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Der heilige Bonifatius, Märtyrer und Eisheiliger
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Bonifatius von Tarsus, Märtyrer und Eisheiliger, latein. der Wohltäter (Gezogen aus dessen unverfälschten Akten, herausgegeben von henschenius, Fleury u.a.m.)

* in Rom (?)
+ um 307 in Tarsus in Kilikien in der heutigen Türkei (?)

Um das Jahr 307
Zu Rom lebte zu Anfang des vierten Jahrhunderts ein Weib, Namens Aglae, das jung, schön und von edler Geburt war. Sie besaß solche Reichtümer, dass sie drei Mal auf ihre Kosten die öffentlichen Spiele gegeben hatte. Die unordentliche Liebe zur Welt hatte ihr Herz und Verderbnis erfüllt und sie unterhielt einen lasterhaften Umgang mit Bonifatius, dem Oberaufseher ihrer Güter.

Dieser Mann war dem Weine und allen Unordnungen ergeben, aber er hatte auch manche andere gute Eigenschaften, als: Gastfreundschaft, Freigiebigkeit und Mitleid. Wenn er einen Fremdling oder Reisenden sah, nahm er ihn mit viel Herzlichkeit auf. Zu Nachtzeit durchwanderte er die Straßen und öffentlichen Plätze und gewährte den Armen alle Hilfe, deren sie bedurften.

Aglae endlich von der Gnade gerührt und von Zerknirschung durchdrungen, rief eines Tages Bonifatius zu sich und sagte ihm: „Du weißt, in welchen Abgrund der Laster wir uns versenkt haben, ohne zu bedenken, dass wir vor Gott erscheinen müssen, um ihm Rechenschaft über unsere Sünden abzulegen. Ich habe gehört, wer Diejenigen verehrt, welche für den Namen Jesu leiden, werde an ihrer Herrlichkeit Teil nehmen. Auch habe ich erfahren, dass die Diener Jesu Christi im Morgenland gegen den Teufel stritten und lieber ihre Leiber den Qualen hingaben, als dass sie der Religion, die sie bekannten, entsagten. Gehe demnach hin und hole uns Reliquien von einigen dieser heiligen Kämpfer, damit wir ihr Andenken ehren und durch ihre Fürbitte gerettet werden mögen.“

Bnoifatius gehorchte sogleich seiner Gebieterin; und nahm beträchtliche Geldsummen mit sich, um sowohl von den Schergen die Leiber der Märtyrer zu kaufen, als auch um den Armen beizustehen. Da er im Begriffe war, abzureisen, sagte er zu Aglae: „Wenn ich mir Reliquien verschaffen kann, werde ich nicht ermangeln, dieselben mitzubringen, Wenn man dir aber meinen Leib für den eines Märtyrers brächte, würdest Du ihn annehmen.“ Aglae hielt diese Worte für einen Scherz und gab Bonifatius darüber einen Verweis.

Indessen trat Bonifastius seine Reise an, aber seine Bekehrung war noch nicht vollkommen. Durchdrungen von Schmerz, wollte er auf dem Wege weder Fleisch essen, noch Wein trinken und mit diesem Fasten verband er inbrünnstiges Gebet, heiße Tränen der Reue und andere Bußwerke.

Die Kirche des Abendlandes genoss damals einen tiefen Frieden, aber jene des Orients seufzte unter der Verfolgung, welche Diokletian begonnen hatte und Maximilian Galerius Daia mit der größten Wut forstsetzten. Vorzüglich sahen sich die Christen Siliciens, wo Simplicius Statthalter war, der grausamsten Verfolgung preisgegeben. Tarsus, die Hauptstadt dieser Provinz, war der Ort, wohin Bonifatius seine Schritte lenkte. Sobald er da angekommen war, schickte er seine Diener mit seinen Pferden in einen Gasthof und begab sich zu dem Statthalter, dem er eben auf seinem Richterstuhl fand. Er erblickte da eine große Anzahl Märtyrer in grauenvollen Qualen. Der eine hing an einem Fuße und Feuer brannte unter seinem Haupte; ein anderer war ausgespannt an weit von einander entfernte Pfähle gebunden; ein Dritter wurde von den Schergen mit einer Säge zerschnitten; einen vierten waren die Hände abgehauen; ein fünfter lag auf der Erde mit einem Pfahl durch die Kehle gespießt; einem sechsten hatten die Schergen Hände und Füße aus den Gelenken gerissen und auf den Rücken gebunden und zerschlugen ihn mit Stöcken. Die Zahl der Christen, die man auf diese grausame Weise marterte, belief sich auf zwanzig. Aber während die Zuschauer von starrem Entsetzen ergriffen wurden, erduldeten sie mit unzerstörbarer Seelenruhe diese unmenschlichen Qualen.

Unerschrocken trat Bonifatius zu den Märtyrern hin, umarmte sie und rief aus: „Groß ist der Christen Gott! Groß ist der heiligen Märtyrer Gott! Bittet für mich, ihr Diener Jesu, damit ich mit euch vereinigt, auch gegen den Teufel kämpfe.“ Der Statthalter, der sich durch eine so kühne Handlung verhöhnt glaubte, wurde von unbändiger Wut ergriffen und fragte Bonifatius, wer er sei. Dieser antwortete: er sei ein Christ und keine Marter könne ihn zur Verleugnung Jesu Christi, seines göttlichen Meisters, zwingen. Simplicius befahl, Schilfrohre zu spitzen und sie unter ihm unter die Nägel der Hände einzustossen. Da dieses geschehen war, ließ er ihm gegossenes Blei in den Mund gießen. Bonifatius rief Jesus um Beistand an, und wendete sich dann an die anderen sterbenden Märtyrer um von ihnen den Beistand ihrer Gebete zu erflehen. Solche Grausamkeiten erregten das Mitleid und den Unwillen des Volkes, das in Gärung aufbrausend ausrief: „Groß ist der Christen Gott!“ Erschrocken zog sich der Statthalter zurück.

