www.fleurop.de
Suchbegriff(e) eingeben:

Heiligenlegenden im Jahresverlauf oder von A - Z
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
A B C
D E F
G H I
J K L
M N O
P Q R
S T U
V W X
Y Z


Logo 180x150
468x60

Zur übersicht »» BAVARIA SANCTA ««  |  Druck Version  |  PDF Version  |  Zurück
Translate this page into English Translate this page into English   |   Traduction française de cette page Pressure Version

Der heilige Adalbero, Bischof von Würzburg
Copyright © by www.heiligenlegenden.de
-
Der heilige Adalbero, Bischof von Würzburg -

  • Festtag, Gedenktag ist der 6. Oktober
  • * um 1010 auf Schloss Lambach, Österreich
  • am 6. Oktober 1090
  • Heiligsprechung: 1883

Der Vater dieses treuen Oberhirten der Kirche in einer heillosen Zeit allseitigen Abfalles war der Markgraf Gottfried von Wels und Lambach im Land ob der Enns. Seine Mutter war gebürtig aus Franken und hatte in dieser Gegend ihre Güter . Sie hieß Regilla. Der Vater war ein tapferer Kriegsheld und mußte noch in seinen letzten Tagen als treuer Sohn der Kirche vor dem kirchenfeindlichen Heinrich IV. aus Bayern nach Ungarn flüchten.

Adalbero hatte mehrere Geschwister. Sie wurden allesamt in der Gottesfurcht erzogen und erbten die zeitlichen Güter des Vaters. Er aber hatte von Kindheit an ein Verlangen nach den ewigen Gütern und gab sich alle Mühe, mit Verachtung der irdischen Schätze den Reichtum des Himmels zu gewinnen. Als der Vater diese Richtung seines Sohnes gewahrte, nahm er ihn mit sich nach Würzburg, um ihn dort dem Dienste des Herrn zu weihen. Zugleich brachte er auch den Teil seiner Güter , die er wahrscheinlich als die Brautgabe von seiner Gemahlin erhalte hatte, der Kirche in Würzburg zum Opfer. Diese Schenkung ließ er durch den Bischof und durch die Geistlichkeit der Stadt bekräftigen.

An der Domschule in Würzburg lernte Adalbero die Anfangsgründe der Wissenschaften. Er machte bei seinen ausgezeichneten Talenten gar bald solche Fortschritte, daß alle sich über seine Kenntnisse und über die Leichtigkeit, darüber sich auszusprechen, sich auszusprechen, höflich verwunderten. In solcher Weise vorbereitet, begab er sich nach dem Rat seines Bischofs in Begleitung mehrere gleichgesinnter Jünglinge nach Paris, der damals schon weltberühmten Hochschule. Mit unermüdetem Eifer suchte der talentvolle Adalbero die Schätze des Geistes sich anzueignen und reich begütert kehrte er wieder nach Würzburg zu seinem Bischof zurück.

Unter den Genossen, die mit Adalbero nach Paris zogen haben sich ganz besonders zwei ausgezeichnet, nämlich der uns schon bekannte Erzbischof Gebhard von Salzburg , der Gründer des Klosters Admont und Altmann der edle Westfale und spätere Bischof von Passau. Einer bekannten Sage zufolge, waren diese drei Männer von ihrer frühesten Jugend an miteinander zur innigsten Freundschaft verbunden. Als Studenten hatten sie einst auf einer Wanderung, am Bache ausruhend und das Mittagsbrot aus ihren Brottaschen verzehrend, die drei Bischofssitze von Salzburg, Passau und Würzburg unter sich verteilt und jeder hatte den anderen die Gründung eines Klosters zugesichert. Diese Freundschaft gewann ihre höchste Verklärung in dem einmütigen Einstehen und Kämpfen derselben für die Sache des Herrn und in der herben Verfolgung, die sie um des Herrn und i der herben Verfolgung, die sie um des Herrn willen erduldeten. Wie am Anfang ihres Lebens, so begegnen uns die edlen Männer auch am Ende des selben im Innersten der Seele mit einander vereinigt. Denn nichts heiligt und kräftigt die Freundschaft der Art, wie das gemeinschaftliche Leiden um des Herrn willen.

