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Leben der Väter und Märtyrer
ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler

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Der gottselige Aigilis, Abt in Fulda
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Der gottselige Aigilis, Abt in Fulda -

  • Festtag, Gedenktag ist der
  • * in Bayern
  • im Oktober 822

Aigilis war aus Bayern gebürtig und wurde schon in seiner frühesten Jugend dem Abte Sturmio in Fulda zur Erziehung übergeben. Er soll von edler Herkunft und mit dem heiligen Sturmio verwandt gewesen sein. Dieser eifrige und feste Abt nahm sich des jungen Zöglings mit sorgfältiger Liebe an und unterwies ihn in aller Wissenschaft und Gottseligkeit. Aigilis erklärt in dem von ihm geschriebenen Leben des heiligen Sturmio selbst, daß er mehr als zwanzig Jahre unter der Zucht dieses Heiligen gestanden und von Kindheit an von ihm unterrichtet worden sei.

Dreißig Jahre nach dem Tode des heiligen Sturmio wurde Ratgar Abt in Fulda. Dieser war ein äußerst strenger Mann und ein blinder Eiferer. Bei ihm galt nur die leibliche Arbeit und Kasteiung. Die Brüder erhielten nur kümmerliche Nahrung und mußten unablässig mit den härtesten Arbeiten sich befassen. Die gewohnten Gebetsübungen und die Anhörung der heiligen Messe wurde für die Wochentage abgeschafft. Mehrere der bisherigen Feiertage wurden Werktage. Alles Bitten der Brüder um Milderung dieser unerträglichen Strenge war vergeblich. Nun wendeten sie sich an den Kaiser, Karl den Großen, und baten um Abhilfe. Der Kaiser suchte die Klagenden zu beruhigen, allein es half nichts. Durch den Kaiser aufgefordert, kamen die Bischöfe von Mainz, von Worms, von Würzburg und Augsburg nach Fulda, um Frieden zu schaffen. Der Friede war kein vollkommener. Ratgar war von seinem Eigensinn nicht abzubringen. Nach Karls Tode wendeten sich die Mönche an Ludwig den Frommen, daß er ihnen zu Hilfe komme.

Der Kaiser sah ein, daß unter Ratgar das ganze Kloster zu Grunde gehen müßte und setzte ihn ab. Nun wurde ein Probst nebst einigen Dekanen über die Genossenschaft aufgestellt. Aber dieses Regiment, so heilsam es auch im Vergleich mit dem vorigen war, konnte nicht die Länge bestehen. Es war nicht der heiligen Regel gemäß. Darum baten die Brüder den Kaiser um die Erlaubnis, wieder einen Abt wählen zu dürfen. Der Kaiser erlaubte es und ermahnte sie, einen solchen zum Abte zu wählen, der den Willen und die Fähigkeit hätte, Vater aller zu sein.

Alle waren der Überzeugung, der künftige Abt müßte sanft und milde sein. Aber sie konnten dennoch in der zu wählenden Persönlichkeit sich nicht so bald vereinigen. Die Laien meinten, es sollte ein Adeliger sein, damit er den Mächtigen gegenüber sie schützen könnte. Andere achteten diesen Vorzug gering und wollten einen gelehrten Mann zum Vorstande. Endlich wurden die Meisten einig in der Person ihres frommen, gelehrten Mitbruders Aigilis, der die Milde und Sanftmut selber war. Nur ganz Wenige fürchteten sich vor der Festigkeit und Entschiedenheit seines Charakters und wünschten einen anderen.

Aigilis erklärte, er könne diese Würde nicht auf sich nehmen. Sein vorgerücktes Alter mache ihn untüchtig für dieses Amt. Aber die Brüder ließen eine solche Entschuldigung nicht gelten. Fürchte dich nicht, Vater, vor dieser Last, so riefen ihm die Brüder zu, wir alle sind bereit, diese schwere Bürde mit dir zu tragen. Verlasse uns nur nicht in dieser großen Not! Diesen aufrichtigen Bitten der Brüder gab Aigilis nach und übernahm das Vorsteheramt.

Im Jahre 817 begann der fromme Abt die Restauration der Kirche zu Fulda. Zwei Jahre darauf wurde der prachtvolle Tempel vollendet und durch den Erzbischof Heistolf von Mainz eingeweiht. Viele Bischöfe, Äbte und Priester und eine unzählbare Volksmenge hatte sich zu dieser Feierlichkeit versammelt. Damals wurde auch der Leib des heiligen Bonifazius in dem neu erbauten Grabmale beigesetzt.

Aigilis hatte auch zwei Krypten, eine auf der Ostseite und eine auf der Westseite der neuen Kirche erbaut. Diese wurden am folgenden Tage durch den Chorbischof Humbert von Mainz eingeweiht. Diese Werke heiliger Kunst waren von den Brüdern aufgeführt worden, ohne daß sich irgend eine Unzufriedenheit oder eine Klage erhoben hätte.

