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ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

für Deutschland bearbeitet von Dr. Räß und Dr Weis




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Der heilige Otto, Bischof von Bamberg und Apostel der Pommern
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Der heilige Otto, Bischof von Bamberg und Apostel der Pommern -

  • Festtag, Gedenktag ist der 2. Juli
  • * 1062 oder 1063
  • am 2. Juli 1139

Dieser heilige Bischof stammte aus einer adeligen aber wenig begüterten Familie zu Albach in Schwaben. Sein Vater hieß Otto, seine Mutter Adelhaid. *) Das Geburtsjahr des Heiligen ist entweder 1062 oder 1063. Die Eltern übergaben ihren Sohn schon frühe in den Unterricht, damit er statt der irdischen Schätze, die sie ihm nicht geben konnten, geistigen Reichtum gewinne. Otto hatte diesen Erwartungen der Eltern entsprochen und die Jahre der Selbstständigkeit erreicht, als ihm die Eltern durch den Tod entrissen wurden.

Sein jüngerer Bruder Friedrich hatte sich dem Stande der Krieger gewidmet. Ihm fiel das Gut der Eltern als Erbteil zu. Der Ertrag desselben reichte nur für ihn selber hin; er konnte dem älteren Bruder, der noch auf den hohen Schulen den Studien oblag, nicht viel zuwenden. Otto wollte weder ihm noch seinen Anverwandten lästig fallen. Er hatte das Studium der Poesie und der Philosophie vollendet und war jetzt entschlossen, das Gelernte Andern zu lehren und auf diese Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Zu diesem Zwecke begab er sich um das Jahr 1080 nach Polen. Er hatte gehört, daß in diesem Lande an Lehrern Mangel sei. Sehr bald lernte er die Sprache des Landes und nun stand ihm ein weites Feld offen. Er bekam Schüler in Menge. Die Reichen und Vornehmen des Landes übergaben ihm ihre Söhne zum Unterrichte. Sein freundliches Wesen und sein stattliches Aussehen gewannen ihm bald die Großen des Reiches. Durch seine strenge Lebensweise wurden aber Alle, die sich ihm naheten, erbaut. Bei seiner Genügsamkeit und Sparsamkeit erwarb er sich mehr, als ihm notwendig war. Seine Kenntnis der lateinischen und deutschen Sprache machten ihn besonders geeignet für Gesandtschaften an Auswärtige. So wurde er bald auch dem Herzoge von Polen Wladislaus bekannt und an dessen Hof gezogen.

Otto hatte schon, ehe er an den Hof des Herzogs kam, die Priesterweihe empfangen und ward nun dessen Hofkaplan. Die ausgezeichnete Geschäftsgewandtheit und Bescheidenheit des jungen Priesters gewannen ihm die Achtung und Liebe des Herzoges und des ganzen Hofes. Otto blieb mehrere Jahre in dieser Stellung.

Im Jahre 1086 starb des Herzogs Gemahlin Judith. Nachdem die Zeit der Trauer vorüber war, drangen die Großen des Reiches auf eine neue Vermählung des Herzogs kurze Zeit vorher war die Tochter Heinrichs III., Namens Sophie, die mit dem Könige von Ungarn ehelich verbunden gewesen, Wittwe geworden. Sie hielt sich eben am Hofe ihres Bruders Heinrich IV. auf. Eine Vermählung des Herzogs mit dieser Wittwe eines Königs und Schwester des Königs von Deutschlands sollte nach der Ansicht der Großen de m Lande Ehre und Vorteil bringen. Der Herzog billigte diese Wahl und sendete seinen Hofkaplan Otto an den König Heinrich IV., daß er in dieser Angelegenheit unterhandle. Heinrich nahm den durch Otto überbrachten Antrag freundlich auf, erklärte jedoch, er müsse darüber mit seinen Räthen sich besprechen. Diese billigten eine solche Verbindung und Otto brachte die frohe Botschaft dem Herzog zurück. Dadurch hatte sich Otto die höchste Gunst des Herzogs erworben. Dieser behandelte ihn fortan als seinen vertrauten Freund. Wo immer eine Sendung an den König Heinrich IV. notwendig war, geschah sie durch Otto.

Auf diese Weise wurde Otto dem Könige von Deutschland bekannt. Dieser erkannte bald die vortrefflichen Eigenschaften des weisen Vermittlers und suchte denselben für sich zu gewinnen. Otto verließ den Hof des Herzogs, von ihm und seiner Gemahlin reichlich beschenkt und wurde Hofkaplan und Kanzler Heinrichs IV.

Schon vor dieser Zeit hatte Heinrich IV. den Bau des herrlichen Domes in Speier fortgesetzt. Eben jetzt ging der Bau gar lässig. Die Bauleute verwendeten das ihnen übergebene Geld zu ihrer eigenen Bereicherung und wenn wieder etwas zum Bau aufgewendet werden sollte, so fehlte das Geld. So wurde die Arbeit gar lässig betrieben und mitunter eingestellt. Nun sendete Heinrich IV. seinen Kanzler nach Speier, daß er das Werk betreibe. Dieser griff das ihm übertragene Geschäft mit größtem Ernste und mit gewissenhafter Treue an. Er war es auch, der das Maaß und die Struktur der Fenster bestimmte und den König bewog, nach der von ihm angegebenen Idee sie bauen zu lassen. Durch seine Bemühung war der majestätische Dom im Jahre 1097 größtenteils vollendet.

Heinrich IV. der neben seinen vielen Lastern auch fromme Anwandlungen haben mochte, verlangte von Otto, daß er täglich mit ihm die Psalmen singe. Otto konnte sämtliche Psalmen auswendig singen; der König aber hatte ein Buch. Dieses war durch langen Gebrauch ganz unansehnlich geworden. Otto nahm es eines Tages mit sich und gab ihm einen neuen, prachtvollen Einband. Als der König das Buch wieder zur Hand nahm, und über dessen neue Gestalt staunend, nach dem Künstler fragte, der diese Umgestaltung zu Stande gebracht hätte, sagte man ihm, dies wäre durch Otto geschehen. Darauf sprach der König zu Otto: So wahr Gott lebt! wie du meinem Psalmenbuche seine abgenütztes Gewand ausgezogen und es durch ein neues Prachtgewand verherrlicht hast, so will auch ich Dir das Gewand der Armut ausziehen und Dich mit neuer Ehre bekleiden.

Bald darauf wurde das Bistum Bremen erledigt. Heinrich IV. vergab damals alle Bistümer in Deutschland. Von einer Bischofswahl durch die Geistlichkeit und das Volk hörte man selten mehr etwas. Heinrich übertrug dieses Bistum seinem Kanzler Otto. Allein dieser verweigerte sich es anzunehmen; denn die Verleihung eines Bistums durch einen weltlichen Fürsten war ihm verdächtig.

Otto war indessen wegen seiner Güte und Liebe, womit er Jedermann Gutes zu erweisen suchte, allgemein beliebt. Alle verehrten ihn als einen wahren Diener Gottes. In seiner Gegenwart getraute sich Niemand, auch nur ein unanständiges Wort zu reden. In seinem Äußern war er höchst einfach und würdevoll.

Nun war am 11. Mai 1102 der Bischof von Bamberg gestorben, und die Bamberger hatten Gesandte an Heinrich IV. geschickt, um von ihm wieder einen Bischof zu erhalten. Der königliche Hof war ganz umlagert von lauter Werbern um dieses Bistum. Heinrich IV. konnte lange zu keinem Entschlusse kommen. Schon waren nahehin sechs Monate seit dem Tode des Rupert vorübergegangen. Die Bamberger stellten einen Bittgang auf den Michaelsberg an, um einen guten Bischof vom Herrn zu erbitten. Es war der Sonntag vor Weihnachten. Ihr Gebet wurde erhört. Durch Heinrich IV., von dem sonst viel Böses kam, erhielten sie jetzt einen Oberhirten, der alle seine Vorfahren an Heiligkeit weit übertraf. Heinrich IV. ernannte seinen Kanzler Otto zum Bischof von Bamberg und belehnte ihn mit Ring und Stab. Die Meisten von den Anwesenden waren über diese Wahl hocherfreut und als der Graf Beranger von Sulzbach sich über den erwählten Bischof unehrerbietig äußerte, erhielt er vom König selbst eine Zurechtweisung.

Otto konnte dieser seiner Erhebung sich nicht widersetzen, so sehr er es auch mißbilligte, daß ihm das Bistum durch den König verliehen wurde. Er gelobte indessen, das Bistum nur dann zu verwalten, wenn er zuvor durch den apostolischen Oberhirten nach den Kirchengesetzen investiert und consekriert worden wäre. Noch 40 Tage blieb er am Hofe Heinrichs. Am Vorabende von Mariä Lichtmeß 1103 wurde er durch die Bischöfe von Augsburg und Würzburg als erwählter Bischof feierlich in Bamberg eingeführt. Obgleich es kalte Winterszeit und Alles mit Schnee bedeckt war, hielt er dennoch seinen Einzug barfuß. Als er nach der Feierlichkeit im Dome in die bischöfliche Wohnung kam, waren seine Füße vom Froste ganz wund geworden, so daß das Blut von ihnen herab träufelte. Er stellte sie in kaltes Wasser, um sie wieder zu beleben und sich vor den üblen Folgen dieses Frostes zu verwahren. Allein es blieb ihm deßungeachtet für sein ganzes Leben ein äußerst schmerzliches Fußleiden, das der Heilige mit bewunderungswürdiger Geduld ertrug, und durch das er sich nie von seinen oberhirtlichen Arbeiten abhalten ließ.