Den folgenden Tag setzte er sich wieder zu Gericht, und ließ Bonifatius vor sich führen. Der Märtyrer beharrte auf dem Bekenntnisse seines Glaubens ohne sich durch irgend eine Drohung erschüttern zu lassen. Man warf ihn in einen Kessel siedendes Peches, er ging aber unverletzt heraus. Zuletzt wurde er zur Enthauptung verurteilt. Da das Urteil gefällt war, betete er um Vergebung seiner Sünden und um Bekehrung seiner Verfolger. Nach geendigtem Gebete hielt er den Henkern das Haupt hin und empfing den Todesstreich.

Die Gefährten des Bonifatius, die ihn indessen vergebens im Gasthofe erwartet hatten, suchten ihn durch die ganze Stadt. Während ihrer Nachforschungen erfuhren sie endlich von dem Bruder des Kerkermeisters, dass am verflossenem Tage ein Fremdling wegen der christlichen Religion sei enthauptet worden. Man zeigte ihnen den Körper und sie erkannten ihn. Sie kauften denselben um fünfhundert Goldstücke, salbten ihn, nahmen ihn mit sich nach Rom und lobten Gott wegen des glückseligen Endes des heiligen Märtyrers. Der Triumph des heiligen Bonifatius fällt in das Jahr 307.

Als Aglae den ganzen Hergang vernommen hatte, dankte sie Gott für den Sieg, welchen er ihrem Diener gewährt hatte. Dann ging sie in Begleitung frommer Geistlichen mit Fackeln und Wohlgerüchen den Heiligen Reliquien entgegen, die fünfzig Stadien von Rom, an dem lateinischen Wege 1), beigesetzt wurden, wo Aglae ein Grabmahl errichten und einige Jahre nachher ein Gebetshaus oder eine Kapelle erbauen ließ.

Im Jahre 1603 entdeckte man zu Rom die Reliquien des heil. Bonifatius und des h. Alexis in der Kirche, welche ehemals den Namen des heil. Bonifatius trug, jetzt aber den des heil. Alexis führt. Beide sind unter dem Hochaltar in zwei reichen Gräbern von Marmor eingeschlossen. Aglae brachte ihre übrigen Lebenstage in stiller Zurückgezogenheit und in Bußwerken zu. Sie lebte noch 15 Jahre und wurde neben die sterblichen Überreste des heiligen Märtyrers beigesetzt.

Wenn wir Gottes Barmherzigkeit preisen, welche die größten Sünder in Heilige umwandelt, so sollen wir zugleich darum flehen, dass sie unsere Herzen, die Gefäße des Verderbnisses sind, zu Gefäßen der Gnade und Liebe umschaffe. Der Schmerz über die begangenen Sünden hat mehrere Grade; aber so lange er noch keine völlige Umänderung des Willens hervorbringt; die Neigungen der Seele noch nicht gereinigt hat, kann man ihn nicht als eine Neue ansehen, welche das Heil bewirkt 2). oder als jene Liebe, die das neue Geschöpf 3) beseelt und ganz durchdringt. Die wahre Bekehrung setzt allezeit einen vollendeten Sieg über Dasjenige voraus, was sich der Übung des Guten entgegenstemmt. Wer aus Gott geboren ist, überwindet die Welt 4). Wenn man nur wenig die Grundsätze des Evangeliums, die Vorschriften der Kirche und sogar die Aussprüche der Vernunft beachtet, wird man nie einen Menschen als Büßer ansehen, dessen wankendes, zweifelhaftes Handeln um Leben nur eine Reihe von Widersprüchen darstellt; der sich heute für die Tugend und morgen für das Laster ausspricht; der den Eindrücken des Heiligen Geistes folgt, und sich wieder feigherzig durch die Anfälle des Feindes besiegen lässt; der die Gefahr liebt und keinen Mut hat, den Gelegenheiten, die ihn zur Sünde verleiten, zu entsagen.


1) Es darf nicht befremden, dass man diesen Umstand in den Akten des heil. Märtyrers angezogen findet. Die Kirche von Rom genoss damals des Friedens. Consurgens Aglaës confestim accepit secum clericus et viros religiosos, et sic cum hymnis et canticis spiritualibus et omni veneratione obviavit sancto corpori. Ruinart, p. 290, in fol. Von dem heil. Cyprian wird ebenfalls gesagt, dass seine Schüler, der heftigen Verfolgung ungeachtet, seinen Leib unter Kerzen und Fackeln wegtrugen. Inde per noctem sublatum cum cereis et scholacibus. Ebend., p.218.

2) II. Kor. VII, 10

3) Gal. V, 6.

4) Joh. V, 4.

Quellen:

  • Leben der Väter und Einsiedler nebst anderen vorzüglichen Heiligen, ursprünglich in englischer Sprache verfaßt von Alban Butler.  —  Nach der französischen Übersetzung von Godescard für Deutschland bearbeitet und sehr vermehrt von Dr. Räß, Professor der Theologie und Direktor im bischöfl. Seminar in Mainz und Dr. Weis, Geistlicher Rat und Canonicus am hohen Dom in Speier  —   aus dem 6. Band von 1824, Seite 419
  • Internetrecherchen und weitere Legendenbücher
    Neu überarbeitet und digitalisiert von www.heiligenlegenden.de (2017)

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