Damit war der fromme Abt noch nicht zufrieden. Nach dem Rate und mit Zustimmung sämtlicher Brüder unternahm er jetzt den Bau eine Cömeteriums zur Begräbnisstätte für die Brüder. Es ist dies eine unterirdische Rotunda, ein Denkmal altdeutscher Kunst, wie sie in der Folge häufiger gebaut wurde. Dieser unterirdische Bau wurde im Jahre 821 vollendet und im Jäner 822 vom Erzbischof Heistolf eingeweiht.

Nachdem diese Ruhestätte für die verstorbenen vollendet war, wollte er von Alter und Krankheit geschwächte Abt auch den Lebenden die Wohnstätte wohnlicher machen. Er beriet sich mit den Brüdern über den Ort, wo das neue Kloster sollte gebaut werden. Man war Anfangs im Zweifel, ob die Südseite der Kirche oder die Nordseite der geeignetere Platz wäre. Endlich entschied man sich für die Nordseite, weil die römischen Klöster auf diese Seite der Kirche gebaut sind, und weil die Mönche auf dieser Seite näher bei den Reliquien des heiligen Bonifazius zu wohnen kämen.

So war in den Tagen des Abtes Aigilis alles im Kloster Ein Herz und Eine Seele. Allenthalben herrschte der himmlische Frieden. Nicht die geringste Störung der vollkommenen Eintracht kam vor. Der Abt tat den in innigster Liebe ihm verbundenen Brüdern im Geringsten Nichts zu Leide; und diese waren dem liebvollstem Vater in kindlicher Liebe zugetan. Die Brüder gehorchten und folgten nicht bloß dem Abte, sondern auch sich untereinander mit der größten Bereitwilligkeit, wie es die heilige Regel vorschreibt. Der Seeleneifrige Abt war unablässig bemüht, die ihm anvertraute Herde mit Gottes Beistand recht zu leiten. Nie gab er einem falschen Eifer, nie einem verdachte Raum; sondern er liebte Alle von ganzer Seele und wurde auch von Allen auf‘s innigste geliebt und verehrt.

Schon war der Bau eines neuen Klosters bedeutend vorgeschritten, als für den geliebten Abt die letzte Stunde nahte. Aigilis erkrankte und erkannte die Nähe des Todes. Er ließ sich in das von ihm erbaute Cömeterium bringen, um dort zu beten. Dann bezeichnete er noch auf der östlichen Seite die Stätte, wo er begraben zu werden wünschte. Mit eigener Hand grub er ein Stück weit in die Erde; dann wurde er zurückgeführt und zu Bette gebracht. Hier legte er noch das Bekenntnis seiner Sünden ab, bat alle, die je von ihm sollten beleidigt worden sein, demütig um Verzeihung, versicherte all, die ihn je beleidigt hätten, seiner aufrichtigen Verzeihung, empfahl sich nochmal dem Gebete der Brüder und entschlief sanft und selig im Herrn, im Jahre 822 im Monate Oktober. Das ganze Kloster war zu einem Trauerhaus geworden. Man wußte, welch einen heiligen Vater man verloren hatte; man war in Angst wegen der Zukunft. So endete dieser fromme Abt, den wir in Bayern mit Ehrfurcht den Un‘srigen nennen, dem aber kirchliche Verehrung bisher noch nicht zu Teil geworden ist.
Er machte sich selber die Grabschrift:

„Ich Abt Aigil bin hier im Grab zur Ruhe gebettet.
Vielen im Land weitum war ich im Leben bekannt.
Hier umschließt den ermüdeten Leib die enge Behausung,
Die ich im Leben mir selbst sorglich im Schweiße gebaut.
Hier erwart‘ ich den Herrn, der erlöset die Bande des Todes,
Hoffend, daß Er, wenn er kommt, gnädig zum Leben mich weckt.”

(Mabillon Annales ord. S. Ben. Tom. II.)

Quelle:

  • BAVARIA SANCTA - Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
    zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk - Bearbeitet von Dr. Modestus Jocham, Professor der Theologie und erzbischöflicher geistlicher Rat - Mit Gutheißung des hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariats München - Freising, (1861)
BAVARIA SANCTA
Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes
Band I - Dritter Abschnitt
Bayern unter der Herrschaft der Karolinger

  1. Karl der Große
  2. Hildegardis
  3. Utto
  4. Gerold
  5. Winthir
  6. Simpert
  7. Totto
  8. Arno v. Salzburg
  9. Aigilis
  10. Nidgar
  11. Deochar
  12. Arno v. Würzburg
  13. Richardis
  14. Rathardus
  15. Adelindis
  16. Adalbero
  17. Tuto
  18. Rasso oder Ratho
  19. Lambertus
  20. Eberhard



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