Der vom König ernannte Bischof ließ sich weder die bischöfliche Weihe erteilen, noch nahm er etwas vor, das ihm nicht schon als Priester zustand. Vor allem lag ihm daran, dem Oberhaupte der Kirche anzuzeigen, was geschehen war, und sich demselben in Demut zu unterwerfen. Er schrieb darum an den Papst Paschalis II. : "...Weil das Fundament aller kirchlichen Würde und Verpflichtung auf Christus dem Felsen, auf Petrus seinem Jünger und auf dessen Nachfolgern beruht, darum hab ich es für eine Torheit erachtet, von dieser Ordnung, von dieser Richtschnur, die allen Reichen, allen Hirtenämtern und Vollmachten in der Kirche zu Grunde gelegt werden muß, irgendwie abzuweichen. Unter Euch, heiligster Vater und unter unseren heiligen Mutter, der römischen Kirche, beuge ich in Demut meinen Nacken. Zu Euch flehe ich um Hilfe und Rat in meinen Angelegenheiten. Mehrere Jahre lebte ich im Dienste meines Herrn, des Kaisers und ich fand Gnade in seinen Augen. Allein die Verleihung eines Bistums durch des Fürsten Hand schien mir verdächtig; darum hab ich's zweimal ausgeschlagen, da er mir ein Bistum antrug. Nun hat er mich zum dritten Male für eines und war für das Bistum Bamberg bestimmt; allein ich werde es durchaus nicht behalten, wenn es nicht Eurer Heiligkeit gefällt, selbst mich zu investieren und zu weihen. Was Eure Weisheit bezüglich meiner beschließen möge, wolle mir durch die Botschafter berichtet werden, damit ich die Reise zu Eurer Heiligkeit nicht vergeblich unternehme. Der Allmächtige erhalte Euer Wohlsein!"

Die Reise nach Rom wurde noch drei Jahre lang aufgeschoben. Es war dies eben die Zeit, in der Heinrich V. seinem Vater den Gehorsam aufkündete und mit Hilfe der Bayern und Sachsen die Regierung des Reiches an sich riß (1104). Otto hielt sich in diesen Wirren an den päpstlichen Legaten, an den Bischof Gebhard von Constanz. Jetzt schrieb er nochmals an den Papst und machte sich, wie es scheint, nach Absendung seines Briefes sogleich auf die Reise nach Rom. Wir heben hier wieder einige Stellen aus diesem Schreiben aus, die uns einen Blick in die damaligen Zustände gewähren. "Endlich hat sich Gott wieder seiner Kirche erbarmt, er leitet das Schiff der Kirche und das Licht der himmlischen Wahrheit leuchtet wieder dem Abendlande. Jetzt möchte ich vor Allem Eurer Heiligkeit zu wissen tun, daß ich bisher in allen Stücken Eurem Legaten, dem Bischof Gebhard von Constanz gehorcht und nach seiner Anweisung teils gehandelt habe, teils zu handeln entschlossen bin, wenn mir Gott das Leben schenkt. Zu den Füßen Eurer Heiligkeit hingeworfen, bitte ich um gnädiges Gehör. Die ganze Welt liegt im Argen. Man traut kaum mehr einem Menschen, kaum mehr einem Orte. Darum bin ich in großer Verängstigung bezüglich der bevorstehenden Consekration. In diesen Zweifeln und Ängsten, in diesem bestürmenden Sorgen einem Schiffbrüchigen vollkommen ähnlich, rufe ich mit dem Apostelfürsten, dessen Stelle Ihr vertretet, zu Euch: "Herr, rette mich!" Denn wahrhaftig! auf Euch allein schauen meine Augen in dieser Stunde und bei dieser Macht der Finsternis. Euch den schuldigen Gehorsam zu leisten bin ich ganz bereit. Mit Euch zu stehen oder für Euch in's Gefängnis zu gehen, ist mein Entschluß. Auf Eure Autorität verlange ich mit ganzer Seele mich zu stützen. Befehle was ich tun solle. Befehlet Ihr, daß ich zu Euch komme, so werde ich in schuldiger Ehrerbietung und Unterwerfung vor den Augen Eurer Majestät mich stellen. Meine Habe ist zwar durch Raub und Brand verzehrt worden; allein mich treibt das Verlangen, Euch zu sehen und von Euch die Gnade der Weihe zu erlangen. Wolle also Eurere väterliche Liebe mir durch eine Gegenschreiben kund geben, auf welchem Wege ich sicher zu Euch gelangen könne und wo ich die Weihe, um die ich demütig bitte, von Euch erlangen werde. Ich bitte darum so inständig, diese Gnade (nämlich die Weihe) von Eurer Heiligkeit zu erhalten u. s. f."

Otto war viele Jahre im Dienste des excommunizierten Königs gestanden, hatte an dessen Hofe, wenn auch makellos, doch im Umgang mit dem Könige gelebt und besorgte nicht ohne Grund, daß auch er den kirchlichen Strafen verfallen sei. Nun wünschte er nichts sehnlicher, als eine Gewißheit, daß er im Verbande mit der Kirche und ihrem Oberhaupte stehe. Das Bistum hatte er von Anfang nicht gewollt und auch jetzt war er bereit, jeden Augenblick es dem Papste zu Füßen zu legen. das Heil seiner Seele galt ihm unendlich mehr, als die Ehre aller Bistümer der ganzen Welt. Er ging also nach Rom, warf sich dem Stellvertreter Christi zu Füßen und legte unter vielen Tränen die Insignien seines Bistums vor dem Papste nieder, sich des Hirtenamtes unwürdig bekennend. Der Papst nahm ihn mit väterlicher Liebe auf, billigte es, daß er dem Bistum entsagte und sprach ihn von aller Verbindlichkeit gegen dasselbe frei. Jetzt war Otto vollkommen beruhigt und voll Freuden rief er aus: "Nun kann ich dir, o Herr, um so freier dienen, nachdem du mir eine so schwere Bürde abgenommen hast."

Voll Freuden über die wieder erlangte Aussöhnung mit dem Oberhaupte und über die gewonnene Freiheit wollte Otto wieder von Rom abreisen. Allein sogleich am folgenden Tage sendete der Papst Gesandte an ihn, die ihm befahlen, dem Papste nach Anagni zu folgen und daselbst die weiteren Bestimmungen des heiligen Vaters zu vernehmen. Die Aufrichtigkeit und die Uneigennützigkeit des edlen Priesters hatte dem Oberhirten außerordentlich wohlgefallen. Keiner schien ihm für das erledigte Bistum Bamberg geeigneter, keiner würdiger, als derjenige, der demselben mit solcher Freudigkeit entsagt hatte. Der Papst übertrug ihm also, so sehr er sich auch dagegen sträubte, das Bistum Bamberg, ermutigte ihn durch Verheißung des göttlichen Schutzes und versprach ihm zugleich, sein treuer Gönner und Beschützer in allen Stürmen von Seite der Welt und ihrer Gewalthaber zu bleiben. Am heiligsten Pfingstfeste empfing Otto aus den Händen des heiligen Vaters die bischöfliche Weihe. Zugleich erhielt er das Pallium.

Der Bischof hielt sich noch den ganzen Sommer und Herbst in Italien auf, war höchst wahrscheinlich bei der großen Synode zu Euastala, die vom Papste Paschalis gegen Ende des Jahres gehalten wurde, mit den Gesandten des Königs Heinrich V. gegenwärtig und zog dann über die Alpen nach Kärnten seiner Heimat zu. Das Weihnachtsfest feierte er in Regensburg. Daselbst hielt gerade damals Heinrich V. eine Reichsversammlung mit den Bischöfen und Großen des Reiches. Bei dieser Versammlung redete Otto mit solcher Weisheit, daß alle Anwesenden einmütig die Kirche glücklich priesen, der von Gott ein solcher Bischof geschenkt ward. Diese Versammlung war auch der Anlaß zur Stiftung des Klosters Prüfening. Von Regensburg begab sich Otto, für die vielen Mühseligkeiten seiner beschwerlichen Reise vom König reichlich beschenkt, in seine Bischofsstadt Bamberg, um fortan den Hirtenstab zu führen, zur Freude und zum Troste des gläubigen Volkes.

Mit ausgezeichnetem Eifer nahm sich Otto jetzt seiner Kirche an. Vor allem lag ihm der religiöse Unterricht seiner Gläubigen am Herzen. Er hatte zwar keine tiefe Gelehrsamkeit, allein er war ein erleuchteter Mann Gottes und ein ausgezeichneter Volksredner. Nicht leicht fand sich ein Mann, der mit solcher Natürlicher Beredsamkeit das Volk über die göttlichen Erkenntnisse und über die kirchlichen Vorschriften belehren konnte, wie er. Alles waren voll Staunens, wenn sie ihn hörten. seine Predigten waren eben so erschütternd für die Sünder als erbauend für die Frommen. Seine Stellung als Oberhirt hinderte ihn nicht, in der einfachsten, deutschen Sprache zum Volke zu reden. Immer fand er das rechte Wort, wie es die Zeit, der Ort und die Zuhörer erforderten.

Der eifrige Bischof war aber nicht bloß ein Mann des Wortes, sondern noch vielmehr ein Mann der Taten. Seine Freigebigkeit gegen Arme und Notleidende war unerschöpflicher, als seine Schätze. Für sich lebte er so eingeschränkt, wie der ärmste seiner Mitbürger. Den Seinigen gestattete er das Notwendige, aber einen Aufwand im bischöflichen Hause, der nur zur Zierde oder zum Ergötzen diente, gestatte er weder sich selbst, noch den Seinigen. Waren seine Gewande oder Schuhe zerrissen, so ließ er sie flicken statt der neuen. Als sich Einige darüber aufhielten und meinten, solche Armut schicke sich für einen Bischof nicht, antwortete er: "Das Besitztum des Bischofs besteht aus lauter Almosen von den Gläubigen. Es ist uns nicht erlaubt, dasselbe in Eitelkeit zu vergeuden."