Man hat behauptet, Adalbero sei nach seiner Rückkehr von Paris eine Zeit lang dem von seinem Vater gegründeten Kloster Lambach als Abt vorgestanden. Aber dies läßt sich nicht beweisen. Der Vater Arnold hatte nur den Anfang zur Stiftung dieses Klosters gemacht, die Vollendung hatte Adalbero übernommen, da er schon lange Zeit Bischof war. Erst er hat die Benediktiner in diese Stiftung berufen. Adalbero war nie Mönch und nie Abt. Er diente an der Kirche zu Würzburg unter dem heiligen Bischof Bruno, diesem ebenso gelehrten als frommen Mann. Diesen machte er sich zum Vorbild in der Verleugnung alles Irdischen und in dem Streben nach der Vollkommenheit. Denn nach Gottes weiser Anordnung sollte er auch als Oberhirt der Gemeinde in seine Fußstapfen treten.

Am 17. Mai des Jahres 1045 starb der hoch verdiente Bischof von Würzburg, der heilige Bruno. Es kam zu einer Bischofswahl. Einstimmig wurde Adalbero vor der gesammelten Geistlichkeit und den Großen des Reiches , von Hohen und Niederen, zum Bischof gewählt. Darauf folgte unverzüglich die Weihe und die Einführung des neuen Bischofs in sein Amt. Auf den Leuchter gestellt, leuchtete Adalbero allen als Vorbild der himmlischen Weisheit und Gottseligkeit, als treuer Haushälter über die ihm anvertraute Gemeinde des Herrn. Untadelig in seinem ganzen Wandel war er ein Vater der Waisen, ein hilfreicher Tröster der Armen, Schutz und Schirm für die Witwen und für die Hilflosen.

So lange der glaubenstreue Oberhirt im Frieden leben konnte, zeigte er seine Freigebigkeit als Bischof und als Herzog vorzüglich auch in Erbauung und Verschönerung der Kirchen und in Gründung von Klöstern.

Stattliche Tempel erbaut er mit himmelaufstrebenden Säulen.
Liebe zum Herrn bewog ihn zur Gründung geheiligter Stätten.
Die er mit zeitlichem Gut und frommen Genossen begabet.

So beschreibt der Dichter seine kirchliche Tätigkeit in dieser Beziehung. Wir fassen hier zunächst die Stiftung des Klosters Lambach in`s Auge.

Lambach war ein Schloß, das dem Vater unseres Bischofs, dem großen Arnold gehörte. Der selbe hatte es in ein Kloster verwandelt und zu einem Kollegium für zwölf Geistliche bestimmt. In der daran gebauten Kirche der seligsten Jungfrau war die Familiengruft für sein Geschlecht. Er selbst und seine Gemahlin Regilla sollten hier ihre Ruhestätte finden. Wirklich hatten sich schon 12 Geistliche zusammen gefunden, die von der ihnen beschiedenen Stiftung lebten und zu bestimmten Stunden in der Kirche gemeinschaftlich beteten und das Lob Gottes sangen. Es wohnte aber jeder derselben in einem eigenen, nahe gelegenen Häuschen, ganz für sich allein.

Diese Stiftung seines Vaters, die in der Diözese Passau unweit Wels gelegen ist, wollte Adalbero in ein Benediktiner Kloster umwandeln. Er erweiterte das Gebäude und beschenkte das Kloster mit dem vom Vater ererbten Gütern. Dann berief er Jünger des heiligen Benedikt in das Kloster und stellte den demütigen und frommen Effebert als Abt über sie auf. Das Kloster erhob sich sehr bald, aber der fromme Effebert wollte lieber gehorchen als befehlen und bat den Bischof, daß sein Amt einem anderen übertragen werde. Der Bischof ließ sich durch die Bitten Effeberts bewegen, ihm einen Stellvertreter zu geben. Es war dies der treffliche Beckmann, der durch die einstimmige Wahl der Brüder zum Abt gewählt wurde und in seinem Amt blieb bis an sein Ende. Die Einführung der Benediktiner in Lambach geschah um das Jahr 1056.

