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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

für Deutschland bearbeitet von Dr. Räß und Dr Weis




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Der heilige Heinrich, Kaiser
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Der heilige Heinrich, Kaiser -

  • Festtag, Gedenktag ist der 15. Juli
  • * in ?
  • am 15. Juli 1024

Der Liebling seiner Mutter Mathildis, Heinrich, war von seinem Bruder Otto I. als Herzog in Bayern eingesetzt worden. Auf ihn folgte sein Sohn Heinrich II. Dieser lehnte sich gegen den Kaiser Otto II. auf und ließ sich, während der heilige Wolfgang in der Einsamkeit Gott diente, vom freisingischen Bischof Abraham in Regensburg zum deutschen König krönen. dafür wurde er als herzog abgesetzt und statt seiner Hezilo oder Heinrich III. aufgestellt. Darauf söhnte er sich mit dem Kaiser Otto III. aus und wurde wieder Herzog in Bayern.

Dieser Heinrich II. ist der Vater des heiligen Heinrich. Seine Mutter war Gisela, die Tochter des Königs Konrad von Burgund. Er wurde im Mai des Jahres 973 auf dem Schloss Abach bei Regensburg geboren und vom heiligen Wolfgang getauft. Dieser heilige Bischof wurde auch der Erzieher und Lehrer Heinrichs und seiner drei Geschwister. Er nannte seinen Zögling Heinrich immer den König und dessen Bruder Bruno den Bischof. Niemand konnte damals noch ahnen, daß Heinrich König oder Kaiser werde.

Heinrich wurde von Kindheit an in der Furcht Gottes erzogen und hatte eine ausgezeichnete Freude an den Übungen des Gebetes und am Gottesdienst. Dabei unterließ der weise Bischof keine Belehrung, die zur Bildung eines künftigen Herrschers notwendig erschien. Alles wurde ferne gehalten, was den frommen Sinn des edlen Zöglings beleidigen oder ihn auf Abwege bringen konnte.

Im Jahr 994 starb sein Lehrer, der heilige Bischof Wolfgang Ein Jahr später folgte ihm sein Vater, der Herzog Heinrich II. im Tode nach. Jetzt übernahm Heinrich in einem Alter von drei und zwanzig Jahren die Regierung von Bayern. Weil er selbst mit allem Ernst nach Gerechtigkeit strebte und von Gottes Geist sich leiten ließ, so war auch seine Regierung eine gerechte und seine Verordnungen hatten nur das Wohlgefallen Gottes und das wahre Wohl seiner Untertanen zum Ziele. Darum war er auch vom ganzen Volke geliebt und hoch verehrt.

Damals regierte Otto III. als römischer Kaiser das deutsche Reich. Der selbe zog mehrmals nach Rom und hielt sich dort auf um Ordnung zu schaffen. Herzog Heinrich IV. begleitete ihn auf zwei Zügen dorthin und kehrte im Jahre 1001 wieder nach Bayern zurück. Er hatte den Kaiser, den die treulose Römer drei Tage in seinem Palast gefangen hielten, aus ihren Händen errettet und war dann fortgegangen. Auch der Kaiser hatte in Rom genug bekommen, aber er kam nicht mehr zurück. Am 24 Januar 1002 starb er zu Paterno, man meint an Gift, das ihm die Wälschen beigebracht hatten. Als man die Leiche des Kaisers nach Deutschland brachte, um sie in der Kaisergruft zu bestatten, empfing sie Heinrich IV. bei Polling und begleitete sie durch sein Gebiet über Augsburg und Neuburg. Nun bewarb er sich um die Krone des Reiches. Sein frommer Sinn, seine höhere Weisheit und sein heiliger Ernst hatten ihm das Zutrauen der Bischöfe und der Großen des Reiches erworben. Er wurde zum König von Deutschland erwählt, obgleich mehrere andere, mächtigere Fürsten sich auch um diese Krone bewarben. Auf seiner Rundreise durch Deutschland ließ er sich am 7. Juni 1002 vom Erzbischof Willigis zu Mainz als deutscher König krönen. Seine Gemahlin Kunigund wurde bald darauf in Paderborn gekrönt.