Seine Einschränkung bezüglich der Nahrung geht über alle Vorstellung. Glaubwürdige Männer bezeugen, von ihm vernommen zu haben, so lange er Bischof gewesen, habe er nie bis zur Sättigung, selbst nie am Brote sich satt gegessen. Immer stand er beinahe ungespeiset vom Mittags- und Abendtische auf. Die zarten Speisen sendete er den Kranken; was er sonst am eigenen Mundes absparte, teilte er unter die Armen und Bettler.

Einst war zur Zeit der Fasten großer Mangel an Fischen. Der Verwalter bekam dennoch einen sehr kleinen Hecht und bezahlte für denselben zwei Solidi. der Fisch wurde köstlich zubereitet und dem Bischof vorgesetzt, mit der Bemerkung, es wäre dies eine sehr teure Speise. der Bischof fragte: Wie viel hat sie gekostet? Als man ihm den Preis sagte, nahm er die Schüssel samt dem Fische, bot sie dem Verwalter und sprach: Ferne sei es, daß der arme Otto heute allein so viele Denare verzehre. Gehe hin, bringe diese teure Speise meinem Heilande, Christo dem Herrn. Du wirst ihn schon in irgend einem bettliegerigen Kranken finden. Ich bin gesund und kann mich an diesem Brote sättigen.

Aber auch außerdem lebte er in großer Abtötung. Für gewöhnlich ließ er sich in seinem Gemach durch Priester geißeln und gar oft bis auf's Blut. Auch der Vater im Himmel sendete ihm manche Geißelstreiche unmittelbar. Diese nahm er willig und die strafende Hand Gottes in Demut küssend hin und verwies in all seinen vielen Leiden eine bewundernswürdige Geduld und Standhaftigkeit.

Eine solche Heimsuchung von der züchtigenden Hand Gottes, die den Bischof persönlich traf, ist uns aufbewahrt worden. Einst war der Heilige auf seinen Visitationsreisen nach Büchelbach gekommen. Daselbst sah er aus dem Verzeichnisse der Reliquien, daß die unansehnliche Kirche dieses Ortes an solchen Gnadenschätzen übermäßig reich sei. Auch meinte er, man achte hier diese heiligen Reliquien zu wenig. Darum wolle er einen teil derselben nehmen und anderen Kirchen zuteilen. Als er sich mit seinen Geistlichen zu dem Altare hinbegeben hatte, in welchem dieselben eingemauert waren, befahl er nach vorhergegangenem fasten und Gebet, daß das Siegel abgelöst und der Schrein der heiligen Leiber geöffnet werde. Allein keiner von den Umstehenden getraute sich, dieses zu tun. Jetzt ergriff Otto selbst den Hammer, um den zinnernen Schrein zu öffnen. Bei dem ersten Schlag auf das Grab, spritzte frisches Blut heraus, als wenn ein belebter Leib darinnen wäre. Augenblicklich warf der Bischof den Hammer weg. Alles warfen sich in Staunen und Furcht auf die Erde nieder und baten den Herrn um Verzeihung für dieses unternommenen Wagnis. Die Eröffnung des Reliquienschrein unterblieb. Allein der Bischof hatte für sein Unternehmen zu büßen. Noch am selben Tage befiel ihn eine Krankheit, die ihn dem Tode nahe brachte. Otto ließ also seinen treuen Freund und Gewissensrat, den ehrwürdigen Abt Wolfram von Michaelsberg zu sich kommen, um unter seiner Leitung sich auf Tod und Leben vorzubereiten. Die großen Schmerzen seiner Krankheit deuteten nämlich auf eine nahe Erlösung aus diesem Elende. Als Wolfram erschienen war und bei ihm verweilte, eröffnete ihm der Kranke Bischof sein Vorhaben, ins Kloster zu treten, das er schon lange in sich getragen und das er jetzt durchsetze, wenn ihm Gott das Leben schenke. Zugleich bat er um das Ordenskleid und versprach in allen Stücken ausnahmslosen Gehorsam. Der kluge Abt nahm dieses Gelübde des Gehorsams an. Nach einigen Tagen ging es dem Bischof besser. Er verfügte über Alles, was er noch hatte und ließ sich ins Kloster bringen, um daselbst den Habit zu empfangen. Der Abt beriet sich darüber mit mehreren verständigen Männern. Alles erklärten einen solchen Schritt des Bischofs als ein Unglück für die ganze Kirche Gottes. Sein Wort, sein Beispiel, seine Wirksamkeit sei notwendig, mit seinem Stillschweigen und seiner Ruhe im Kloster sei der Diözese nicht gedient. Man habe keinen Überfluß an solchen Bischöfen, wie Otto es sei. Darauf fragte der Abt den Bischof mit aller Ehrerbietung, ob er bereit sei, in allen Dingen ihm pünktlich zu gehorsamen. Der Bischof antwortete: Im Namen desjenigen, der für uns seinem Vater gehorsam geworden bis in den Tod, bin ich bereit, dir zu gehorsamen. Darauf sprach der Abt Wolfram: " Und im Namen desselben Herrn und Heilandes befehle ich Dir, heiligster Vater, unter der Last des bischöflichen Amtes auszuharren bis zu dem Tage, da Dich der Herr abberufen wird; und dies befehle ich zur Verherrlichung und zum Wohl der Kirche, zum Troste der Hilflosen und Armen, zum Schutze der Wittwen und Waisen, daß Du nämlich thuest, wie Du bisher getan und vollendest, was Du in gottgefälliger Wirksamkeit begonnen hast; dann wirst Du dafür das ewige Leben und hundertfältigen Lohn empfangen. Wo ist ein Mönch, der Dir in der Armut und im Streben nach Vollkommenheit gleich käme?"

Von dieser Zeit an wurde das gesammte Einkommen des Bistums Bamberg zu Almosen und zu Spitälern für Arme und Fremdlinge verwendet. Alles Getreide und alles Lebensmittel, alles Silber und Gold, das man auffinden konnte, wurde durch die Hände der Armen in himmlische Schätze verwandelt. Aber nicht allein der gegenwärtigen Not half er ab, sondern auch der zukünftigen. Er sorgte auch für die Nachkommen; darum verwendete er große Summen auf Wasserleitungen und Brücken, auf Errichtung und Befestigung der Mauern und insbesondere auf Kirchen und Klöster.

Wir beginnen die Darstellung seiner großartigen, erstaunenswürdigen Freigebigkeit mit dem, was der Heilige für Bamberg selbst getan.

Seine erste Sorgfalt wendete er dem Dome Bambergs zu. Derselbe war vor seinem Bistumsantritte (1106) durch Brand zerstört worden. Der Bischof hatte den Wiederaufbau begonnen. Bis zum Jahre 1111 dauerte der großartige Bau dieses herrlichen Tempels. Am 3 April dieses Jahres geschah die feierliche Einweihung. Es ist dies eines der großartigsten Bauwerke romanischen Styles, welche das frühere Mittelalter errichtet hat. Das Schiff der Kirche ruhet auf 10 Pfeilern und mißt in der Länge 335 Schuhe; umschlossen von zwei Absiden und zwei Chören, mit fünfseitiger Grundform und reichumkränzten Rundfenstern. Das Mauerwerk besteht aus gehauenen Quadern. Die Umfaßmauern sind mit halbkreisrunden Fenstern und dem romanischen Friese geziert. In beiden Seiten der Chöre stehen die vier Türme empor, in Vierecke und Stockwerke abgeteilt. Die beiden Türme am Georgenchor verbindet, wie am Dome zu Speier, in der Höhe eine offener, kleiner Säulengang. Vier Haupteingänge schmücken den Dom, das Hauptportal ist gegen Mitternacht. das herrliche Gotteshaus erhielt wieder seine ursprüngliche Gestalt, nur der Georgenchor wurde erhöht. Auch mit prachtvollen Gemälden zierte Otto den neuen Bau und damit nicht wieder ein ähnliches Unglück ihn verderbe, ließ der sorgfältige Bischof die Kirche und sämtliche zu ihr gehörigen Gebäude mit Kupfer decken. Dieser Mutterkirche der ganzen Diözese, die schon durch die Freigebigkeit ihres Stifters, des heiligen Kaisers Heinrich, große Einkünfte zugesichert erhalten hatte, erwarb der Heilige einen bedeutenden Zuschuß von Gütern und rechten, um ihren Bestand und alle Zukunft zu sichern.

Sechs Jahre nach der Wiederherstellung des Domes, am 3. Jänner 1117, in der zweiten Stunde Nachmittags, wurde Bamberg durch ein schreckliches Erdbeben erschüttert. Die herrliche Basilika auf dem Michalsberge stürzte zusammen. Daß bei dem Einsturz der Säulen und des ganzen Baues kein einziger Mensch Schaden litt, schrieb man den Gebete des heiligen Bischofs zu. Während des Winters blieb der Schutt liegen. Nach der Osterfeier ließ Otto die kleinen und feuchten Zellen der Mönche niederreissen, für die Kirche und das ganze Kloster neue Fundamente graben, und dann den Bau weit herrlicher aufführen, als er zuvor gewesen. Als einst während des Baues das Geld ausgegangen war, begab sich der Baumeister Babo nach Pottenstein zum heiligen Bischof und klagte ihm seine Not. Augenblicklich sendete Otto wieder hundert Mark Silber zur Vollendung des Baues und zur Fertigung der prachtvollen Gemälde für die Kirche. Die Einweihung des Gottesgebäudes verzögerte sich vier Jahre lang. Der heilige Bischof verschaffte diesem seinem Lieblingsorte prächtige Paramente und Kirchenschmuck. Zu diesen Kostbarkeiten gehört ein in Gold und Edelsteinen gefaßter Kreuzpartikel, der aus dem von König Bela aus Ungarn ihm geschenkten Golde war gefertigt worden. Das Klostergut vermehrte er durch Ankauf von Gründen, die er für fünfzig Pfund Silber erwarb. Auch übergab er demselben den Ort und die zwei Kirchen zu Albach, die ihm als väterliches Erbgut zugefallen waren. Zum Schutzherrn dieses Heiligtums und aller Güter desselben stellte er den heiligen Erzengel Michael selbst auf.