Im darauf folgendem Jahr übergab der heilige Bischof das Kloster des heiligen Stephan zu Würzburg an die Benediktiner Mönche. Dieses war im Jahr 999 von Bischof Heinrich von Würzburg erbaut und mit Kanonikern besetzt worden.

Der heilige Bischof spricht sich über den Grund und Zweck dieser Veränderung in rührender Weise also aus: "....Durch seine freie Güte, nicht wegen meiner Verdienste, sondern einzig und allein durch seine Gnade hat mich der Herr zum Werke seines Dienstes auserwählt und ungeachtet meiner Untüchtigkeit zum Verwalter über sein Haus gesetzt. Darum muß ich mit aller Sorgfalt verhüten, daß ich die mir übergebenen Güter nicht vergrabe, damit ich nicht seinem strengen Gericht anheim falle . Mit Vorsicht und Gewissenhaftigkeit muß ich sie austeilen, damit ich einst die Stimme vernehmen möge: "Wohlan, du guter und getreuer Knecht"!...Darum sei euch und unserer ganzen Kirche kund getan, daß ich, in die Fußstapfen meiner Vorfahren tretend, beschlossen habe, Gott in seinen Heiligen zu ehren, die gottgeweihten Orte zu zieren und zu dotieren und die Feier des Gottesdienstes an denselben zu ordnen. Dazu habe ich jetzt mit Gottes Beistand eine Gelegenheit gefunden. Die Kirche und das Kloster, die unter meinem Vorfahrer Heinrich unten an der Stadt erbaut wurden, habe ich als ganz geeignet für klösterliches Leben befunden. Ich habe nun bei mir erwogen, wie ich dort den Dienst des Herrn erheben und erweitern könnte; ich habe den Herrn um Rat angefleht und mich auch mit meinen ehrwürdigen Brüdern darüber beraten. Diesem Rat zufolge will ich die Kanoniker an der genannten Kirche in die Stadt herein versetzen, damit sie in Vereinigung mit denjenigen die in der Stadt sind, leben und nach der selben Regel Gott dienen mögen. Das Kloster und die Kirche außer der Stadt aber, die zu Ehren der seligsten Jungfrau, der Apostel Petrus und Paulus und des heiligen Erzmärtyrers Stephanus erbaut sind, sollen dadurch zu gebührenden Ehren gebracht werden, daß dreißig Mönche dort unter einem Abt, nach der Ordensregel des heiligen Benedikt, dem Herrn dienen. Damit diese Diener des Herrn an dieser geheiligten Stätte leben können, sollen ihnen all die Höfe und Pfarreien samt allen Einkünften bleiben, wie sie der Bischof Heinrich dieser Kirche entweder selbst geschenkt hat, oder wie sie derselben von anderen sind vermacht worden. Zugleich habe ich nach dem Ra und mit Zustimmung meiner Brüder, der Kanoniker und anderer frommer, erleuchteter Männer, neun Höfe in Hattingsfeld, die ich als väterliches Erbgut besitze, Erträgen und Rechten...und den Garten vor dem Vorhof dieses Klosters... an das Kloster übergeben, um einen Anteil zu gewinnen an dem Dienste des Herrn, der dort unablässig Gott soll dar gebracht werden. Zur ewigen Erinnerung dessen soll eine Urkunde dieser meiner Verordnung in dem Kloster und eine zweite in unserer bischöflichen Kirche hinterlegt werden. Den 3. März 1057."

Beinahe zwanzig Jahre später, um das Jahr 1075, begann der heilige Bischof die Wiederherstellung des in seiner Diözese gelegenen Klosters Schwarzach am Main. Dort war schon im letzten Jahr der Regierung Karls des Großen oder im ersten nach seinem Tode gegründet worden. Das Kloster war ganz herab gekommen. Man weiß nicht, ob ein Brandunglück oder die Fahrlässigkeit der Bewohner Ursache an seinem äußerlichen Verfall war. Bischof Adalbero ließ es neu aufbauen, beschenkte es reichlich mit Gütern und Einkünften und weihte die Kirche zu Ehren der Mutter Gottes und der heiligen Märtyrerin Felizitas ein. Damals sollen auch Mönche aus dem Kloster Görz in der Diözese Metz samt dem ausgezeichneten Abt Effebert nach Schwarzach berufen worden sein.

