaltung der kirchlichen Ordnung zu wachen und die verirrten wieder zur Wahrheit zurück zu führen.

Dem Auftrage des Papstes gemäß hielt Bonifazius ein Concillium in Bayern. Ort und Zeit dieser Versammlung kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, weil die alten Akten verloren gingen. Und von dieser zeit beginnt die schönste Blühte des kirchlichen Lebens in Bayern. In einer Zeit von nahezu 40 Jahren (739 - 778) wurden in Bayern 29 Klöster gegründet. der hl. Pirmin, Stifter des Klosters Reichenau am Bodensee, kam mit 12 Mönchen nach Bayern und gründete Ober- und Niederaltaich an der Donau, dann das Kloster Monsee am Mondsee, das Kloster Osterhofen an der Donau. Die mit dem Hausmaier Karl Martel verwandten Brüder Lanfried, Waldram und Eiland stifteten sieben Klöster, nämlich Benediktbeuren, Kochelsee, Schlehdorf, Staffelsee, Polling, Sandau und Wessobrunn.

Bald darauf gründeten, wie wir sehen werden, die fürstlichen Brüder Adalbert und Otkar, Söhne des bayerischen Markgrafen Theobald, die Klöster Tegernsee und Illmünster und wurden selbst die ersten Mönche dieser Klöster. So wurden durch den apostolischen Eifer des heil. Bonifazius viele Adelige und Geistliche angeregt zu einer Opferwilligkeit und geistlichen Wirksamkeit, wie nicht leicht in einem anderen lande. So breitete sich die Kirche in Bayern immer mehr aus; Aberglaube und Irrlehre verschwanden vor de, Lichte des Evangeliums; heilige Zucht und gottseliger Wandel traten an die Stelle des früheren Lasterlebens; an vielen Orten, wo bisher Alles in trübseliger Gedankenlosigkeit versumpft gewesen ist, blühten die Pflanzstätten eines höheren Wissens und einer himmlischen Weisheit, die Klosterschulen, in denen auch die weltlichen Wissenschaften gepflegt wurden. Kein Glaubensbote der früheren Zeiten und kein Kirchenfürst in der Folgezeit hat so viel für Bayern getan, wie der Apostel Deutschlands.

Nach dieser Zeit errichtete er noch die Bistümer Würzburg und Eichstätt, wie wir dies bald näher beschreiben werden. Aber Bayern war nun ein Teil seines großen Sprengels; er vergaß sein Thüringen und die andern Länder, in die er das Licht des Evangeliums getragen hatte, bei all seiner Sorgfalt für unser Bayern nicht; er gründete die Bistümer Erfurt und Büraburg, welches letztere später nach Paderborn verlegt wurde und stiftete die berühtme Abtei und Schule zu Fulda, die wir alsbald näher werden kennen lernen.

Über all diese Anordnungen und Stiftungen gab der Heilige dem Statthalter Jesus Christus auf Erden Rechenschaft und erbat sich dessen Rat. Papst Gregor III. war 741 gestorben. Nach ihm regierte Papst Zacharias elf Jahre (741 - 752) die Kirche. Diesem stellte Bonifazius die Notwendigkeit der haltenden Concillien vor, um die noch vorhandenen Mißstände der deutschen Kirche gänzlich zu entfernen und sämtliche Bischöfe des Landes auf`s innigste miteinander zu vereinigen. Zugleich erbat er sich hierzu den Rat und die kluge Weisung vom Papste aus. Im Frühjahr 742 kamen die Bischöfe zum ersten Male zusammen. Der Hausmaier Karlmann hatte diese Versammlung auch gewünscht, damit die Bischöfe und Priester ihm mit ihrem Rate an die Hand gehen möchten, wie das Gesetz Gottes und das, unter den vorigen Fürsten verfallene, kirchliche Leben wieder hergestellt werden könne, wie man das christliche Volk zum Heile seiner Seele leiten und es von dem Verderben durch falsche Priester verwahren möge.

Im darauf folgendem Frühjahr 743 versammelten sich die deutschen Bischöfe wiederum. Der Ort dieser Versammlung heißt Listinä, in der Diözese Cambray. Wie im vorigen Jahr die Verbesserung der Geistlichkeit, so war diesmal ganz besonders die Besserung und Ordnung des christlichen Volkes das Augenmerk der geistlichen Hirten. Alle Überbleibsel des heidnischen Aberglaubens sollten gänzlich vertilgt werden. Darum wurde festgesetzt, daß jeder Täufling bei der Taufe den drei Hauptgottheiten der Deutschen, dem Donar, dem Wurtan und dem Sarnote abschwören mußte. Zugleich wurde in dreißig Artikeln die Bekämpfung und Unterdrückung der abergläubischen Gebräuche befohlen.