Den Mönchen dieses Klosters war er nicht bloß ein fürsorgender Vater, sondern noch mehr eine zärtlich liebende Mutter. Die älteren Mönche behandelte er mit kindlicher Ehrfurcht, als wären sie seine Väter. Die jüngeren liebte er wie seine Kinder. Mit Allen ging er so treuherzig um, als wäre er einer von Ihnen. Gar oft bediente er, der Bischof, den Priestern am Altare oder schon beim Anziehen der priesterlichen Gewande. Bald bot er ihnen die Stole, bald bereitet er ihnen den Kelch zu; ganz unerwartet war er statt des Sakristans zu Diensten. Alle Mönche des Klosters, vom Abte angefangen bis zum jüngsten Bruder, kannte er beim Namen. In diesem Kloster hatte er sich auch die zeitliche Ruhestätte für seinen Leib ausersehen. Vor dem Altare des heiligen Erzengels Michael wollte er begraben werden.

Auf demselben Berge erbaute der Heilige auch ein Spital zur Aufnahme der Armen und der Fremdlinge, nebst einer Kapelle zu Ehren des heiligen Aegidius.

Das herrliche Gebäude auf dem Michaelsberge war endlich glücklich vollendet. Schon nahte der Tag, auf den die Einweihung festgestellt war. Allein auf einmal erkrankte der Bischof. Er war eben in Pottenstein. Die Kraft hatte ihn ganz verlassen, und die heftigsten Kopfleiden hatten ihn ganz herabgestimmt. An die Einweihung der Kirche am festgesetzten Tage war nicht mehr zu denken. Dem gläubigen Volke ging dieses Leiden seines innigst geliebten Bischofs sehr zu Herzen. Es nahm seine Zuflucht zu Gott, um durch Almosen und Gebet die Wiedergenesung des Oberhirten zu erflehen. Und Gott erhörte das Gebet der Gläubigen. Eines Tages, da Otto eben in seinen Schmerzen und in seiner Schwäche dalag, erblickte er auf einmal am hellen tage den Erzengel Michael vor sich stehend und ihm Glück wünschend mit den Worten der Antiphon: Freudig werden wir in das Haus des Herrn gehen." Kaum war der Engel verschwunden, so fühlte sich der heilige Bischof vollkommen gesund und kräftig, verkündete seinen Brüdern, was er gesehen und gehört hatte, und befahl, die Zubereitungen zur Einweihung der Kirche zu treffen. Am 30. August 1120 nahm der ehrwürdige Bischof die Weihe wirklich vor zu Ehren des heiligen Erzengels Michael und des heiligen Abtes Benediktus, auf deren Titel schon der heilige Heinrich die ursprüngliche Kirche hatte einweihen lassen.

Bald nach Vollendung des Klosters und der Kirche zum heiligen Michael erfolgte eine neue Gelegenheit, Barmherzigkeit zu üben und mit offener Hand ohne Aufhören mitzuteilen. Es kam ein ganz unfruchtbares Jahr. Not und Mangel wurden allgemein. Selbst die Reichern und Vornehmern konnten kaum mehr ihren Hunger stillen. Die Armen und die Bettler starben in Menge vor Hunger. Viele fand man verhungert auf den Straßen. Im Gefolge des Hungers war eine pestartige Krankheit, an der so Viele starben, daß die Meisten nicht mehr in den Gottesacker gebracht werden konnten. Man begrub die Leichen, wo man sie fand.

Der heilige Bischof begrub selbst viele der Verhungerten. Er bestellte Arbeiter, die große Gruben aufgraben mußten, in denen man die Leichen zu Hunderten der Erde übergab.

Während des Hungerjahres hatte der Bischof alle seine Speicher geöffnet. Man mußte unabläßig für die Armen Brot backen. Von allen Seiten kamen Hungrige in die Stadt, um vom Hungertode gerettet zu werden. Die Klöster hatten Anfangs mit freigebiger Hand ausgeteilt: jetzt war ihnen selbst der notwendige Bedarf ausgegangen. Sie wendeten sich an den Bischof und erhielten das Notwendigste.

Als endlich wieder die Zeit einer gesegneten Ernte kam, ließ der Bischof mehrere tausend Sicheln schmieden, und gab sie den Armen, die er das ganze Jahr ernährt hatte. Es war das Fest des heiligen Jakobus. Da redete der geliebte Vater also zu seinen Kindern: "Meine Kindlein! Die bösen Tage sind jetzt vorüber. Das mit Ähren gefüllte Feld gehört euch. Gehet hin in Freuden und im Frieden!" Er gab jedem noch einige Zehner nebst der Sichel, damit sie etwas auf dem Weg hätten. So tat er jedesmal, wenn Teuerung die Not der Armen übergroß gemacht hatte, und so erwarb er sich unablässig Schätze für den Himmel.

Zur Zeit der verheerenden Krankheit besuchte er alle Tage früh und spät die Spitäler und die Häuser der Armen. Immer brachte er selbst Nahrung mit oder ließ sie durch seinen Diener hintragen. Einmal fand er am Wege in einem Dornengestrüppe eine weibliche Leiche, an der schon die Raubvögel zu zehren begonnen hatten. Durch dieses Elend im Innersten gerührt, schlug der heilige Bischof an seine Brust und weinte über die Gottesstrafe, die er verdient zu haben bekannte. Nachdem er ein kurzes Gebet für die Verstorbene gesprochen hatte, ergriff er die Leiche und befahl seinem Diener, sie ihm tragen zu helfen. Dieser aber rief ganz erschrocken: "Doch nicht! beflecke doch nicht deine geweihten Hände! Ich will hingehen und Andere rufen, dann wollen wir sie schon begraben." Der Bischof entgegnete: Fern sei es von mir, daß ich mich scheuete, meine Schwester, die eine Tochter Adams, ja eine Tochter der Kirche ist, anzurühren. Ich will die Verstorbene selbst tragen und beerdigen, da ich sie hätte speisen sollen, als sie am Leben war. Du aber hilf mir, ich bitte dich; du wirst dafür gewiß von Gott den Lohn empfangen. Indessen erhob der Bischof den Leichnam und der Diener mußte, so groß auch sein Ekel war, ihm helfen. Sie trugen den Leichnam in den Gottesacker und begruben ihn daselbst nach christlicher Sitte.

Auch außer dieser Zeit des Jammers nahm sich der heilige Bischof fortwährend mit ausgezeichneter Liebe der Kranken an. Er hielt sich immer eine Verzeichnis von allen Kranken der Stadt, um ja keinen derselben zu vergessen. Und wo er immer von einem Unglücke in einer Familie hörte, war er mit Hilfe bereit.

Noch weit mehr, als er persönlich wirken konnte, hat der treue Diener Gottes durch die von ihm gestifteten Klöster nicht bloß für seine Zeit, sondern auch für eine lange Zukunft gewirkt. Neben seiner ausgezeichneten Tätigkeit und seinen vielen Opfern zum Heile seiner Untergebenen, zur Verherrlichung der Kirche Gottes und zum Troste der Armen und Kranken, gründete und ordnete der Heilige noch so viele Klostergemeinden, daß man meinen sollte, die Klosterstiftung sei eine einzige Lebensaufgabe gewesen.

Im Jahre 1108 wandelte der eifrige Diener des Herrn die alte Burg der fränkischen Herzoge, Aurach an der Saale, in ein Kloster um, und versah dasselbe mit reichlichen Einkünften. Um aber das Einkommen des Bistums durch die Kloster gemachte Schankung nicht zu schmälern, so kaufte er für das Bistum die Burg Pottenstein sammt ihren Besitzungen um siebzehn Pfund Gold und achthundert Pfund Silber und ließ diesen Erwerb durch eine Urkunde vom Oberhaupte der Kirche für alle Zeiten sichern.

Im darauf folgenden Jahre 1109 erbaute er die jetzt noch stehende Kirche des heiligen Jakobus zu Bamberg, "außerhalb der Mauern," und gründete das schon erwähnte Kloster Prüfening bei Regensburg.

Das Bistum Bamberg hatte von Anfang an auch Besitzungen in Kärnten gehabt. Diese waren durch einen Aufstand und Einfall der Karniolen verloren gegangen. der heilige Otto brach nach Kärnten auf, gewann die Burg Arnoldstein wieder und schuf sie in eine Klosterabtei um, die er mit Benedictinern besetzte.

Eines der berühmtesten Klöster der Diözese Bamberg war Banz. Dasselbe war im Jahre 1058 gestiftet worden. Früher stand daselbst eine Burg der Grafen von Banz. Albarada, die Gemahlin Otto's, des letzten Grafen von Banz, übergab nach dem Tode ihres Gatten und ihrer drei Söhne, als auch die Ehe ihrer Tochter Albarada mit dem Grafen Hermann von Vohburg kinderlos blieb, die Burg samt den Besitzungen dem Abte Egbert von Fulda, daß er es mit Benedictinermönchen besetze. Dies geschah erst im Jahre 1071. Der Mönch Conrad, den die Stifterin selbst vorgeschlagen hatte, wurde Abt des neuen Klosters.