Dies war das letzte Werk, das der gottselige Bischof auf seinem bischöflichen Sitz unternehmen konnte. Schon im Jahre 1077 wurde er von den Würzburgern, die es mit Heinrich IV. hielten, aus der Stadt vertrieben. So lange der König in der kirchlichen Gemeinschaft gestanden war, hatte ihm Adalbero die wichtigsten Dienste geleistet. Im Jahre 1075 war er mit dem Erzbischof Gebhard von Salzburg, mit Siegfried von Mainz, mit Embriko von Augsburg und dem Herzog Gottfried von Lothringen Friedensvermittler zwischen Heinrich IV. und den Sachsen. Dies Volk hatte gerade diese fünf Männer zur Vermittlung sich ausgebeten, weil sie als Männer von erprobter Treue und unbestechlicher Wahrhaftigkeit allgemein bekannt waren. Ihnen traute man zu , daß sie halten würden, was sie versprochen hätten. Sie brachten auch wirklich den Frieden zu Stande. Die Sachsen mußten die Waffen nieder legen; dann war ihnen verheißen, daß ihnen weder am Leben noch an der Ehre noch an ihren Gütern ein Schaden zugefügt werden sollte. Der König ging dies alles mit Freuden ein und versprach ihnen eidlich, er werde, nachdem sie sich in solcher Weise ergeben hatten, in ihrem Lande nichts gegen ihren Willen und gegen ihr Gutachten unternehmen. Aber gar bald brach er seinen Eid, handelte wieder feindselig gegen die Sachsen, verbannte die edelsten Männer, ließ andere ins Gefängnis werfen und raubte auf diese Weise selbst den Friedensvermittlern ihren ehrlichen Namen.

Im folgenden Jahr 1076 war Adalbero mit dem ehrwürdigen Bischof Herman von Metz auf der Asterssynode zu Worms, wo die Bischöfe Heinrichs IV. den rechtmäßigen Papst Gregorius VII. abzusetzen sich anmaßten. Die zwei getreuen Bischöfe widersetzten sich diesem gottlosen Unternehmen. Sie erklärten , es sei gegen die Kirchengesetze, selbst einen Bischof zu verdammen, wenn er nicht persönlich gegenwärtig sei. Selbst ein allgemeines Konzilium könne dies nur tun, wenn die Verbrechen, deren er angeschuldigt werde, durch Zeugen rechtskräftig erwiesen seien. Viel weniger könne dies bezüglich des römischen Bischofs erlaubt sein, gegen den man selbst von einem Bischof oder Erzbischof eine Anklage gar nicht annehmen dürfe. Als aber die Günstlinge Heinrichs IV. dessen ungeachtet auf ihrer Gottlosigkeit beharrten, entfernte sich der treue Hirt auf immer von diesen Verrätern und ihrem königlichen Gönner.

Von dieser Zeit an war Adalbero mit de gottseligen Bischof Altmann von Passau eine Hauptstütze der Kirche in Bayern und ein weiser Ratgeber für alle, die sich in dieser großen Verwirrung nicht auskannten und doch das Rechte wollten. Er kam noch im selben Jahr mit den Herzogen Rudolf von Schwaben, Welf von Bayern und Berthold von Kärnten zu einer Beratung zusammen, wie man den König Heinrich IV. wieder auf bessere Wege bringen und den Frieden der Kirche herstellen könne. Auch bei den von päpstlichen Legaten geleiteten Versammlungen zu Ulm und zu Tibor war er gegenwärtig und bot alles auf, die vom Papst abwendig gemachten Bischöfe und Äbte wieder für die Kirche zu gewinnen, was bekanntlich bei vielen gelang. Zu der Synode in Quedlinburg, auf welcher 1085 der Gegenpapst Guibert exkommuniziert und die heillosen Grundsätze Heinrichs IV. und seiner Anhänger verworfen wurden, sendete er seinen Legaten.