Mit endlose Jubel wurde der König in seiner bisherigen Residenzstadt Regensburg empfangen. Ganz Bayern feierte einen Triumph über die Erhebung seines Herzogs und ganz Deutschland wünschte sich Glück zu diesem gerechten und heiligen König. Dieser aber gab in allem Gott die Ehre und warf sich am Grabe seines heiligen Lehrers, des Bischofs Wolfgang, auf die Erde nieder, um durch dessen Fürbitte die so notwendige Weisheit und Kraft von Gott zu erflehen.

Die Großen des Reiches hatten in der letzten Zeit die Kirchen und ihre Bischöfe hart bedrängt und in ihre Gewalt gebracht. Die Klöster waren ihrer eigenen Vorstände beraubt und der Willkür der Bischöfe und anderer Patronen preisgegeben worden. Die Folge davon war die Lähmung der kirchlichen Gewallt und die Verkümmerung der Klöster im Zeitlichen und im Geistlichen. Der weise und mächtige König machte diesem Unwesen ein Ende; er gab den Bischöfen ihre Macht und sorgte dafür, daß die Mönche in freier Wahl ihre Obern wählen konnten. War in einem Kloster die Zucht ganz abhanden gekommen, so setzte er selbst einen tüchtigen Abt ein, der die Ordnung wieder herstellen sollte. Überall war er den geistlichen Hirten zur Hilfe bereit, wo er sich um Ordnung der kirchlichen Verhältnisse und um die Förderung eines gottgeheiligten Lebens handelte. Auf die erledigten bischöflichen Stühle setzte er ausgezeichnete Bischöfe. So machte er den Tagino, der mit ihm ein Schüler des heiligen Wolfgang gewesen war, zum Erzbischof von Magdeburg, den Wigbert, einen ebenso frommen als gelehrten Mann, zum Bischof von Merseburg, das er nach vierjähriger Verödung wieder hergestellt hatte. Der heilige Gotthard, den er zur Herstellung der klösterlichen Ordnung als Abt nach Niederaltaich gesendet hatte, wurde durch ihn auf das Bistum Hildesheim befördert.

Die Sorge für das ihm übertragene Reich verwickelte den friedfertigen König in viele Kriege und machte ihm das Leben oft recht sauer. In Deutschland selber gab es Empörer. Die Befreiung der Kirche von der Vergewaltigung der Fürsten sahen viele, die vorher mit dem Kirchengut nach Belieben geschaltet hatten, als einen Eingriff in ihre Rechte an. Zucht und Ordnung, auf die der König drang, verschrien sie als Tyrannei. Diese mußten mit Gewalt zur Ordnung gebracht werden. Der Polenherzog Boleslaw empörte sich gegen die Oberherrlichkeit des deutschen Königs über sein Land. Heinrich mußte ihn durch Krieg zur Unterwürfigkeit zwingen. In Italien erhob sich ein Aufstand gegen ihn, da er zu Pavia als König der Lombarden gekrönt wurde. Überall gewann der fromme König mit Gottes Hilfe den Sieg; überall wurde durch ihn Ruhe und Ordnung hergestellt.

Zum Dank für die Rettung aus so vielen Gefahren und für die außerordentlichen Gnaden, die ihm in seiner Regierung waren zu Teil geworden, stiftete der gottesfürchtige König das Bistum Bamberg. Alle seine Güter, die er als väterliches Erbteil besaß, schenkte er her, damit in dieser ihm so teuer gewordener Stadt ein Bistum errichtet werden konnte. Es war dies ein unausprechlicher Segen für jene, bisher noch wenig bewohnte Gegend. In kurzer Zeit war das einst verödete Land mit Dörfern und Flecken bebaut und in eine herrliche Landschaft umgewandelt. Von da aus verbreitete sich das Christentum unter den noch heidnischen Nachbarstämmen, und in Bamberg selbst blühte bald eine ausgezeichnete Schule, aus der die größten Männer für die Kirche Gottes hervor gingen.

Es kostete den König viele Mühe, die Bischöfe von Würzburg und Eichstätt zu bewegen, etwas von ihren Diözesen abzugeben, damit ein ansehnliches Bistum gegründet werden konnte. Indessen baute man fünf Jahre an der Domkirche. Im Jahr 1012 war sie vollendet. Am 6. Mai dieses Jahres wurde sie mit größter Feierlichkeit eingeweiht. Fünfundvierzig Bischöfe und Erzbischöfe waren zugegen. Alle Großen des Reiches hatten sich zu dieser Feierlichkeit versammelt. Zum ersten Bischof dieser Kirche war schon vor fünf Jahren ein Verwandter des Königs, Namens Eberhard, erwählt und geweiht worden.