Wenige Jahre darauf, 1078, fiel Graf Hermann von Vohburg in einer Schlacht. Er hatte für Heinrich IV., seinen Anverwandten, die Waffen ergriffen und starb im Banne. Seine Gemahlin Albarada, die Jüngere, wallfahrtete nach Rom, und erwarb sich vom Papste die Lossprechung ihres Gemahls vom Banne und die Erlaubnis eines kirchlichen Begräbnisses. Nach ihrer Rückkehr vermachte sie viel ihrer Erbgüter dem Kloster Banz, und lebte dann mit mehreren frommen Frauen in klösterlicher Zurückgezogenheit bis an ihr Ende. Sie hatte noch vor ihrem Tode dem Kloster schlimme Zeiten prophezeiet, die leider bald eintrafen. Das Kloster wurde geplündert, die Mönche wurden zerstreut und überall war ein Greuel der Verwüstung.

So traf es der heilige Otto, als er einst auf einer Reise nach Banz kam. Er fand nur noch einen einzigen frommen Mönch, der als Einsiedler lebte. Dieser erzählte dem Bischof von der ursprünglichen Stiftung des Klosters, von dessen Gütern und Zerstörung. Der Bischof fragte ihn, ob nicht noch Urkunden der Stiftung vorhanden seien. Der Mönch erklärte, er wisse nichts; allein es sei noch ein Gewölbe da, in welchem Schriften verborgen seien. Alles Übrige wäre von den Verwüstern geraubt oder zerstört worden. Der Bischof fand wirklich die Stiftungsurkunde und mehrere Privilegien, die dem Kloster ursprünglich waren verliehen worden. Sogleich faßte er den Entschluß, dieses Haus des Herrn wieder herzustellen. Vor Allem mußte er für das Kloster Mönche erhalten. Zu diesem Zwecke wendete er sich an das berühmte Kloster Hirschau, und erbat sich daselbst den Mönch Balduin als künftigen Abt und mehrere Brüder für die neue Pflanzstätte. Balduin wurde vom Bischof in Würzburg zum Abte geweiht. Otto befreite das Kloster von der angemaßten lästigen Schutzherrschaft des Grafen Rapotto von Wolfsmark, weihte die restaurierte Kirche sammt den fünf Altären im Jahre 1114 auf's Neue ein und bereicherte das Kloster mit vielen Geschenken. Das geistliche Leben blühte in dem neuen Kloster herrlich auf; ausgezeichnete Männer baten um Aufnahme, und beim Tode des ersten Abtes Balduin hatte die Zahl der Mönche schon vierzig erreicht.

Im Jahre 1119 kam Otto in die Oberpfalz zu dem Städtchen Auerbach. In der Nähe dieses Städtchens legte er in einer Waldgegend den Grund zu dem später berühmten Kloster Michelsfeld. Das Kloster sammt der Kirche wurde in demselben Jahre gebaut und von ihm zu Ehren des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes eingeweiht. Die in das Kloster berufenen Mönche lebten nach der Ordnung der Benedictiner von Clugny.

Zwei Jahre später, 1121, übergab der Markgraf Wipert von Osterland und Lusaz das von ihm erbaute und mit herrlichen Gütern bereicherte Kloster Regensdorf an den Bischof und die Kirche zu Bamberg. Das Kloster hieß früher Winzenburg und liegt an der Unstrut in der Diözese Halberstadt in Thüringen. Es ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht und wurde von Otto mit Mönchen aus dem Kloster Hirschau besetzt.

Diese nach der strengen Regel lebenden Mönche führte der Heilige auch in das von ihm gestiftete Kloster Enzdorf ein. Dasselbe ist in der Regensburger Diözese gelegen, und wurde zu Ehren des heiligen Apostel Jakobus eingeweiht.

Im Jahre 1123 bestätigte Papst Calixt II. die von Otto gestifteten Klöster Regensdorf, Michelfeld, Enzdorf, Aurach, Prüfening. In der am 5. April dieses Jahres ausgestellten Urkunde ist den Bischöfen, in den Diözesen Otto die Klöster stiftete, das Recht zuerkannt, die Äbte zu weihen; allein die Oberleitung dieser Klöster ist dem Otto und seinen Nachfolgern zugesprochen. Zugleich ist darin dem Bischof jede Verwendung dieser Klostergüter zu fremdartigen Zwecken, die Vergebung derselben an Laien, und überhaupt alle Verschleuderung derselben strengstens verboten.

Außer den genannten wurden noch mehrere Klöster von Otto oder auf seine Veranlassung gestiftet. So gründeten die Geschwister des heiligen Eberhard, Erzbischofs von Salzburg, das Kloster Biburg bei Abensberg im Jahre 1131, und der Bischof Otto bestätigte dies unter der Schutzherrschaft des Bischofs von Bamberg stehende Kloster. In dieselbe Zeit fällt die Stiftung der Klöster Heilsbronn, Weissenohe, Allerspach, Münchsmünster, Windberg, Laufheim. Über fünf Diözesen, ausser der seinigen, verbreitete sich durch diese Stiftungen die segenreiche Wirksamkeit des heiligen Bischofs. In Franken und in Bayern erhielt durch ihn das Klosterleben eine Neugestaltung zum Bessern, die noch lange nachwirkte. Nebst dem gründete er noch fünf Hospitien oder kleineren Klöster, von denen einige, wie Aspach, in der Folgezeit zu herrlichen Abteien heranwuchsen.

Schon zu Zeiten des heiligen Otto gab es Leute, die nicht begreifen konnten, wozu denn die Klöster nützen sollten, und warum der heilige Bischof auf Klosterstiftungen so unermeßliche Summen verwende. Als man ihn einst darüber fragte, gab er zur Antwort: "Die ganze Welt ist ein Verbannungsort. So lange wir in der Welt leben, sind wir Wanderer und ferne vom Herrn. Da brauchen wir Standquartiere und Herbergen. Leute, die sich über die vielen Herbergen beklagen, oder gar sagen, es gebe deren zu viele, denken nicht, daß sie auf der Wanderschaft sind. Sie meinen sie seien zu Hause. Würden sie von Räubern angepackt und ausgeraubt, geschlagen und verwundet und müßten sie halbtodt liegen bleiben, dann könnten sie zu der Einsicht kommen, daß es besser ist, in der Nähe eines solchen Quartiers zu sein, als ferne davon. Überfiele sie plötzlich ein Übel oder ein recht heftiger Schmerz, indem sie hoffnungslos daliegen müßten, wie könnte ihnen Hilfe werden, wenn die Herberge erst in weiter Ferne stünde? Nun aber gibt es eine Menge solcher Verwundeter und Halbtodter an vielen Orten, und darum ist es besser, es gebe viele derartige Herbergen, als wenn es nur wenige gäbe. Denn sie sollten die wenigen Herbergen ausreichen für so viele Fremdlinge und Kranke? Zudem ist jetzt die letzte Stunde, und die Welt liegt im Argen. Viele aber wollen sich aus der Welt flüchten und gerettet werden. Um dieser willen, und weil die Welt überhaupt so überfüllt ist von Menschen, ist es ganz in Ordnung, recht viele Klöster zu errichten. Im Anfange, als noch wenige Menschen auf der Welt waren, mußte für die Fortpflanzung und Vermehrung derselben gesorgt werden. Darum gab es dort keine Ehelosigkeit, sondern sie nahmen zur Ehe und gaben zur Ehe. Jetzt aber, am Ende der Zeiten, da die Menschen sich übermäßig vermehrt haben, ist die Enthaltsamkeit an der Zeit. Jetzt müssen Alle, die es können, der Ehe sich enthalten und ganz für Gott leben. Die Enthaltsamkeit und andere Werke der Heiligung können in den Klöstern leichter geübt werden als außer denselben. Dies ist mein Grund, warum ich die Klöster vervielfältige, und dies ist meine Absicht."

"Betrachten wir die Klöster, die jetzt durch die Frömmigkeit und Freigebigkeit der Gläubigen sich mehren und gedeihen, von einer anderen Seite, nämlich welchen Vorteil sie im Zeitlichen gewähren! Durch Gottes Güte sind ihre Speicher gefüllt, überfließend nach allen Seiten. Ihre Schafe bringen Lämmer und mehren sich auf ihren Weideplätzen. Ihre Kinder sind fett. Durch ihre vorsichtige Sorgfalt wird jedem Mauersturz vorgebeugt, und ihre Wiesen werden vor jeder abwendbaren Beschädigung verwahrt. In diesem Gedeihen können die Klöster den Bischöfen helfen, wenn sie in Not kommen. Geht es aber den Klöstern selber schlecht, und sind sie in Armut, dann sind sie meinen Nachfolgern eine nächste Gelegenheit zum Almosengeben. Da haben diese die schönsten Anlaß zur Wohltätigkeit. Durch Begießung der von mir gepflanzten Reiser können sie für sich Bäume heran ziehen, wie auch ich einige Pflanzungen Anderer gepflegt und groß gezogen habe. Leichter ist es, einen begonnenen Bau fortzusetzen, als da anfangen, wo noch gar nichts ist. Aller Anfang ist schwer. Kämen meine Nachfolger nicht dazu, einen Anfang zu machen, weil ihnen die Kraft oder der Mut fehlte, so mögen sie sich doch dazu verstehen, auf meinen Anfängen und Fundamenten im Namen des Herrn fortzubauen."