In dieser Zeit lebte der ehrwürdige Bischof außer Würzburg, aber doch, wie es scheint, in seiner Diözese. Bis zum Jahr 1085 wurde jedoch sein bischöflicher Sitz keinem Eindringling von Heinrichs IV. Partei übergeben. Erst i diesem Jahr drängte sich der von der Kirche ausgeschlossene Meginhard in den Schafstall Christi ein, um in dem selben zu plündern und zu rauben. Adalbero wurde in die Acht erklärt und flüchtete sich höchst wahrscheinlich in sein Kloster Lambach, wo er sich zeitweise schon vorher aufgehalten hatte. Bis zum Jahr 1086 dauerte die Verbannung des eifrigen Bischofs. In diesem Jahr zog der nach König Rudolfs Tod 1080 zum König erwählte Hermann von Luxemburg mit einem Heer nach Franken, vertrieb die Anhänger Heinrichs IV. samt dem eingedrungenen Bischof Meginhard aus Würzburg und führte den ehrwürdigen Adalbero wieder in seine bischöfliche Kirche zurück. Alle Rechtgläubigen waren hocherfreut über die Rückkehr des geliebten Oberhirten. Zu seiner Sicherheit ließ König Hermann eine starke Besatzung in der Stadt und zog selber wieder ab. Aber diese Besatzung war dem Heer Heinrichs IV., das bald aus Sachsen heran rückte nicht gewachsen. Die Stadt wurde erobert und der Bischof Adalbero aufs neue wieder vertrieben. An seine Stelle kam zum zweiten Mal Meginhard. Kaum etwas über ein Jahr konnte der ehrwürdige wieder bei den Seinigen zubringen. Während die Stadt belagert wurde, sendete Heinrich IV. seine Bischöfe und die Großen des Reiches an Adalbero, um ihn zu bestimmen, mit dem exkommunizierten König i Gemeinschaft zu treten. Adalbero erklärte: "Man kann mich töten, aber nie wird man mich bewegen, freiwillig den König Heinrich IV. zu sehen oder mit ihm zu sprechen". Diese Entschiedenheit machte selbst auf den elenden Heinrich IV. einen Eindruck. Er verbannte ihn aus der Stadt, ohne ihm sonst ein Leid zuzufügen.

Der treue Diener des Herrn wollte lieber in der Verbannung leben, als beständig in der Gefahr schweben, mit dem Feind der Kirche in Verkehr zu kommen. Er begab sich also wieder nach Lambach. Dort scheint er die schon früher erbaute Kirche erweitert und restauriert zu haben; denn im letzte Jahr vor seinem Tode sorgte er noch dafür, daß sie aufs neue eingeweiht wurde. Und weil Lambach in der Diözese Passau gelegen war, so bat er seinen Freund, den Bischof Altmann, diese Weihe vorzunehmen. Die beiden Briefe dieser ehrwürdigen Bischöfe sind Zeugnisse ihres heiligen Ernstes und ihres kindlich frommen Sinnes.

"Dem heiligen und ehrwürdigen Vater Altmann, dem würdigen Bischof der Kirche von Passau wünscht Adalbero,durch Gottes Gnade Bischof von Würzburg, dermalen durch Gewalt ungerechter weise vertrieben, daß er koste von der Quelle des Lebens und gelange zum Vollgenusse derselben. Wir sind, wie der Prophet sagt, in der Hand Gottes, wie der Ton in der Hand des Bildners. Unser Bildner kann dem Ton eine ihm beliebige Form geben, ihn zu einem Bilde machen, wie es ihm gefällt. Immer wird es etwas mangelhaftes sein; denn wir selbst und all das Unsrige ist dem Tode verschrieben. Alles, was geworden ist, geht seinem Untergang entgegen. Die alternde Welt wendet sich seit ihrer Erschaffung schon ihrem Ende zu. Von Tag zu Tag offenbaret sich ihr Verfall immer mehr; endlich folgt der Umsturz. Da fürchte ich den allen Ernstes, wir möchten unversehens und unvorbereitet von den Wogen des Umsturzes verschlungen werden."