Auf dem nahen Hügel der Stadt, jetzt Michaelsberg genannt, gründete Heinrich ein Kloster für Mönche und bevölkerte das selbe mit gelehrten und frommen Männern aus den berühmten Klöstern Fulda und Hersberg. Dahin ließ er die wertvollsten Bücher aus verschiedenen Klöstern bringen; denn Bamberg sollte eine Pflanzschule der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit für ganz Bayern werden.

Aber nicht nur gegen die Kirche in Bamberg war der König so freigebig; allenthalben verschönerte er die Gotteshäuser und sicherte ihren Bestand durch reichliche Stiftungen. Ebenso war er unablässig bereit, den Notleidenden zu helfen und die Armen zu unterstützen. All sein Vermögen und all seine Einkünfte wollte er nur zur Ehre Gottes und zur Unterstützung der Armen verwenden. Weder für sich noch für seine Verwandten sammelte er Schätze auf Erden; er verlangte unvergängliche, ewige Schätze zu erkaufen mit dem vergänglichen Mammon. Seine Brüder und die Brüder seiner Gemahlin Kunigund waren mit dieser Freigebigkeit des Königs äußerst unzufrieden und stellten sich mehr als einmal auf die Seite seiner Feinde. Allein der fromme Kaiser, der nur allein das Wohlgefallen Gottes im Auge hatte, ließ sich dadurch nicht irre machen; er brachte nicht bloß sein Vermögen, sondern auch sich selbst dem Herrn und seiner Kirche zum Opfer. Fortwährend durchreiste er, wenn er nicht in den Krieg ziehen mußte, alle Provinzen seines Reiches, um den Unterdrückten Recht zu sprechen, um Feindseligkeiten und Streitigkeiten zu beendigen, um das wohl und den Frieden der Kirche zu sichern. Die Bischöfe, die er aus der brutalen Gewalt der Markgrafen und Herzoge befreit hatte, überwachte er selber und verpflichtete sie zu entsprechenden Dienstleistungen zum Wohle des Reiches.

Das Ansehen des deutschen Königs war so groß geworden , daß selbst der Papst ihn nach Rom einlud, damit er dort die Parteien versöhnen und den Frieden herstellen möchte. Der König zog zum zweiten Mal nach Italien, hielt zu Ravenna, wo sein Verwandter Arnulf Erzbischof war, eine Synode, erhob die vom heiligen Columban gestiftete Abtei Bobbio zu einem Bistum und zog am 14. Februar 1014 in Rom ein.

Sechs Jahre früher hatte er einmal, als er seine Sitte gemäß auf dem Grabe des heiligen Wolfgang in Regensburg um Erlösung aus seinen Mühseligkeiten und Gefahren zu Gott betete, die Worte vernommen: „Nach Sechs.” Der fromme König meinte, es bedeute dies seinen nahen Tod; nach sechs Tagen werde er sterben. Er bereite sich darum mit gewissenhaftester Sorgfalt auf die Reise in die Ewigkeit vor. Als die sechs Tage vorüber waren, deutete er die „Sechs” auf Wochen und dann auf Monate. Diese Deutung lag nahe; denn der König war bei all seinen Mühen und Strapazen fortwährend kränklich, und all seine treuen Freunde befürchteten immer , daß er ihnen durch einen zu frühen Tod entrissen werde. Jetzt waren eben sechs Jahre vorüber, seitdem er jene Stimme vernommen hatte. Und an dem selben Tag des sechsten Jahres, an dem er am Grab seines heiligen Lehrers gebetet hatte, war er samt seiner Gemahlin Kunigund vom Papst Benedikt VIII. in die Peterskirche zu Rom eingeführt und als römischer Kaiser gekrönt. Zugleich übergab ihm der Papst einen goldenen Reichsapfel, ein Bild der vom Kaiser regierten Welt, von kostbaren Edelsteinen eingefaßt und oben mit einem strahlenden Kreuz geschmückt. Dieses kostbare Geschenk sendete der Kaiser in das Kloster Clugny, um es Gott als Opfer dar zu bringen.