So verantwortete sich der heilige Bischof denjenigen gegenüber, die für seine frommen Bemühungen und Opfer kein Verständnis hatten. Sein Wahlspruch war: "Alles zur Ehre Gottes und zum Heile des Nächsten!" Die guten Früchte seiner Werke konnte er selbst noch schauen. Täglich sah man Wunder von Bekehrung in den gottgeweihten Häusern. Viele, die in der Welt einem jammervollen Untergange entgegen gingen, kamen in die Klöster und retteten darin ihre Seelen. Gerade diejenigen, die in ihrer Unwissenheit am weitesten sich verirrt hatten, wurden die ausgezeichnetsten Muster der Abtötung, der Selbstbeherrschung und eines gottseligen Lebens. Durch geistliche Lesung, durch Psalmengesang, durch gemeinschaftliche Gebete und Gottesdienste erlangten die einfältigsten Menschen eine Einsicht in die göttlichen und menschlichen Dinge, die wir in den uns hinterlassenen Schriften derselben nur anstaunen können und zugleich eine Entschiedenheit und Festigkeit des Willens, in der sie die unerreichbaren Vorbilden für alle Zeiten bleiben. Den Grund zu einer solchen Vollkommenheit des geistlichen Lebens hatte der heilige Bischof gelegt, der selbst die Sättigung mit Brot sich versagte, um solche Werke zur Ehre Gottes und zum Heile des Nächsten zu Stande bringen zu können.

Um das Jahr 1123 oder 1124 kam ein spanischer Bischof, Namens Leonhard, von einer fruchtlosen Missionsreise aus Pommern zurück und hielt sich einige Zeit in Bamberg auf. Derselbe hatte früher als Einsiedler gelebt, war wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit zum Bischof gewählt und geweiht worden, wurde aber durch einen eingedrungenen Gegenbischof so bedrängt, daß er lieber seinem Bistume entsagen und sich in die Einsamkeit zurückziehen, als zu einer Spaltung Anlaß geben wollte. In der Einsamkeit hörte er das Evangelium zu verkünden. Er war ein Mann von ausgezeichneter Abtötung Abtötung, lebte nur von hartem Brote und Wasser und trug ein ärmliches Einsiedlergewand. So kam er zum Herzog Boleslaus von Polen und eröffnete ihm sein Vorhaben, den vom Herzoge unterjochten Pommern das Licht des Glaubens zu bringen und, wenn es Gott gefalle, sein Leben durch den Märtyrertode dem Herrn zum Opfer zu bringen. Der Herzog war darüber sehr erfreut und gab ihm Begleiter und Dolmetscher mit.

Bernhard kam in seinem armseligen Gewande zu Fuß in das Land der Heiden. "Das Reich des Teufels werde nicht durch weltliche Macht, sondern durch die Demut Christi zerstört." — diesem feinen Grundsatze gemäß wollte Bernhard in apostolischer Armut sein Missionswerk beginnen. Allein die reichen Einwohner des Landes glaubten nicht, daß ein so armer Mann ihnen etwas Gutes bringen könne. Sie verspotteten ihn und befahlen ihm, das Land wieder zu verlassen. Bernhard ließ sich nicht abschrecken. Er predigte fort und hoffte, durch den Märtyrertod seinen Glauben bezeugen zu können. Allein die Pommern scheuten sich vor einer solchen Grausamkeit; denn sie wußten, wie viel Unglück und Verderben ihre Nachbarn durch die Ermordung des heiligen Bischofs Adalbert über sie gebracht hatten. Sie vertrieben den Glaubensprediger aus dem Lande.

Diese seine fruchtlose Missionsreise erzählte er dem Bischof Otto und ermunterte ihn, das Werk der Bekehrung dieses Landes zu unternehmen, aber auf eine andere Weise, als er es begonnen. "Willst du unter diesem wilden Volke etwas ausrichten, so mußt du, geliebter Vater, Mitarbeiter und Diener mit dir nehmen, wenn du ihre harten Nacken unter das Joch Christi beugen willst. Von ihnen darfst du nichts verlangen. Was sie dir geben, mußt du reichlich vergelten, um deine Überlegenheit über sie zu zeigen. Sie müssen sehen, daß du rein um Gottes Willen das Werk ihrer Bekehrung unternommen hast. So wirst du mit der Hilfe des Herrn dieses Volk in das Land der Verheißung führen.

In derselben Zeit erhielt der heilige Otto auch vom Herzoge Polens eine Einladung zu diesem Missionswerke. Boleslaus, der Sohn des Herzogs Wladislaus, an dessen Hofe Otto in seiner Jugend gelebt hatte, bat ihn, den Westpommern das Evangelium zu verkünden. Ihr Fürst Wratislaus hatte ihm schon drei Jahre früher eidlich versprochen, das Christentum in seinem Gebiete einzuführen; allein in ganz Polen fand der Herzog keinen Bischof und keinen Priester, der sich zu diesem Bekehrungswerke verstanden hätte.

Der heilige Otto bat den Papst Calixt II. um die Erlaubnis, sein Bistum zu verlassen, wurde von demselben zum apostolischen Legaten ernannt und trat am 24. April 1124 seine Missionsreise an. Eine Menge Priester und Diener begleiteten ihn. Der prachtvolle Kirchenornat wurde mitgeführt. Eine Menge kostbarer Geschenke für die Vornehmen des Volkes waren bereit. Alles war von dem armen Missionar Bernhard, der jetzt im Michaelskloster zu Bamberg als Mönch lebte, so angeordnet worden.

Von Bamberg aus kam der Missionszug zuerst nach Polen. In Gnesen, der Hauptstadt dieses Landes, kam der Herzog Boleslaus und der ganze Hof dem heiligen Bischof barfuß entgegen. Hier schlossen sich mehrere Männer an, welche die Sprache der Pommern sprechen konnten und als Dolmetscher dienten. Mehrere Geistliche gingen mit. Die größten Dienste leistete dem heiligen Otto der Oberst Paulicius, der ausgezeichnet beredt und eben so religiös war.

Der Herzog von Pommern, Wratislaus, hatte seinem Versprechen gemäß den christlichen Glauben angenommen; allein er wagte es nicht, denselben öffentlich zu bekennen. Dieser freute sich auf die Ankunft des Bischofs Otto und ging mit 500 Bewaffneten bis an die Grenze entgegen. Unter dieser Begleitung waren mehrere Christen. Diese nahmen den heiligen Missionär mit Freuden auf, und der Herzog übergab demselben sein ganzes Land, daß er es christlich mache.

Otto begab sich zuerst in die Stadt Pyriz. Durch den Oberst Paulicius hatte er sich ankünden und die versammelte Menge auffordern lassen, dem Götzendienste zu entsagen und die allein wahre, auf der ganzen Erde verbreitete christliche Religion anzunehmen. Die Erscheinung des Bischofes und seines Erfolges machte einen großen Eindruck auf die Menge. Viele waren schon früher Christen gewesen, hatten aber ihr Christentum wieder vergessen und abgelegt. Der Bischof unterrichtete diese, und die immer Heiden gewesen waren, sieben Tage lang. Seine Liebe und Freundlichkeit gewann die Herzen Aller. Als er sah, daß schon viele die notwendige Erkenntnis des Heils erlangt hatten, ordnete er ein dreitägiges Fasten an, um die Gnade der Bekehrung für Alle zu erstehen. darauf wurden die gläubig gewordenen Heiden getauft. Die Zahl derselben belief sich auf Siebentausend während der ersten zwanzig Tage. Vor seinem Abschiede belehrte Otto die Gläubigen noch über die sieben heiligen Sakramente, forderte sie auf zur andächtigen Anhörung der heiligen Messe und zum drei- oder viermaligen Empfang der Sakramente der Buße und des Altars während eines Jahres. Mit der größten Strenge untersagte er ihnen die Vielweiberei und die Tötung der neugeborenen Kinder.

Von Pyriz begab sich der heilige Glaubensprediger nach Kamin. Hier kam er am Feste des heiligen Johannes des Täufers an und blieb vierzehn Wochen lang. Es wurden Kirchen von Baumstämmen gebaut, und in denselben die heiligen Geheimnisse gefeiert. Die Einwohner waren schon vorbereitet durch die Nachrichten von Pyritz, und nur ein reiches, hochmütiges Weib widersetzte sich der Ordnung des Heils. Als schon allgemein die christliche Lebensordnung eingeführt war, und der Tag des Herrn gefeiert wurde, befahl sie ihren Untergebenen, am Sonntage die Feldarbeit fortzusetzen, wie an anderen Tagen. Sie ging selber mit an die Arbeit. Wie sie die Ihrigen Gott lästernd zur Arbeit anhielt und selber im Schweiße des Angesichtes sich abmühte, fiel sie plötzlich tot zur Erde. Dieser Vorfall wurde sogleich allgemein bekannt. Man sah darin eine Strafe Gottes für den hartnäckigen Widerstand, und Niemand wagte es fürderhin, sich der Predigt des Evangeliums zu widersetzen.

Vor allen andern Bewohnern Pommerns zeichneten sich die von Julin durch Gottlosigkeit und Grausamkeit aus. Auch in diese große Handelsstadt begab sich der heilige Otto. Daselbst bezog er ein Schloß des Herzogs, und zwar in Mitte der Nacht. Allein die von Julin wollten nichts von dem neuen Glauben wissen. Sie überfielen das Schloß und vertrieben den Bischof sammt seinem ganzen Gefolge aus der Stadt. Die Götzenpriester hetzten das Volk unabläßig auf, und die Glaubensprediger mußten sich entfernen.