Über diese Versammlung wurde nach Rom Bericht erstattet. Auf diesem Bericht und auf verschiedene Anfragen antwortete der Papst. Die Bischöfe wurden bewilligt und die Anfrage des Bonifazius, ob er in der Provinz Bayern das ihm verliehene Predigtamt auch noch verwalten solle, beantwortete Papst Zacharius also: „Wir erklären, daß wir mit Gottes Gnade alles, was unser Vorfahrer dir verleihen, vielmehr vermehren als vermindern wollen. Darum übertragen wir dir nicht nur Bayern, sondern auch die ganze Provinz Gallien. Solange der Allmächtige dich am Leben läßt, sollst du dort in unserem Namen und mit unserer Vollmacht das Evangelium verkünden und alles berichtigen und ordnen, was du dort gegen die christliche Religion und gegen die Ordnung des kanonischen Rechtes vorfindest.”

Als päpstlicher Legat in Gallien hielt der Heilige bald darauf (745) ein Concillium zu Soissons. Dort wurden zwei ausschweifende, eitle Irrlehrer, die viele verführt hatten, Adalbert und Clement, aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und viele heilsame Verordnungen gegeben.

In den nächst folgenden Jahren wurde der erzbischöfliche Stuhl von Mainz erledigt, und Bonifazius auf den selben erhoben. Papst Zacharias bestätigte diese Erhebung den 4. November 748. Mainz blieb von jetzt an der Primassitz für ganz Deutschland. Zur selben Zeit hatte der Bruder Pipins des Kleinen, Karlmann, die Mitherrschaft abgetreten, die Welt verlassen und sich in die klösterliche Einsamkeit zurück gezogen, um allein für sein Seelenheil zu sorgen. Pipin aber wurde bald darauf vom fränkischen Volk zum König gewählt und vom Papst Zacharias bestätigt. Der bisherige Namenkönig Childerich zog sich in ein Kloster zurück (752). König Pipin verehrte unseren Heiligen aufrichtig und tat vieles zum Wohle der Kirche.

Jetzt hatte der Apostel Deutschlands eine besonders ihm anvertraute Diözese; allein dessen ungeachtet nahm er sich noch aller Kirchen an, die durch ihn gegründet und seiner Obhut anempfohlen waren. Noch einmal kam er nach Bayern. Auf dieser letzten apostolischen Reise scheint er die Kirche des Klosters Altomünster eingeweiht zu haben. Im ganzen Land fand er eifrige Bischöfe und überall neu aufblühende Klöster. Die Irrlehrer waren entfernt, und überall wurden die christlichen Gemeinden von rechtgläubigen Seelsorger geleitet. Viele von den Vornehmen hatten der Welt entsagt und waren in den von ihnen gegründeten Klöstern anderen ein Vorbild der Selbstverleugnung und der Gottseligkeit geworden. Der Herzog Thassilos suchte seinen Vorfahren, den frommen Odilo, durch Eifer für die Kirche noch zu übertreffen.

Inzwischen war die Kirche Frieslands, dieses Hauptaugenmerk des heiligen Bonifazius, in einem gefährlichen Zustand. Viele von den Bekehrten hatten sich wenigstens zum teil wieder dem heidnischen Aberglauben zugewendet. An der Grenze zu Sachsen lebten noch viele Heiden, die den selben Haß gegen das Christentum, wie die hartnäckigen Sachsen, im Herzen trugen. Die Bekehrung dieses Landes wollte der Heilige den letzten Rest seiner Lebenstage widmen. Das Werk, das der heilige Wilfried dort fünf und siebzig Jahre vorher begonnen hatte, und an dem der heilige Willibrord fünfzig Jahre lang gearbeitet hatte, wollte er mit Gottes Gnade vollenden.