"Durch Gottes Fügung ist mir als dem einzigen Erben das ganze väterliche Erbgut zugefallen. Schon manche Nacht ist ein Herz von der Furcht beunruhigt worden, es könne wegen der großen Not, die bald über das ganze Reich kommen wird, oder wegen der Nachlässigkeit der Nachkommen die Einweihung des Klosters Lambach noch auf lange hin verschoben werden und endlich ganz unterlassen bleiben. Ich weiß, mein Vater, daß du gerechte Bitten immer gerne erhörst und frommen Wünschen hold bist. Durch große Zuversicht ermutigt und gestärkt bitte und beschwöre ich dich, es wolle durch deine heilige Bemühung zu einem heiligen Hause des Herrn geweiht werden, was die fromme Sorgfalt meiner Väter zu einem Kloster bestimmt hat, damit dort unablässig die Hilfe des Herrn angerufen und Gott in seinen Heiligen gepriesen werde."

Obgleich die durch mich geschehen könnte, so wäre es doch nicht in Ordnung. Die Gesetze verbieten, im Erntefeld eines Andern die Sichel anzulegen, damit nicht durch unkluge Eingriffe und durch gewagte Unternehmen Beleidigung zugefügt, Hass erzeugt und die brüderliche Eintracht zerstört werde. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn durch meine Tätigkeit, durch meine Dienstleistung ein so heiliges Werk vollbracht werden könnte. Du wirst der Glückliche sein, auf dessen segnende Tätigkeit derjenige, den die Himmel nicht fassen können, in diesem Gebäude seine Wohnung nehmen wird mit seinen Heiligen. Er wolle dich behüten, wie seinen Augapfel und dich beschützen unter dem Schatten seiner Flügel. Amen"

Der fromme Bischof Altmann, der eben damals im Kloster Göttweih sich aufhielt, war über diesen Brief sehr erfreut und antwortete ihm sogleich in folgender Weise:

"Dem seligen und ehrwürdige Vater Adalbero, dem durchaus würdigen Bischof der heiligen Kirche zu Würzburg wünscht Altmann, durch Gottes Gnade Bischof, obgleich unwürdig, von Passau, in der Trübsal nicht mutlos zu werden, sondern festzustehen i Glauben und mannhaft zu handeln. Ich will es gleich bekennen, ich bin durch deinen Brief gleichsam von einem tiefen Schlaf aufgeweckt und so erfreut worden, daß die Traurigkeit, die schon längst mein Herz beschlichen hat, fast gänzlich verschwunden ist. Ein dreifaches Band, das die göttliche Weisheit mit höchstem Verstand und ewiger Vorsehung aus drei Fäden, aus Glauben, Hoffnung und Liebe gewebt hat, hält uns mit solcher Weisheit und Kraft zu unserem Heil so innig verbunden und vereint, daß die Vereinigung durch keinen Anlauf des Irrtums zerstört werden kann, wenn auch alle Gefahren und Unfälle auf sie los stürmen würden."

"Es ist dies jenes Band, von dem der Weise sagt: "Ein dreifaches Bricht schwer." Sprüch. 4, 12. Weil er sagt: schwer, so deutet er an, daß es doch gebrochen werden könne. Unser Band aber wird nie brechen,solange der Eifer der Liebe nicht erkaltet oder lau wird. Kurz, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und i den Tod zu gehen; wie könnte ich dir deine gerechten Bitten verweigern? Nichts kann ich dir versagen. Immer bin ich bereit, dich, ehrwürdiges Haupt, zu ehren. Ich werde deiner Bitte entsprechend kommen und mit dir die feierliche Einweihung vornehmen. Ich fürchte jedoch, unsere Feinde werden diesen Freundschaftsdienst zu einem Anlaß, uns zu schaden, mißbrauchen. Sie werden sich stellen, als freuten sie sich, uns also vereint zu sehen, allein sie werden uns Netze legen."

"Unseren Befürchtungen steht offen das weiteste Feld."