Auf dem Wege nach Stettin, wohin sich der heilige Bischof jetzt begab, wurde er von einem wilden heidnischen Bauern überfallen, mit einem Holzblocke zu Boden geschlagen und in eine Pfütze geschleudert. Der Schlag war nicht tödlich gewesen. Otto erhob sich aus dem Unrat, in dem er fast erstickte, dankte dem Herrn und sprach: "Gepriesen sei der Herr! Wenn's auch nicht weiter kommen sollte, so habe ich jetzt doch einen Streich erhalten um des Herrn willen." Auf diese Mißhandlung folgte eine freundliche Tröstung. Ein reicher Mann, Namens Radamir, der aus Sachsen gebürtig und ein heimlicher Christ war, nahm den Bischof auf und führte ihn dann unter sicherem Geleite nach Stettin. Allein auch die von Stettin wiesen ihn sammt seiner Lehre ab. Als Grund ihrer Feindseligkeit gegen das Christentum gaben sie an, die Christen seien nicht besser, als sie selber. Es gebe unter ihnen Diebe, Räuber und solche, die ihren Nächsten verfluchen. Erst als ihnen der Polenherzog dauernden Frieden und Verminderung er Abgaben zusicherte, versprachen sie, das Christentum anzunehmen.

Unterdessen hatte sich eine vornehme Frau der Stadt, die früher Christin gewesen und von ihrem Manne zum Götzendienste gezogen worden war, mit ihren zwei Söhnen zum Christentum bekehrt. Dadurch war der Grundstein zum Aufbau der Kirche Pommerns gelegt. Die beiden Söhne predigen die Lehre des Heiles, und Viele in der Stadt verließen die Götzen und ließen sich taufen. der heilige Bischof zog an den Tagen, an welchen besonders viele Leute sich in der Stadt einfanden, in bischöflichen Ornate durch die Straßen, das Kreuz vorangetragen und von seinem ganzen Gefolge begleitet, und predigte auf dem Marktplatze vor dem versammelten Volke.

Zu gleicher Zeit kamen die an Boleslaus abgesendeten Männer mit der frohen Botschaft zurück, daß ewiger Friede und Verminderung der Abgaben von Boleslaus zugesichert sei. Die Leute erkannten es, daß sie diese Vergünstigung der Fürsprache Otto's zu danken hatten und wurden dadurch für das Christentum besser gestimmt. Sie lernten einsehen, wie thöricht ihr Götzendienst, wie ohnmächtig ihre Götzen seien, und halfen selbst die heidnischen Tempel und Götzenbilder zerstören.

Die reichlichen Tempelschätze brachten sie dem heiligen Bischof zum Geschenke, allein dieser nahm keinen Hellerswerth an, nur den dreiköpfigen Götzen Triglar behielt er, um denselben als eine Merkwürdigkeit nach Rom zu senden. Alle anderen Kostbarkeiten segnete er und gab sie den Stettinern zurück. Statt etwas anzunehmen, erkaufte er mit seinem eigenen Gelde Gefangenen und Sklaven die Freiheit und verschaffte durch diese seine Liebe und Freigebigkeit der Religion der Liebe und des Friedens den Eingang in die Herzen eines rohen und habgierigen Volkes.

Zu diesen allgemeinen Beweggründen, den christlichen Glauben anzunehmen, kamen noch besondere und außerordentliche. Der gütige Gott hatte dem Apostel Pommerns die Gabe der Wunder verliehen. Zwei vornehme Frauen der Stadt waren von der schmerzlichsten Krankheit befallen und konnten nirgends Heilung finden. Der Heilige Otto besuchte sie und verkündete ihnen die Lehre des Heiles. Im Vertrauen auf die Verheißung des Herrn, die er seinen Aposteln gegeben, sprach der Diener Gottes zu den Leidenden: "Wenn ihr glauben und die Taufe empfangen wollt, so werdet ihr nicht allein das volle Heil der Seele, sondern auch unversehrte Gesundheit des Leibes erhalten." Die Kranken glaubten, empfingen die Taufe und durch die Handauflegung des Bischofs die Vollkommene Gesundheit.

Dieses Wunder wurde allgemein bekannt und eine zahllose Menge bekannte den Glauben an Christus den Gekreuzigten und empfing die heilige Taufe.

Als die Einwohner von Julin hörten, welch eine freundliche Aufnahme das Christentum in Stettin gefunden hatte, erwachte auch in ihnen das Verlangen nach der Lehrer des Heiles. Der früher verstoßene Glaubensprediger wurde, als er wieder nach Julin zurückkehrte, wie ein Engel des Himmels aufgenommen. In kurzer Zeit wurden daselbst zweitausend einhundert sechsundfünfzig Heiden bekehrt und getauft.

Von Julin begab sich der Heilige in mehrere andere Städte des Landes, nach Clonoda, Kolberg, Belgard, Grestiz, verkündete überall das Evangelium und taufte die Gläubig gewordenen. Dann besuchte er nochmal die Städte, in denen er den Glauben gepredigt hatte, firmte die getauften, verbot ihnen auf's Neue alle heidnischen Gebräuche, schärfte ihnen die Regeln des christlichen Lebens ein und bekehrte sie, wie sie ihren Glauben durch ein neues Leben und durch die kirchlichen Uebungen offenbaren müßten. Am Freitag sollten sie sich der Fleischspeisen enthalten, am Sonntage von ihren Arbeiten ausruhen und zum Gebete und zur Anhörung des Gottesdienstes in der Kirche sich versammeln; die heiligen feste sollten sie durch Fasten am Vorabende, durch Gebet und fromme Spenden feiern. Die Kinder sollten in weissen Kleidern von Paten und nicht von Eltern selbst zur Taufe gebracht werden. Den barbarischen Kindermord sollten sie verabscheuen, mit Blutsverwandten und Verschwägerten keine Ehe eingehen, die Vielweiberei gänzlich ausrotten, die Leichen der Gläubigen nicht neben die der Heiden begraben. In gesunden Tagen sollten sie zu den Priestern gehen, ihnen ihre Sünden beichten und von ihnen die heilige Kommunion empfangen. Mit Ungläubigen sollten sie keinen Umgang haben u. s. w.

Über die Gemeinden der größeren Orte stellte der heilige Bischof Seelsorger auf, und über das ganze Gebiet setzte er den Priester Adelbert aus Polen als Bischof. Allein ehe noch Alles vollständig geordnet werden konnte, mußte der heilige Glaubensprediger wieder zu seiner Kirche nach Bamberg zurückkehren. Bamberg war durch einen furchtbaren Brand verwüstet worden. Nur die prachtvolle Domkirche und andere Kirchen waren verschont geblieben. Auf diese Nachricht reiste der heilige Bischof nach Gnesen, wo er sich einige Tage beim Herzoge Boleslaus aufhielt und ihm über seine Missionstätigkeit Bericht erstattete. Von da zog er durch Böhmen und kam von dort in das von ihm gestiftete Kloster Michelsfeld. Bis hierher ging ihm ein Teil der Geistlichkeit Bambergs und vieles Volk entgegen. Am 19. März 1125 kam er nach einjähriger Abwesenheit wieder bei seiner Gemeinde an. Bald darauf erfolgte das oben beschriebene Elend des Hungers und der Pest. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Klöster Biburg, Ebrach und Allerspach.

Drei Jahre verweilte Otto bei seiner Kirche. Jetzt erfuhr er, wie der Feind auf den Acker des neubekehrten Pommerns Unkraut ausgesät hatte. Den fanatischen Götzenpriestern war es gelungen, viele von den Bekehrten wieder zum Götzendienste zu verführen. Viele wollten Christo und den Götzen zugleich dienen. In Stettin erbauten sie neben der Kirche des heiligen Adelbert einen Götzentempel. So schienen die Früchte der Mission gänzlich zu verderben.

Dies Alles bestimmte den heiligen Bischof, sobald als möglich wieder nach Pommern zurückzukehren. Im Frühjahre 1128 begab er sich auf den Weg. Fünfzig Wagen mit Lebensmitteln, Kirchenparamenten und anderen Kostbarkeiten zu Geschenken für die Gläubigen in Pommern waren in seinem Gefolge. Er zog durch Sachsen und Leuticien und traf in Demin den Herzog Wratislaus von Pommern. Diesen bewog er, einem Teile der gefangenen Leuticier die Freiheit zu schenken. Einen Teil kaufte er mit eigenem Gelde los. Diesen Freigelassenen, die sämmtlich Heiden waren, verkündete er das Evangelium. Sie nahmen es freudig an und wurden getauft.

Der Herzog veranstaltete einen Landtag zu Usedom. Die Vornehmen des Landes, die hier zusammen kamen, waren teils Heiden, teils abgefallene Christen. Der Herzog stellte ihnen den heiligen Bischof vor und forderte sie auf, ihn zu hören und den von ihm mit so großer Liebe und mit so vielen Opfern verkündeten Glauben anzunehmen. Es waren eben die Tage des Pfingstfestes. Otto sprach nun selbst zu den Versammelten. Er verkündete ihnen die Lehre vom heiligen Geiste und seiner Herabkunft, von der Vergebung der Sünden, von den verschiedenen Gnadengaben. Seine Rede machte einen solchen Eindruck auf die Versammlung, daß die Abgefallenen sogleich wieder um die Aufnahme in die Kirche baten und daß viele von den Heiden sich taufen ließen. In dieser Versammlung wurde zugleich ausgesprochen, daß in ganz Pommern das Evangelium ungehindert verkündet werden sollte.

Otto begab sich von da an in die Stadt Wolgast. Hier waren die Leute von den Götzenpriestern ganz besonders feindselig gegen die Lehre des Heiles gestimmt worden. Der Herzog begleitete den Bischof selbst dahin, um ihn und seine Missionäre gegen Mißhandlungen zu schützen. Dieser Schutz war sehr notwendig; denn die Bürger hatten den Beschluß gefaßt, jeden Missionär, der sich blicken lasse, zu töten. Otto brachte es bald dahin, daß die Leute selbst ihre Götzentempel zerstörten und christliche Kirchen erbauten.