Nach der Krönung unterdrückte Kaiser Heinrich noch einen Aufstand, der eben ausgebrochen war und kehrte dann, nachdem er die italienischen Angelegenheiten geordnet hatte, wieder nach Deutschland zurück. Eine Menge von gefangenen Aufrührern und viele Vornehme aus den aufständischen Städten wurden mit nach Deutschland geführt, damit die hergestellte Ruhe gesichert würde. Übrigens hatte weder der Kaiser noch sein Gefolge an dem seinen und hinterlistigen Wesen der Italiener ein Gefallen finden können und Alle dankten Gott, als sie wieder den deutschen Boden erreicht hatten.

Kaum angekommen in Deutschland mußte der Kaiser wieder gegen die Polen zu Felde ziehen. Nach vielen verdrießlichen Kämpfen wurde endlich am 30. Januar 1018 zwischen Boleslaw und dem Kaiser Frieden geschlossen. Bald darauf brach ein Krieg in Lothringen aus, dann mußte ein Aufstand in Sachsen unterdrückt und dann auch in Schwaben die durch seinen eigenen Bruder, den Bischof Bruno, gestörte Ruhe hergestellt werden. Die ersten fünf Jahre nach der Krönung waren für den Kaiser voller Dornen und Mühseligkeiten. Erst mit dem Jahr 1019 trat Ruhe ein. Im darauf folgendem Jahr (1020), als der Kaiser in Bamberg das Osterfest feierte, kam das Oberhaupt der Kirche, Papst Benedikt VIII., von dem der Kaiser sechs Jahre vorher die Krone empfangen hatte, in diese neue Bischofsstadt, um die neue Stephanskirche dort einzuweihen.

Am grünen Donnerstag Vormittags war der festliche Einzug des Papstes in der Stadt in feierlichster Weise gehalten. Vier Chöre von Geistlichen gingen ihm singend entgegen. Der Papst zog in seinem herrlichen Ornate einher. Beim Dom angekommen, ging er hinein, kniete sich vor jedem der Hauptaltare nieder und betete eine Zeit lang. Indessen sang die Geistlichkeit das Te Deum. Das Volk aber sang eine Litanei. Hierauf begrüßte der Papst den Kaiser mit dem Bruderkuss, ging dann vor den Dom heraus und erteilte allen, die aus der Kirche ausgeschlossen waren und Buße getan, die Absolution. Am Karsamstag weihte der Papst selbst das Chrisma und das heilige Öl. Vor dem Hochamt wurde eine feierliche Prozession gehalten; das Hochamt feierte der Papst selbst. Nie hat Bamberg eine solche Festlichkeit gesehen. Eine Menge Kirchenfürsten aus Italien und Deutschland und sämtliche Großen des Reiches hatten sich in dieser Stadt versammelt, um die beiden höchsten Würdenträger auf Erden zu ehren.

Nach einem Aufenthalt von 14 tagen begab sich der Papst in Begleitung des Kaisers in das berühmte Kloster Fulda. Auch hier las der Papst am Grabe des heiligen Bonifazius die heilige Messe. Fulda wie Bamberg wurde unter den unmittelbaren Schutz des apostolischen Stuhles gestellt und mit vielen Freiheiten begnadigt. Darauf kehrte der Papst wieder nach Italien zurück; in Deutschland aber war alles voll Jubel und frommer Erwartung über diese vollkommene Eintracht der höchsten, regierenden Häupter. Es schien wirklich ein goldenes Zeitalter des Friedens anzubrechen unter der weisen Herrschaft des heiligen Kaisers. Die einzige Besorgnis, die man noch hegen konnte, erregte die vielfach gestörte Gesundheit des allgemein geliebten Kaisers.

Unterdessen gestalteten sich die Verhältnisse in Italien immer schlimmer. Die Griechen in Unteritalien hatten sich wieder erhoben und gingen schon damit um, ganz Italien der Herrschaft des morgenländischen Kaisers zu unterwerfen. Nun wurde der Schutzherr der römischen Kirche um Hilfe angerufen. Kaiser Heinrich zog im Dezember 1021 über die Alpen und feierte in Ravenna das Weihnachtsfest. Von da brach er am Anfang des Jahres 1022 mit einem Heer von 60.000 Kriegern auf und bestürmte die befestigte Stadt Troja. Die Einwohner dieser neugegründeten Stadt hatten sich am arglistigsten benommen. Jetzt waren sie von allen seiten eingeschlossen und sahen nichts mehr vor sich, als den Hungertod. Um vom Kaiser Gnade zu erflehen, sendeten sie ihre abgemagerten, hungrigen Kinder in das Lager des Kaisers. Dieser war durch die Tränen und das Jammergeschrei dieser Unmündigen innigst gerührt, rief aus: „Mich jammert des Volkes!” und begnadigte die ganze Bevölkerung.