Diese Furcht wird der vereiteln, dem wir dienen und dessen Diener die wahren Herrscher sind. Deine Bitte ist mir Befehl. Übrigens hast du wohl getan, daß du mich darum angesprochen und mir dazu verholfen hast, mein Diözesanrecht auszuüben. Hättest du jedoch diese heilige Handlung selbst vorgenommen, so hättest du dich wohl kaum an mir versündigt; denn mit dir bin ich ein Herz und ein Sinn. Wo du bist, bin ich allezeit auch. Was du tust, ist mir immer wohlgetan. Weil wir aber nach dem Befehl des Herrn den Leidenden, de in der Trübsal sind, beispringen, mit den Weinenden weinen und die Betrübten trösten sollen, so ermahne und bitte ich dich: laufe doch dem Herrn nicht aus der Schule, werde nicht müde in der Beängstigung; denn, wen der Herr lieb hat, den züchtigt er und er hat Wohlgefallen an jedem Leidenden, wie der Vater an seinem Kinde. Er ist nahe derjenigen, die betrübten Herzens sind, und die demütig im Geiste sind, wird er erretten. Freue dich,mein Vater und frohlocke, denn auch dies Leiden wird der Herr zu Ende bringen, wo du am wenigsten daran denkst."

"Ehe man`s denkt, wird bald uns erscheinen die selige Stunde." "Gott, der Vater der Erbarmung und der Gott alles Trostes, tröste uns in all unsrer Trübsal, Amen".

Wenige Tage darauf kam der ehrwürdige Bischof Altmann nach Lambach. Es war in der Herbstzeit. Ein ganzes Jahr hindurch hatte eine bittere Hungersnot das ganze Land hart bedrückt. Nun war wieder ein gesegnetes Jahr gekommen. Alle Scheunen waren gefüllt und Zufriedenheit und Freude war allgemein.

Mehr als alles andere erfreute den greisen Adalbero die Ankunft seines treuen Mitbruders, des ehrwürdigen Bischofs Altmann. Mit Hymnen und Lobgesängen, wie ein Engel des Himmels, wurde der Bischof von der Geistlichkeit und dem gesamten Volk empfangen. Am Abend war freundliche Mahlzeit. Des anderen Tages in aller Frühe sollte die Weihe beginnen. Es war der 14. September des Jahres 1089. Schon längst war alles vorbereitet zur festlichen Feier. Die beiden Bischöfe im feierlichen Ornate begaben sich zur Kirche. Nachdem man den heiligen Geist angerufen hatte, schritt man zur Weihe. Der Bischof Altmann weihte den Hochaltar zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und des heiligen Kilian und seiner Gefährten ein. Diese ersten Glaubensprediger in Franken verehrte Adalbero als Bischof von Würzburg und als Zögling der dortigen Schule in ausgezeichneter Weise. Den zweiten Altar weihte Adalbero selbst zu Ehren des heiligen Johannes und anderer Heiligen, deren Reliquien dort ruhten. Dabei ereignete sich eine merkwürdige Vorbedeutung. Als der ehrwürdige Bischof das Reliquienkästchen in den Altar ein senkte, brach ein Edelstein von seinem bischöflichen Ring los und fiel in das Grübchen, das für die Reliquien zubereitet war. Der dienstleistende Diakon streckte seine Hand aus, den Edelstein wieder heraus zu nehmen. Aber der Bischof sah ihn liebevoll warnend an und sprach: "Laß es gut sein, mein Sohn, laß es gut sein"! Dann wendete er sich zum versammelten Volk, wies mit dem Finger auf den Altar und sprach: "Hier ist meine Wohnung in Ewigkeit. Hier werde ich ruhen, denn diesen Ort hab ich mir auserwählt."

Aus der ganzen umliegenden Gegend war das gläubige Volk zu diesem Fest der Einweihung des Gotteshauses zusammen gekommen. Vier Tage lang dauerte die Feierlichkeit. Unzählige Büßer kamen und erhielten Vergebung ihrer Sünden und Lossprechung von den kirchlichen Strafen. Alle Armen wurden ausgespeist und vergasen ihre Armut. Täglich verkündete die beiden Bischöfe die trostvolle Lehre des Heils und alles Volk freute sich dieser Belehrung aus dem Munde der apostolischen Männer. Allen war zur Mute, als sähen sie mit Jakob die Himmelsleiter und die Engel Gottes auf der selben auf- und absteigen und Gott den Herrn selbst zu oberst auf der Leiter.