Er empfahl nun seine bisherigen Mitarbeiter, zum Teil fremde, aus Irland, eingewanderte Missionare, dem Schutze des Königs Pipin, erklärte seinen treuen Jünger und Mitbischof Lullus als seinen Nachfolger im Erzbistum und berief noch eine Versammlung von Bischöfen und Priestern nach Mainz. Hier stellte er den Versammelten seinen Nachfolger Lullus als ihren Oberhirten vor, ermahnte sie zum Gehorsam gegen ihn und zur brüderlichen Liebe unter einander. Dem Lullus trug er auf, den Bau der von ihm begonnenen Kirchen, insbesondere der Basilika in Fulda zu vollenden und darin einst seinen Leichnam zu bestatten. Die Obhut über die Nonnenklöster übertrug er der heiligen Lioba. Dann befahl er noch, daß man auch das Totentuch, in welches sein Leichnam werde eingewickelt werden, in die Bücherkiste einpacken sollte. Und so nahm er, nachdem er sich den Bischof Erban, drei Priester, drei Diakonen und vier Mönche als seine Begleiter auserwählt hatte, von der weinenden Versammlung Abschied.

Auf ihrer Missionsreise bekehrten die heiligen Männer in kurzer Zeit eine Menge der noch heidnischen oder wieder abgefallenen Friesen. Die Götzenbilder wurden zertrümmert, und christliche Altäre errichtet. Überall drängten sich ganze Scharen um die Boten des Friedens, das Wort des Heils von ihnen vernehmen und die Taufe zu empfangen. So zogen sie immer nordwärts und kamen dahin, wo jetzt Dokum steht. Hier ließ der Heilige sein Zelt aufschlagen, um länger dort zu verweilen. Hier wollte er den Neubekehrten in feierlicher Weise das heilige Sakrament der Firmung spenden. Nach der Feier des Pfingstfestes (25. Mai) sollten die Firmlinge an einem festgesetzten Tag sich hier versammeln. Sämtliche Mitarbeiter des Heiligen waren um ihn vereint.

Indessen hatten die in der Nähe wohnenden Heiden von der segensreichen Tätigkeit des Heiligen und von seinem Aufenthalt Kunde erhalten. Ihr Haß gegen das Evangelium und dessen Verkünder war aufs höchste gestiegen. An dem für die Firmung fest gesetzten tage in aller Frühe drang eine blutdürstige Rotte, mit Schild und Speer bewaffnet und die Lanzen schwingend, auf das Zelt des Heiligen ein. Die Begleiter wollten sich zur Gegenwehr stellen. Bonifazius riet ihnen ab und erinnerte sie, nun sei die lang ersehnte Stunde gekommen, in der sie von den Mühsalen und leiden dieses Lebens zu den Freuden der ewigen Seligkeit abberufen würden. Nachdem er sie noch recht herzlich zur willigen Hinnahme der Todesmarter um des Herrn willen ermahnt hatte, empfing er, das Evangelienbuch über sein Haupt haltend, den Todesstreich. Einer aus der Rotte durchhieb das Buch und spaltete dem Heiligen das Haupt. Alle seine Mitarbeiter und noch mehrere um ihn versammelte Diener des Herrn, zwei und fünfzig an der Zahl, litten mit ihm den Martertod, den 5. Juni 755. Den Leichnam des Heiligen ließ sein Nachfolger Lullus nach Fulda bringen. Die Trauer um den ausgezeichneten Diener Gottes war in ganz Deutschland eine allgemeine. Sein Marterblut aber und das seiner Genossen war der Lösepreis für die Friesen aus dem Banden des Satans; denn alsbald nach dem Tode des Heiligen war die Bekehrung der Friesen vollendet.

(Seiters.)

Quelle:

  • BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
    zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Bonifazius Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)

BAVARIA SANCTA
Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
Band I - Zweiter Abschnitt
Bayern unter der Herrschaft der Agilolfinger

  1. Ingenuin
  2. Agnellus
  3. Eustasius und Agilus
  4. Theodelinde
  5. Emmeram
  6. Rupert
  7. Ansologus
  8. Kuniald und Gisilar
  9. Ehrentrudis
  10. Vitalis
  11. Marinus und Anianus
  12. Magnus
  13. Wikterp
  14. Erhard
  15. Corbinian, (Korbinian)
  16. Joseph
  17. Bonifazius, Apostel Deutschlands
  18. Sturmio
  19. Lantfried, Waldram, Eliland usw.
  20. Adalbertus und Oktarius
  21. Willibald
  22. Wunibald
  23. Walburga
  24. Alto
  25. Virgilius
  26. Modestus
  27. Marinus und Theklanus
  28. Gamelbert
  29. Sola
  30. Archus, Herenäus und Quartanus



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