Nachdem die Aufständigen zur Ruhe gewiesen waren, besuchte der fromme Kaiser in Begleitung des Papstes das Kloster Monte Cassino, das einst der heilige Benedikt gegründet hatte, in dem aber jetzt die Zucht verfallen war. Der Kaiser setzte über die Mönche einen neuen Abt, Namens Theobald, der das Kloster wieder in einen besseren Zustand bringen sollte. Theobald wurde alsbald vom Papst geweiht und erhielt dann durch den Abt Odilo von Clugny, der nach Monte Cassino kam und einige Zeit sich dort aufhielt, einen treuen Mitarbeiter in seinem Verbesserungswerk. Der Kaiser verrichtete an dieser geheiligten Stätte seine Andacht und kehrte dann zurück nach Rom. Hier blieb er nur wenige Tage. Es drängte ihn um so mehr nach Hause, weil eine gefährliche Seuche unter seinem Heer ausgebrochen war. Viele seiner tapferen Krieger wurden von der selben hingerafft. Nur mit einem Teil des großen Heeres, das ihn auf dem Hinwege begleitet hatte, konnte er wieder zurückkehren über die Alpen, im September 1022.

In Deutschland war alles in vollkommener Ruhe und alles war erfreut über die Rückkehr des Kaisers, der durch diesen Feldzug sich als mächtigen Schutzherrn der katholischen Kirche und ihres Oberhauptes erwiesen hatte.

Im Frühjahr des folgenden Jahres (1023) veranstaltet der fromme Kaiser noch eine Zusammenkunft mit König Robert von Frankreich zu Ivois am Chiers. Beide Fürsten schlossen hier den innigsten Freundschaftsbund und verabredeten sich über die Maßregeln, wie ein allgemeiner und andauernder Landfriede gestiftet werden könne. Es war dies eine Festlichkeit, wie man sie nicht leicht gesehen hatte. Beide Fürsten wetteiferten mit einander in Austeilung von Gnaden und Wohltaten an alle Bedürftigen, und jede Bedrängte und Verfolgte fand bei ihnen sein Recht.

Von da reiste der Kaiser nach Verdün. Hier besuchte er das Kloster des heiligen Vitonius, dem der gottselige Abt Richard vorstand. Gebeugt von der erdrückenden Bürde der Regierungssorgen und voll heiliger Sehnsucht nach einsamer Ruhe, in der er sein leidvolles Leben zu beschließen wünschte, eröffnete der fromme Kaiser dem heiligen Abt sein Verlangen, als Mönch in dieses Kloster einzutreten. Der Abt stellte ihm vor, welch eine Macht der Herr in seine Hand gelegt habe, wie viel er mit der selben noch zum Heil der Kirche tun könne, welche Gefahren dem ganzen Reich und der Kirche Gottes drohen würden, wenn eben jetzt ein Thronwechsel statthaben sollte. Er könne ja auch in der Welt ein Leben der Abtötung und der Gottseligkeit führen und dies sei doch das Wesen alles wahren Klosterlebens. Der Kaiser war beruhigt und veranstaltete am 25. September eine Zusammenkunft mit König Rudolf von Burgund, um auch mit ihm über die Befestigung des allgemeinen Friedens sich zu beraten. Von da fuhr er den Rhein hinab nach Mainz und begab sich dann nach Bamberg, um dort das Weihnachtsfest zu feiern. Er kam dort recht leidend an und war die ganze Zeit von vielen Schmerzen heimgesucht. Im Reich war Friede, aber die Bischöfe des Landes waren unter sich entzweit. Dies bekümmerte den frommen Kaiser am allermeisten. In Vereinigung mit dem Oberhaupt der Kirche hatte er gehofft, allen Zwistigkeiten zwischen den Würdträgern der geistlichen Gewalt und der weltlichen Macht ein Ende zu machen und einen Zustand des Friedens herzustellen, der nie mehr gestört werden sollte. Die weltliche Macht der Bischöfe sollte durch die Weisheit des von Gott gesetzten Kaisers beschränkt werden, und ihre geistliche Gewalt sollten sie unter der Oberleitung des Oberhauptes der Kirche ausüben. Aber nicht alle wollten sich in diese Ordnung finden.