Zum Schluss der Feierlichkeit wurde noch allen, die bisher nur die taufe empfangen hatten, das Sakrament der Firmung gespendet. Durch diese himmlische Salbung wurden nun alle, was der Apostel Petrus von den Gläubigen sagt, "ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein geheiligtes Volk, das er sich erworben, damit es die Tugenden desjenigen verkünde, der sie aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte berufen". 1. Petr. 2, 9. Alles Volk stimmte ein in die Worte des Dichters: "Festlicher Tag des Segens, o kehre noch herrlicher wieder!"

Aber es kam bald ein anderer Tag. Der greise Adalbero überlebte diese Festlichkeit nur noch ein Jahr und wenige Tage. Er starb am 6. Oktober 1090 und wurde in dem von ihm gestifteten Kloster Lambach, neben dem Altar, in den der Edelstein aus seinem Ring gefallen war, zur Erde bestattet.

Bei dem Grabe des gottseligen Bischofs geschahen viele Wunder. Der älteste Beschreiber seines Lebens zählt dreiundzwanzig außerordentliche Heilungen auf, die auf die Fürbitte des Seligen gewirkt wurden. Sein ganzes Leben, in dem er so vieles für die Kirche gearbeitet und gelitten und die nachfolgenden Wunder berechtigten die Mönche von Lambach zur öffentlichen Verehrung des Seligen. Sein Fest wurde am Tage seines Hinscheidens, den 6. Oktober gefeiert. Sie hatten zu dieser Feier ein eigenes Offizium. Das Gebet, das in dem selben enthalten ist lautet also:

Erzeige dich gnädig, o Herr, uns deinen Dienern durch die glorreichen Verdienste deines Bischofs und Bekenners, des seligen Adalbero, der in dieser Kirche ruhet, damit wir durch seine väterliche Fürbitte allezeit in unsere Widerwärtigkeiten beschützt werden, durch unsern Herrn Jesus Christum. Amen

(Ex Boland.)

Quelle:

  • BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
    zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Modestus Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)
BAVARIA SANCTA
Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
Bayern unter Amtsherzogen des deutschen Reiches (911-1180)
Band I - Vierter Abschnitt

  1. Thiento, Abt
  2. Mathildis
  3. Ulrich von Augsburg
  4. Ruzo (Rugo)
  5. Hatto, Bruno und Bernold
  6. Piligrin
  7. Guntharius
  8. Wolfgang
  9. Adelheid
  10. Gunthildis
  11. Ramuold
  12. Albuin
  13. Tagino
  14. Kunigunda (Kunissa)
  15. Hartwig
  16. Heinrich
  17. Kunigund
  18. Aurelia
  19. Ulrich von Ebersberg
  20. Richardis
  21. Hademunda
  22. Gotthard (Godehard)
  23. Reginbald, Bischof
  24. Günther
  25. Bruno
  26. Aquilin
  27. Gisela
  28. Gundekar II. (Gunzo)
  29. Batho
  30. Gebhard
  31. Murcherad (Muricherodachus)
  32. Marianus
  33. Adalbero
  34. Wiltrudis
  35. Wilhelm
  36. Altmann
  37. Der heilige Ulrich, Probst von Ulrichszell
  38. Der selige Engelmar, Einsiedler
  39. Der heilige Walderich, Mönch von Clugny
  40. Die selige Richildis von Hohenwart
  41. Der selige Wolfhold, Priester zu Hohenwart
  42. Die selige Salome und Judith in Niederaltaich
  43. Der heilige Thiemo, Erzbischof von Salzburg



Die Heiligenlegenden    (http://www.heiligenlegenden.de)
Copyright © by Josef Dirschl, www.heiligenlegenden.de    -    info@heiligenlegenden.de
ALLE RECHTE VORBEHALTEN / ALL RIGHTS RESERVED
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits

Haftungshinweis:
Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner Homepage und mache mir diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Website angebrachten Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.