Noch leichter ging das Werk der Bekehrung in der Stadt Gutzkow, nur wünschten die Leute, daß ihr Götzentempel erhalten und in eine christliche Kirche umgewandelt werde. Otto sah ein, wie durch eine solche Nachsicht die Gefahr des Abfalls nahe gelegt würde und befahl die Zerstörung des Götzentempels. das Volk war willig, riß den Götzentempel nieder und erbaute ein herrliches Gotteshaus. Otto nahm die Einweihung desselben mit der größten Feierlichkeit vor und erklärte den Gläubigen, wie sie selber Tempel Gottes seien, und wie sie sich jeder Verunreinigung dieses geistigen Tempels durch Werke der Sünde enthalten müßten. Die Vornehmen betätigten ihren Glauben zunächst durch Losgebung der Kriegsgefangenen und der Sklaven.

Zu Stettin hielt sich der heilige Bischof drei Tage in der von ihm erbauten Peterskirche außer dem Thore auf. Der Herzog von Polen hatte die Stadt durch einen Kriegszug für den Abfall vom Glauben bestrafen wollen; allein Otto verschmähte eine solche Hilfe und nahm seine Zuflucht zum Gebete. Nachdem er drei Tage gebetet und gefastet hatte, zog er am vierten in seinem bischöflichen Ornate, umgeben von seinen Geistlichen, unter Vortragung von Kreuz und Fahnen in die Stadt ein und hielt eine Rede an das Volk. Die Götzenpriester hatten Häscher bestellt, die ihn mit ihren Lanzen durchbohren sollten, wofern er dem Volke sich zeigte. Allein als diese ihren Mord verüben wollten, erstarrten ihre Arme, und sie standen wie Statuen da. Dies Wunder erschreckte Viele. Die Abgefallenen baten reumütig um Wiederaufnahme. Schon konnte es der heilige Bischof wagen, einen dem Götzendienste geweihten Nußbaum gegen den Willen des Eigentümers niederzuhauen. Otto stand sichtbar unter dem Schutze des Herrn. Als man daranging, den prachtvollen Baum niederzuhauen, und er erboste Eigentümer eine Streitaxt schwang, um den heiligen Bischof den Kopf zu spalten, ward der Streich abgewendet und die Axt senkte sich so tief in einen Balken ein, daß sie der Mörder nicht mehr herausziehen konnte. Die Volksrache hätte diesen Gottlosen zerrissen, wenn er nicht durch Otto's Fürbitte wäre gerettet worden.

Die Stadt Julin war zum Bischofssitze bestimmt worden. Auch in diese Stadt kehrte Otto zurück, um die Abgefallenen wieder zu gewinnen. Allein hier war die Macht der Heiden zu groß und das Leben zu üppig, als daß der Erfolg ein ersprießlicher hätte sein können. Das Bistum wurde schon 1170 vom Papst Innocenz II. nach Kamin verlegt und die Stadt Julin ist zerstört worden und von der Erde verschwunden. Otto besuchte noch alle von ihm gestifteten Gemeinden, stärkte die Wankenden im Glauben, ermunterte die Starken zum Ausharren, wirkte überall außerordentliche Wunder und kehrte am Vorabende vor St. Thomas wieder nach Bamberg zurück.

Nach seiner Rückkehr von der Missionsreise lebte der heilige Otto nur mehr zehn Jahre. Er gründete noch mehrere Klöster und verwendete alle seine Kräfte auf die Förderung der Kirche Gottes in seiner Diözese.

Im Jahre 1133 kam König Lothar auf seiner Rückreise von Rom, wo er den rechtmäßigen Papst Innocenz II. auf den päpstlichen Stuhl gesetzt und den Gegenpapst vertreiben hatte, nach Bamberg. Hier erschien vor ihm der Schwabenherzog Konrad, legte den Königstitel ab und unterwarf sich auf Zureden des heiligen Bernhard dem König Lothar.

Der Heilige ließ sich noch alles seine späteren Stiftungen durch den Papst Innocenz II. bestätigen, schrieb an alle Äbte der von ihm gestifteten Klöster Worte ernster Ermahnung und besuchte die näher gelegenen Klöster selbst. jetzt rückten die letzten Tage seiner zeitlichen Wirksamkeit heran. Der Heilige hatte das siebzigste Jahr schon erreicht. Auf einmal überfiel ihn ein schmerzliches Leiden. Er ertrug es mit bewunderungswürdiger Geduld und empfahl seine Seele dem Herrn und seinen heiligen Patronen. Kamen seine Priester und Mönche zu ihm, voll Mitleiden mit dem leidenden Oberhirten, so tröstete er sie äußerst liebevoll. Ungeachtet seiner großen Schmerzen legte er sich des Tages nicht ins Bett, sondern saß in seinem Stuhle und sang Psalmen zum Troste für sich und zur Erbauung für seine Umgebung. Selbst die letzte Oelung ließ er sich sitzend erteilen.

Schon nahte das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Otto wußte, daß jetzt der Ruf des Herrn an ihn ergehen werde. Er ließ darum den Dekan der Domkirche, Engelbert, seinen Nachfolger, zu sich kommen. Als derselbe nebst mehreren Äbten und Priestern vor ihm erschienen war, sprach er zu ihnen: "Heute ist der himmlische Geburtstag meines Herrn, des Apostelfürsten Petrus. ich bitte euch, bringt ihm Alles, was mir Gott geschenkt hat, als Opfer dar, daß er und sein Mitapostel Paulus, der Lehrer der Heiden, mir die Pforten den Himmels öffnen und mich recht bald in die himmlische Stadt einführen mögen. Um den Ort meiner Ruhe, den Berg meines Patronen, des heiligen Erzengels Michael, nehmt euch als um meinen Lieblingsort mit Liebe an, sorget in allen Dingen für sein geistiges und für sein zeitliches Wohl zum Troste für meine Seele. Ihr wißt, wie armselig und elend und wie so ganz von allem klösterlichen Leben verlassen dieser Berg war, als ich ankam. Ihr wißt, welche geistigen Fortschritte derselbe durch Gottes Gnade unter meiner Dienstleistung gewonnen hat, so daß er jetzt unter allen Klöstern der Nachbarschaft allgemein als das Muster und als die Perle gilt. Wolle Gott geben, daß ihm dieser Name bis an's Ende unversehrt bleiben möge! Möge Allen, die ihm in Treue und Ehrfurcht zugetan bleiben, Friede und Segen werden vom Herrn hier und in Ewigkeit. Übrigens empfehle ich euch und die ganze Herde, die mir übergeben ward, dem obersten Hirten. Er wolle euch unversehrt bewahren und mich schauen lassen in der Ruhe ewiger Klarheit."

Darauf gab er ihnen den Segen und entließ sie mit Tränen väterlicher Liebe. Nachdem er noch die heilige Wegzehrung empfangen hatte, verharrte er im heiligen Gebete, um vom Herrn wachend erfunden zu werden, und ihm auf seinen Ruf und sein Anklopfen mit Freude die Türe öffnen zu können.

Die Nacht brach an. Der Leib des heiligen Bischof war schon bereits erstorben, allein sein Geist lebte wunderbar auf. Mit ganzer Seele merkte er auf das Lob Gottes, das die Geistlichen in seiner Gegenwart um Mitternacht dem Herrn darbrachten. Mit aufgehobenen Händen und zum Himmel gewendeten Augen sprach er nach jeder Lektion, welche gelesen wurde, ganz kräftig: Deo gratias! Die erste Stunde nach Mitternacht war vorüber, das Fest Pauli Gedächtnis war angebrochen. Es war Freitag den 30. Juni 1139. In dieser geheiligten Stille der Nacht, in der Umgebung seiner Brüder gab der heilige Bischof seinen Geist auf, um für alle Ewigkeit in der himmlischen Wohnung Christum zu schauen und zu genießen. Die Kunde von seinem Hinscheiden durchlief eiligst seine ganze Diöcese und alle von ihm gestifteten Klöster. Die Trauer und der Jammer um den gemeinsamen Vater der Armen war allgemein.

Der Leichnam des Heiligen wurde einbalsamiert und, wie es sein Wille gewesen, auf dem Michaelsberge zur Erde bestattet. Der Bischof Embriko von Würzburg hielt die Leichenrede. Unzählige Menschen waren zusammen geströmt. Die Priester trugen den heiligen Leichnam. Als sie vor der innern Türschwelle der Kirche die Worte sangen: "Nimm mich auf, o Herr!" war das Weinen und Jammergeschrei so groß, daß die Träger der Leiche ihre heilige Last hinstellen und mitweinen mußten. Das Grab des heiligen Bischofs wurde durch zahllose Wunder verherrlicht und prangt noch hinter dem Kreuzaltare der Kirche am Michaelsberg. Der Grabstein zeigt sein ehrwürdiges Bild.

*) Die Abstammung Otto's von den Grafen zu Andechs ist eine Behauptung späterer Geschichtsschreiber, die nicht bewiesen ist und mit den ältesten Lebensbeschreibungen des Heiligen im Widerspruch steht.

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Quelle:

  • BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
    zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Modestus Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)

BAVARIA SANCTA
Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
Bayern unter Amtsherzogen des deutschen Reiches (911-1180)
Band II. - Vierter Abschnitt
(Vorbermerkung, Geschichte)
  1. Benno
  2. Edigna
  3. Diemudis
  4. Egino
  5. Ulrich
  6. Gualfard
  7. Bruno
  8. Otto von Bamberg
  9. Herluka
  10. Berthold
  11. Rupert
  12. Konrad
  13. Wilhelm
  14. Otto
  15. Bertha
  16. Makarius
  17. Ulrich
  18. Walto
  19. Stilla
  20. Otto der Große
  21. Mechtildis
  22. Eberhard
  23. Hartmann
  24. Arnold
  25. Gerhoh
  26. Marold
  27. Grimmo
  28. Adalbert



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