Der fromme Kaiser blieb bis gegen Ostern 1024 in Bamberg. Von Krankheit und großem Kummer niedergebeugt, machte er sich gegen Ende der Fasten in Bamberg auf, um das Osterfest in Magdeburg feiern zu können. Dies geschah. Darauf begab er sich nach Halberstadt zu seinem Freund Brantho, den er aus dem Kloster Fulda auf den bischöflichen Stuhl dieser Stadt erhoben hatte. Das Pfingstfest feierte er in Goslar. Hier erfuhr er zu seiner größten Betrübnis den Tod des Papstes Benedikt VIII. Dann begab er sich auf seine königliche Burg nach Grona. Seine Krankheit nahm der Art zu, daß er an kein Aufkommen mehr denken konnte. Nun ließ er seine treue Gemahlin Kunigund zu sich kommen, bekannte im Angesicht der Großen des Reiches, daß sein früherer Verdacht gegen ihre Treue ganz falsch gewesen sei, und erklärte vor allen, daß auch er während der ganzen Zeit ihres ehelichen Lebens sie als gottgeweihte Jungfrau gehalten und verehrt habe. Als eine solche übergebe er sie Jesu Christo, ihrem Bräutigam, als einen ihm anvertrautem Schatz unversehrt zurück. Jetzt nahm die Krankheit immer mehr überhand und die Stunde der Auflösung rückte heran. In der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1024 endete der fromme Kaiser sein mühevolles, gottgeweihtes Leben. Er starb im 52. Jahr seines Lebens, nachdem er 23 Jahre als König und 11 als Kaiser regiert hatte. Sein Leichnam wurde, wie es sein Wille gewesen, von Grona nach Bamberg gebracht und in der von ihm erbauten Domkirche (Klosterkirche) auf dem Michaelsberg beigesetzt. Die Trauergottesdienste wurden mit großer Feierlichkeit gehalten. Unzählige Scharen von nahe und fern kamen herbei, um ihre Teilnahme an der allgemeinen Trauer zu bezeugen. Bei dem Grabe des frommen Kaisers geschahen viele Wunder. So verwandelte sich das jährliche Gedächtnis seines Todes, das man anfänglich wie einen Seelengottesdienst beging, in ein Fest zu Ehren des treuen Dieners Gottes. Die vielen Wunder, die Gott auf die Fürbitte des Seligen gewirkt hatte, wurden geprüft und im Jahre 1152 am 14. März sprach Papst Eugen III. in einem Breve die Canonisation des seligen Kaisers aus. Seitdem wird dieser Beschützer der Kirche Gottes als Heiliger verehrt und sein fest am 15. Juli gefeiert.

(Bolland. Giesebrecht.)

Quelle:

  • BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
    zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Modestus Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)
BAVARIA SANCTA
Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
Bayern unter Amtsherzogen des deutschen Reiches (911-1180)
Band I - Vierter Abschnitt

  1. Thiento, Abt
  2. Mathildis
  3. Ulrich von Augsburg
  4. Ruzo (Rugo)
  5. Hatto, Bruno und Bernold
  6. Piligrin
  7. Guntharius
  8. Wolfgang
  9. Adelheid
  10. Gunthildis
  11. Ramuold
  12. Albuin
  13. Tagino
  14. Kunigunda (Kunissa)
  15. Hartwig
  16. Heinrich
  17. Kunigund
  18. Aurelia
  19. Ulrich von Ebersberg
  20. Richardis
  21. Hademunda
  22. Gotthard (Godehard)
  23. Reginbald, Bischof
  24. Günther
  25. Bruno
  26. Aquilin
  27. Gisela
  28. Gundekar II. (Gunzo)
  29. Batho
  30. Gebhard
  31. Murcherad (Muricherodachus)
  32. Marianus
  33. Adalbero
  34. Wiltrudis
  35. Wilhelm
  36. Altmann
  37. Der heilige Ulrich, Probst von Ulrichszell
  38. Der selige Engelmar, Einsiedler
  39. Der heilige Walderich, Mönch von Clugny
  40. Die selige Richildis von Hohenwart
  41. Der selige Wolfhold, Priester zu Hohenwart
  42. Die selige Salome und Judith in Niederaltaich
  43. Der heilige Thiemo, Erzbischof von Salzburg



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